„Steigende Datenaufkommen in den Mobilfunknetzen wird die Mobilfunkanbieter beschäftigen“

Interview mit Johannes Weicksel, BITKOM-Bereichsleiter Telekommunikationstechnologien und Intelligente Mobilität


Johannes Weicksel, BITKOM
Auch wenn es in Sachen LTE in Deutschland gerade nicht die großen Innovationsschübe zu vermelden gibt, hat sich die Technologie etabliert, und gar eine der besten Verfügbarkeiten in ganz Europa erreicht, wie uns Johannes Weicksel vom Branchenverband BITKOM verriet.


Wir sprachen mit ihm über Erreichtes, Potentiale und den nächsten Schritt Richtung „all mobile“.

LTE-Anbieter.info: Vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben! Fünf Jahre ist es nun her, seit die Bundesnetzagentur mit dem Verkauf der Lizenzen für Frequenzpakete aus der „Digitalen Dividende“ den Startschuss für LTE in Deutschland gegeben hat. Haben sich die hohen Erwartungen von damals erfüllt?

Johannes Weicksel: Der Mobilfunkstandard LTE hat, bezogen auf das von den Mobilfunkprovidern angebotene Leistungsspektrum, die Erwartungen durchaus erfüllt und ist ein gutes Beispiel, wie ein neuer Mobilfunkstandard flächendeckend ausgerollt werden kann. Wir haben in Deutschland die beste Mobilfunkverfügbarkeit mit LTE in Europa.

LTE-Anbieter.info: Deutschland ist eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt und liegt in der Versorgung mit Breitbandinternet im internationalen Vergleich regelmäßig abseits der ersten Plätze. Woran liegt das?

Johannes Weicksel: Gerade auf die Nutzung von LTE bezogen, liegt dies sicherlich in der zögerlichen Nachfrageentwicklung durch die Kunden. Wie bereits erwähnt, ist die Verfügbarkeit in Deutschland sehr gut. Die Nutzerzahlen jedoch zeigen noch ein anderes Bild. Der Mehrwert in der Leistungsfähigkeit ist für viele Nutzer nicht so wichtig wie ein günstiger Preis.

LTE-Anbieter.info: An welchen Stellschrauben muss gearbeitet werden und wer ist im Verzug? Politik oder Wirtschaft?

Johannes Weicksel: Der marktgetriebene Ausbau von breitbandigem Internet schreitet immer weiter voran. Es gibt bereits weit verbreitete Angebote über 100 Mbit/s. Der Weg zur Flächendeckung in der Versorgung besteht in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und öffentlicher Hand.

LTE-Anbieter.info: Schnelles Internet ist längst wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Welche Anliegen tragen Unternehmen in diesem Zusammenhang an Sie heran?

Johannes Weicksel: Unternehmen, für die eine breitbandige Anbindung ein wichtiger Faktor für den Geschäftsbetrieb ist, sorgen in B2B-Verträgen dafür, dass eine ausreichende Versorgung gewährleistet ist. Angebot und Nachfrage werden hier oftmals individuell geregelt und nicht nur über Standardverträge wie im Endkundenmarkt.

LTE-Anbieter.info: Die Deutsche Telekom kombiniert mit seinen neuen Hybridangeboten LTE und DSL, um die Datenraten zu optimieren. Sehen Sie das als langfristige Option oder Übergangslösung?

Johannes Weicksel: Alle Provider entwickeln ihre Netze kontinuierlich weiter. Sowohl mobilfunkbasierte als auch leitungsgebundene Dienste werden künftig näher zusammenwachsen ebenso in Sachen Abrechnung wie auch in der Nutzung durch den Kunden.Alle Provider entwickeln ihre Netze kontinuierlich weiter. Sowohl mobilfunkbasierte als auch leitungsgebundene Dienste werden künftig näher zusammenwachsen ebenso in Sachen Abrechnung wie auch in der Nutzung durch den Kunden.

LTE-Anbieter.info: Die Entwicklung bleibt bei LTE nicht stehen, waren vor wenigen Jahren mobile Downloadraten von um die 10 Mbit/s schon Spitzenklasse, werben Telekom und Co. inzwischen mit bis zu 300 Mbit/s und LTE Advanced. Ist das noch sinnvoll oder eher Marketingstrategie?

Johannes Weicksel: LTE (long term evolution) ist darauf ausgelegt, sich in unterschiedlichen Releases weiterzuentwickeln und sowohl höhere Bandbreiten als auch zusätzliche Features nutzbar zu machen. Das erweiterte Angebotsspektrum der Mobilfunkprovider trägt der weitergehenden Standardisierung Rechnung.

LTE-Anbieter.info: Durch die Abschaltung der analog-terrestrischen Fernsehübertragung konnten große Frequenzspektren umgewidmet werden. In diesem Jahr sind weitere Bänder im 700 MHz-Bereich versteigert worden. War dies notwendig?

Johannes Weicksel: Mit Hilfe des LTE-Advanced Features Carrier-Aggregation ist es möglich, gleichzeitig Frequenzen aus verschiedenen Frequenzbereichen (z.B. 700 MHz und 800 MHz) für höhere Datenübertragungsraten zu nutzen. Um den flächendeckenden Breitbandausbau schneller und ohne die kostspielige Verlegung von Glasfaser bis zum letzten Teilnehmer zu ermöglichen, stellt die Nutzung der versteigerten 700 MHz Frequenzen eine großartige Möglichkeit dar [wir berichteten, Anmerkung der Redaktion].

LTE-Anbieter.info: Der Zusammenschluss von E-Plus und Telefónica O2 im vergangenen Jahr war einer der großen Coups. Welche Auswirkungen hatte dies und wie hat das auf den Markt gewirkt? Können die Kunden davon profitieren?

Johannes Weicksel: Drei große Mobilfunkanbieter, die jeweils spezielle Differenzierungsmerkmale in einem stark umkämpften Markt aufweisen, können den Kunden auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Angebote machen. BITKOM begrüßt generell Wettbewerb zwischen Unternehmen und diese neue Kräfteverteilung im deutschen Mobilfunkmarkt, wird sich auch für die Kunden positiv auswirken.

LTE-Anbieter.info: Wie sehen Sie die Zukunft mobiler Datendienste? Aus Umsatzsicht stagniert die Branche ja bereits im dritten Jahr in Folge.

Johannes Weicksel: Das kontinuierlich weiter steigende Datenaufkommen in den Mobilfunknetzen wird die Mobilfunkanbieter beschäftigen. Die Kunden orientieren sich gleichzeitig immer mehr hin zur ‚all mobile‘-Nutzung. Wer diesen Wunsch mit Netzabdeckung und Datendurchsatz erfüllen kann und gleichzeitig attraktive Angebote bereithält, wird im Markt die Nase vorn haben.

LTE-Anbieter.info: Vielen Dank Herr Weicksel für das interessante und aufschlussreiche Gespräch!


Portraitbild: Johannes Weicksel © Johannes Weicksel, BITKOM



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