jobos LTE-Kapazitätsberechnung / Untersuchung bzgl. Auslastung der LTE-Netze

Dieses Thema im Forum "Meinungen & Diskussionen" wurde erstellt von Meester Proper, 24. August 2014.

  1. Meester Proper

    Meester Proper New Member

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    Das mag zwar nicht gerne hier gesehen werden, aber ich möchte hier einige Berechnungen zur Kapazität des LTE-Netzes von jobo, die er in seiner Präsentation zum LTE-Workshop bei der Telekom gemacht hat, kommentieren.

    Im ersten Schritt wird die angebliche Kapazität des LTE-Netzes (offenbar über alle Netzbetreiber) in Form des maximal übertragbaren Datenvolumens berechnet. Folgende Annahmen werden getroffen:
    • 17.800 LTE-Basisstationen
    • Bandbreite pro Sektor: 50 Mbit/s = 6,25 MB/s
    • Jede Basisstation hat drei Sektoren
    = 17.800 * 6,25 MB/s * 3 = 333.750 MB/s entspricht 326 GB/s (gerundet)

    Jobo berechnet hier eine Kapazität von 243 GB/s.

    Daraus berechnet er eine Kapzität pro Jahr von 7655 Millionen GB.

    Ich rechne das einmal nach: 326 GB/s * 60 (=Minuten) * 60 (=Stunden) * 24 (= ein Tag) * 365 (= ein Jahr) = 10.278.457.031,25 GB - 10.278 Millionen GB

    Bzw. mit seiner Kapazitätsangabe: 243 GB/s * 60 (=Minuten) * 60 (=Stunden) * 24 (= ein Tag) * 365 (= ein Jahr) = 7.663.248.000 GB - 7.663 Millonen GB

    Unter der Annahme, dass das komplette jährliche, mobile Datenvolumen über die LTE-Netze abgeführt wird, berechnet er nun daraus die angebliche Auslastung der LTE-Netze: 267 Millionen GB / 7655 Millionen GB = 3,5%.

    Fazit von jobo:
    Danach soll noch der Einfluss der Gesamtmasse der LTE-Festnetzersatz-Nutzer berechnet werden, folgende Annahmen werden dabei getroffen:
    • 800.000 Nutzer
    • 45 Kunden pro Basisstation (ist doch für Berechnung nicht relevant?!)
    • Mittleres Volumen pro Kunde: 17,5 GB / Monat
    • Gesamtvolumen im Jahr: 168 Millionen GB
    • Damit Anteil am Gesamtvolumen von 62,9& am Gesamtvolumen, was 2013 über die mobilen Datennetze übertragen wurde.
    • Anteil an der Gesamtkapazität (siehe oben): 2,2%

    Fazit von jobo:
    Warum hinkt diese Berechnung nun hinten und vorn?
    Erst einmal haben wir es mit einem sehr ungleichmäßigen Datenverkehr zu tun. Nachts findet so gut wie kein Datenverkehr statt, während in den Abendstunden gegen 20 Uhr eine "Rush-Hour" stattfindet. Das lässt sich gut an diesen Graphen des größten deutschen Internetaustauschknoten nachvollziehen: http://www.de-cix.net/about/statistics/

    Der Traffic/Datenverkehr ist also Burst-artig und nicht gleichmäßig, wie es jobo in seiner Modellrechnung annimmt. Für das Kundenerlebnis ist aber entscheidend, dass der Internetzugang auch in der "Rush-Hour" sehr gut funktioniert, d.h. für diesen Bereich müssen die Netze dimensioniert werden und auch deren Kapazität berechnet werden. Der theoretische Maximaldurchsatz bei gleichmäßiger Datenübertragung und 100% Auslastung, wie ihn jobo in seinem Modell verwendet, ist also praxisfern.

    Ein weiterer Faktor, der in der Modellrechnung unberücksichtigt bleibt, ist die Tatsache, dass die Verteilung von LTE-Nutzern auf die Zellen ungleichmäßig ist. Diese wird regional sehr unterschiedlich sein, manchmal werden es sehr wenige sein und in anderen Fällen sehr viele. Für diese spielt es ebenfalls keine Rolle, wie hoch die theoretische Gesamtkapzität laut der Modellrechnung ist. Dazu schreibt jobo:
    Das klingt in der Theorie auch gut, ist in der Praxis aber deutlich komplexer. Denn oft müssten solche Standorte komplett neu errichtet werden, inklusive Anbindung an das Kernnetz (Richtfunk möglich? wenn nein, wie viel kostet die Anbindung per Glasfaser?), Strom, je nach Situation dem Bau eines neuen Mastes und natürlich die eigentliche Hardware wie Basisstation, Kabel und Antennen. Das ist alles nicht zum Nulltarif zu haben. Wenn diese Investition (meist sechsstellig) nun für 45 LTE-Kunden vorgenommen werden soll, fragt man sich natürlich, ob sich das lohnt, bei geschätzten 45€ Umsatz(!) pro Nutzer je Monat * 12 Monate (=1 Jahr) = 24.300€ Umsatz(!) pro Jahr. Zudem ist es funktechnisch nicht so einfach einen zusätzlichen Standort in das Netz zu integrieren, denn die umliegenden Stationen müssen ihre Sendeleistung erhöhen, damit sich die Signale nicht überlagen und der RSRQ ins bodenlose rutscht. Trotzdem wird es bei solchen Stationen bzw. sehr engmaschigen Netzen immer Probleme mit Interferenzen geben, die die maximale Bandbreite / m[SUP]2[/SUP] limitieren werden. Es gibt hier also technische bzw. naturwissenschafltiche und betriebswirtschaftliche Grenzen bzw. Schwellen.

    Die oben aufgeführten 17.800 LTE-Basisstationen enthalten alle Netzbetreiber. E-Plus und o2 (nicht mehr) bieten jedoch keine Festnetzersatz Lösungen mehr an. Unklar ist, ob Standorte eines Netzbetreibers mit mehreren Frequenzbändern (bspw. bei Vodafone LTE800 und LTE2600, bei o2 LTE800 und LTE1800 oder bei der Telekom LTE800 + LTE1800 oder LTE1800 + LTE2600) als separate "LTE-Basisstationen" gezählt werden. Im 1800MHz Band sind bei der Telekom natürlich bis zu 150 Mbit/s möglich, ebenso bei o2 und Vodafone im 2,6 GHz-Band. Anderseits hat nicht jeder LTE-Standort drei Sektoren, vor allem im Süden Deutschlands oder in Grenznähe sind es öfters nur zwei. Einige weitere interessante Fakten zum LTE-Workshop gibt es übrigens im Artikel von maxwireless.de, wie z.B.:
    Da ist es natürlich schwierig zu argumentieren, große Summen für den Ausbau des Netzes für die Nutzergruppe der LTE-Festnetzersatzkunden zu investieren und dann durch diese Gruppe relativ wenig Umsatz bzw. Profit zu generieren. Eine klassische Aufwand / Nutzen - Frage also, für ein Wirtschaftsunternehmen unerlässlich. Hinzukommt natürlich der Fakt, dass die Kunden in Deutschland sehr preisbewusst sind, so haben wohl eher mehr Nutzer aus finanziellen Gesichtspunkten nicht den größten Tarif gebucht als aus Gründen, dass sie das höhere Volumen in der Praxis nicht bräuchten würden.

    Weitergedacht
    Ich glaube wir sind uns alle einig, dass eine statische Begrenzung des Datenvolumens, wie derzeit praktiziert, keine optimale Lösung in Hinsicht auf Vielnutzer mit schmalen Geldbeutel ist. Eine nächtliche "Happy-Hour" würde sicherlich nicht das Nutzererlebnis bei der Masse von Nutzern schmälern, andererseits steht natürlich die Frage im Raum: Würde ein Aufpreis für eine nächtliche Happy-Hour im Markt akzeptiert und angenommen werden, so dass die Investitionen für ein solches System in annembarer Zeit wieder hereingespielt werden könnten? Eine nächtliche Happy-Hour ohne Aufpreis würde sich sicherlich schwierig wenn gar nicht gegenüber der Geschäftsleitung rechtfertigen lassen.
     
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  2. nota2225

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    Zahlen hin, Zahlen her - die Frage, die sich mir hier stellt: Warum geht es in AT unlimitiert und hier nicht? Wenn hier in DE die Mehrheit in 2013 ** bei DSL nicht ueber 65 GB im Durchschnitt gekommen ist?!?


    **
     
  3. Meester Proper

    Meester Proper New Member

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  4. nota2225

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    ok, aber auch was ich hinaus will: wenn der Druchschnitt in 2013 bei 25 Mbit ca. 65 GB versemmelt hat. Dann macht man doch das LTE Netz auf dem Land nicht platt, wenn man einen Tarif mit 100 GB schafft. Und da zu bezahlbaren Preisen.
     
  5. Meester Proper

    Meester Proper New Member

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    Das mag zwar der Durchschnitt sein, aber wo liegt der Meridian? Ich kann mir vorstellen, dass eine kleine Nutzergruppe den Durchschnitt ziemlich nach oben zieht.
     
  6. nota2225

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    weiss ich nicht. Dafuer bin ich ein zu kleines Lichtlein. Aber ich wohne hier mit folgender Versorgung:

    1. @ Richtfunkt - 16 K liegen (fast) immer an EDIT: (Anbieter, der lokal hier ca. 100 Orte versorgt)
    2. LTE @ T: funtzt ohne spuerbare Macken EDIT: (zur Buerozeiten)

    Was T oder VF mit 30 GB bezwecken will - weiss ich nicht. Klar: Extremsauger machen alles kapput. Aber, imho: kein Vertrag mit 100 GB. Und damit kann man mit 4 ppl. arbeiten, so meine Meinung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2014
  7. Vogtländer

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    Wie kann man eigentlich solchen "Milchmädchenrechnungen" überhaupt so viel Aufmerksamkeit schenken?

    Man kann ja froh sein, dass die Stomnetze nicht nach der gleichen Berechnungsmethode ausgebaut sind... Da hätte am Ende wohl jeder nur eine "Klingelleitung" am Haus anliegen, weils rein vom durchschnittlichen Stromverbrauch voll ausreichend wäre....
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2014
  8. Franz

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    Am Anfang war das Feuer :cool:

    ich find den Schluß passend :rolleyes:

    [video=youtube;yvtBSbJe0-o]https://www.youtube.com/watch?v=yvtBSbJe0-o[/video]
     
  9. Meester Proper

    Meester Proper New Member

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    Schon jetzt machen offenbar die derzeitigen Tarife lokal die LTE-Netze "platt":
     
  10. Franz

    Franz Active Member

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    Sorry aber das kann ich jetzt irgendwie nicht nach vollziehen ! :confused:

    Wie ist es dann möglich das www.drei.at ungedrosseltes Internet via LTE anbietet? Arbeiten die auf den wirtschaftlichen Selbstmord hin oder was ???


    Was willst eigentlich damit sagen , damit ich das auch verstehe :cool: aber fühl dich jetzt bitte nicht angegriffen, denn das liegt mir fern. Ich schätze dich und deine Beiträge

    Gruß

    Franz
     
  11. Franz

    Franz Active Member

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    So Leute , jetzt hab ich hier noch etwas von Jobo anzubringen. Einige werden jetzt stöhnen , ist mir aber ...egal :cool:

    Seine Mail an mich:

     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9. März 2017

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