Testbericht zum Alcatel Pop 4S

Ausstattungswunder mit Empfangsproblemen


Chinesische Smartphones sind seit jeher ein Geheimtipp, wenn man möglichst viele Features für kleines Geld haben möchte und auf einen großen Namen verzichten kann. TCT Mobile übernahm vor einigen Jahren die Handy-Abteilung von Alcatel und bringt seitdem Mobilgeräte wie das uns vorliegende Pop 4S heraus. An der Verfügbarkeit in Deutschland hat sich trotz China-Herkunft ebenso wenig etwas geändert, wie an dem gelungenen Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das Alcatel Pop 4S bietet ein 5,5 Zoll großes Full-HD-Display, einen MediaTek Helio P10 Octa-Core-Chipsatz und eine 13-Megapixel-Kamera. LTE Cat. 6 sollte ebenfalls möglich sein, doch das Modem machte uns das Leben schwer. Wie das Alcatel insgesamt abschnitt, lesen Sie in unserem Testbericht.

Der erste Eindruck und Verarbeitung


Alcatel setzt bei der Verpackung auf einen sommerlichen Mix aus Weiß und Orange. Das Smartphone ist großflächig samt seiner Bezeichnung abgebildet und seitlich kann man die wichtigsten Spezifikationen erhaschen. Hier verwundern, bei einem Preis von unter 200 Euro, technische Finessen wie der Fingerabdrucksensor, das hochauflösende Display und die große Kamera-Blende von f/2.0.

Der verbaute Lautsprecher soll zudem über 3,6 Watt verfügen – für ein Handy, ein beachtlicher Wert. Im Karton verstaute Alcatel die üblichen Verdächtigen, also das Micro-USB-Daten-und-Ladekabel, die In-Ear-Kopfhörer, eine Schnellanleitung und ein Netzteil. Die Garantiebestimmung ist noch erwähnenswert, die mit 124 Seiten ein wahrer Brocken ist. Das liegt allerdings an den vielen Sprachen, in die übersetzt wurde. Den Akku findet man nicht separat vor, da dieser fest eingebaut ist. Das ist aufgrund der Tatsache, dass man den Deckel trotzdem öffnen kann, etwas merkwürdig.

Rückseite des Pop 4s

Wer die Abbildungen des Pop 4S inspiziert, vermutet wahrscheinlich, dass die Rückseite aus Metall besteht. Das ist leider nicht der Fall, hier wird lediglich eine Metall-Optik eingesetzt. Zwar sieht das Mobilgerät dadurch recht edel aus, ganz bombenfest sitzt die Verkleidung bei unserem Testmodell allerdings nicht, weshalb es ab und an zu Störgeräuschen beim Anfassen kam.

Der Rahmen des Handys ist ebenfalls aus Plastik, macht jedoch einen robusten Eindruck. Rechts wurden die Lautstärkewippe und der An-/Ausschalter verbaut, die linke Seite blieb hingegen leer. Auf der Front entdeckt man einen Home-Button mit Fingerabdrucksensor, der von seiner Form her etwas an Samsung-Smartphones erinnert. Über dem Bildschirm gibt es nicht nur die 5-Megapixel-Frontkamera, sondern auch den Selfie-Blitz zu bewundern.

Löst man die Verkleidung des Pop 4S, kann man gleich drei Einschübe erkennen. Es gibt einen Nano-SIM-Kartenschacht, einen Micro-SIM-Kartenschacht und einen microSD-Kartenschacht. Diese Lösung erlaubt es, Dual-SIM zu verwenden, ohne auf die Speichererweiterung verzichten zu müssen. Warum der Akku nicht wechselbar ist, können wir uns nicht so ganz erklären, denn mit 7,9 Millimetern Dicke wäre das wahrscheinlich machbar gewesen.

Das Design an sich ist jedoch gelungen, das Smartphone sieht edel aus, besonders durch das silberne Herstellerlogo und dem erwähnten Metall-Look. Der Kamerahügel ist erfreulich niedrig ausgefallen, so liegt das Handy fast eben auf dem Tisch. Am unteren Ende des Akkudeckels ragt der Lautsprecher hervor.

Technik und Mobilfunk im Check
Besonders bei den günstigeren China-Smartphones, kommen häufig Chipsätze des Herstellers MediaTek zum Einsatz, das muss aber nichts Schlechtes heißen, denn so manches SoC aus dieser Reihe konnte positiv überraschen. Beim Alcatel Pop 4S wird der Helio P10 als Antrieb verwendet, ein Achtkerner, dessen vier stärksten Kerne mit bis zu 1,8 Gigahertz takten können. Zusammen mit 2 GB RAM, sollte das eine gute Basis sein.

Der Bildschirm des Smartphones hat eine Diagonale von 5,5 Zoll und bietet 1.920 x 1.080 Pixel (Full-HD). Sie erhalten also eine Schärfe von etwa 400 ppi – einzelne Pixel sind folglich kaum noch erkennbar. Da es sich um eine IPS-Variante handelt, weiß das Display beim Blickwinkel zu gefallen. Selbst aus schrägen Winkeln verfälschen die Farben nicht. Etwas mehr Brillanz und Helligkeit hätten dem Display allerdings gut getan. Zudem weist unser Testmuster einen kleinen Fehler auf, eine schmale Stelle an der Oberseite des Displays flackert leicht. Das fällt aber nur bei genauer Betrachtung auf.

Alcatel spendiert seinem Mittelklasse-Zugpferd einen 16 GB umfassenden Speicher. Das ist heutzutage wenig beeindruckend, aber der microSD-Kartenschacht hilft dabei, für mehr Datenplatz zu sorgen. MediaTek wirbt bei seinem Modem damit, dass es LTE CAT6 unterstützt. Theoretisch sollten also bis zu 300 Mbit/s machbar sein – in der Praxis hatten wir jedoch erhebliche Probleme. Hingegen wirkt der 2.960 mAh umfassende Akku sehr großzügig, eine ähnliche Kapazität haben auch das Galaxy S7 und das HTC 10.

Die verbauten Kameras des Pop 4S verwundern auf dem Datenblatt etwas. Eine 13-Megapixel-Optik mit Dual-LED-Blitz, Phasen-Autofokus und Blende f/2.0 nebst einer 5-Megapixel-Selfie-Cam mit Blitz für unter 200 Euro? Das ist wahrlich eine Seltenheit.

Auf die Ohren gibt der chinesische Konzern ebenfalls, denn es wurde ein Audio-Chip mit Verstärker (NXP9890) verbaut. Dadurch kann das Handy einen Raum mit bis zu 3,6 Watt beschallen. Die akustische Qualität ist dabei erstaunlich gut, obwohl es nur eine Mono-Box ist. Lediglich ein leises Rauschen im Hintergrund stört den Musikgenuss etwas. Für Musik-Fans, die lieber über Kopfhörer lauschen, gibt es ebenfalls eine gute Nachricht.

Die beigelegten In-Ears stammen nämlich vom Sound-Spezialisten JBL. Das Pop 4S ist also für Audio-begeisterte Menschen durchaus interessant.

Mobilitätseigenschaften
„Was ist denn hier los?“, war unser erster Gedanke, als wir in Ludwigshafen nicht über eine Download-Bandbreite von 3,5 Mbit/s hinauskamen – obwohl der Empfang mehr als ausreichend war. In der anderen Hand hatten wir das LG G5, welches es auf 30 MBit/s brachte. Beide Smartphones nutzten das Vodafone-Netz mit LTE. Das Pop 4S unterstützt alle in Deutschland wichtigen 4G-Bänder, inklusive dem Band 20 (800 Megahertz). An den Frequenzen sollte es also nicht liegen. Doch so traurig es klingt, die gemessenen 3,5 MBit/s blieben sogar der Höchstwert nach mehreren Wiederholungen und Ortswechseln.

Entweder hat unser Modell schlicht ein Soft- oder Hardware-Problem, oder das MediaTek-Modem hat extreme Probleme im Vodafone-Netz. Jedenfalls ist die Performance äußerst schade. Surfen macht mit dieser Geschwindigkeit nicht besonders viel Spaß. Beim WLAN hingegen zeigte sich ein umgedrehtes Bild. Die maximal möglichen 50 Mbit/s unserer Vodafone-Kabelleitung wurden erreicht und die Empfangsqualität war sehr gut.

Die Navigation mit dem Alcatel verlief ohne Hindernisse, hier benötigt man eben keine allzu große Internetgeschwindigkeit. Unsere Position wurde sowohl zu Fuß als auch im Auto akkurat erkannt. Der Satfix erfolgte in kurzer Zeit und Aussetzer gab es nur selten.

Akku im Check
Die fest verbaute Batterie bietet 2.960 mAh, was für ein Mittelklasse-Modell durchaus ordentlich ist. Quick Charge sorgt für ein schnelles Aufladen in unter zwei Stunden und die Standby-Zeit ist beachtlich. Bei 90 Prozent Displayhelligkeit nutzten wir den Browser, die Kamera und diverse Apps etwa drei Stunden lang. Heraus kam eine Bereitschaftszeit von etwa 38 Stunden. Wenn man das Smartphone weniger belastet, sind auch mindestens drei Tage Standby kein Problem. Kompliziert wird es nur, wenn die Energiequelle mit der Zeit einen Defekt haben sollte. Da der Akku fest verbaut ist, muss das Pop 4S dann wieder zum Hersteller, beziehungsweise einem autorisierten Reparatur-Partner, wandern.

Performance-Check: Was sagen die Benchmarks?
Der MediaTek Helio P10 Octa-Core ist sozusagen der Herausforderer des Qualcomm Snapdragon 617, der beispielsweise im Moto G4 Plus steckt. AnTuTu bescheinigte uns etwas über 44.300 Punkte, circa so viel, wie der Snapdragon 617 auch schaffen würde. Beim Geekbench 3 sind über 3.000 Punkte im Multi-Core-Test ebenfalls kein schlechter Wert. Bei der Grafikleistung sieht es hingegen eher mau aus.

Benchmark Alcatel Pop 4S LG G5 Galaxy Alpha VF Smart 4 Xperia Z3
Smartbench - - 5874 | 4500 - 8104 | 4362
Geek Bench Multi 3063 2285 | 5331 - 1283
Quadrant Standard - - 23714 10733 20439
AnTuTu 44300 135336 48586 19886 39103
3DMark (Ice Storm) 9128 27740 13937 4554 17152



Lediglich 476 Punkte im Sling Shot ES 3.0 sind nicht gerade üppig. Hingegen bestätigt der Vellamo-Browser-Test das, was wir auch schon beim Pop 4S gemerkt haben, eine gute Performance im Google Chrome. Im Alltag gibt es kaum ein Ruckeln, sei es bei den Homescreens, den Apps, in YouTube oder beim (gemächlichen) Multitasking.

Fazit: Benchmark-Rekorde bricht das Alcatel-Smartphone sicherlich keine, die gebotene Leistung reicht allerdings für den Alltagsgebrauch durchaus. Selbst 3D Spiele wie Asphalt Nitro konnten wir gut nutzen, bei grafisch anspruchsvolleren Spielen könnten aber Komplikationen auftauchen. Für anspruchsvolle Spieler dürfte es somit auf Dauer eng werden.

Test der Kamera beim Alcatel Pop 4S – was sagt der Praxis-Bildertest?
Bislang war es ein auf und ab beim Test, mittelprächtige Verarbeitung, gutes Display, schwaches Modem, gute Performance – wie sieht es nun mit der Fotoqualität aus? Besser, sogar viel besser als gedacht. Das Pop 4S liefert Fotos, die man bei einem 200-Euro-Handy nicht erwarten würde. Erstklassige Details, eine Schärfe bis zu den Rändern hin, tolle Makroaufnahmen und eine schnelle Auslösegeschwindigkeit zeichnen die 13-Megapixel-Hauptkamera aus. Das einzige Manko ist der Weißabgleich, der hin und wieder daneben liegt und die Farben dann verfälscht einfängt. Das passierte bei unserem Test jedoch nur zwei bis drei Mal.


Aufnahme mit dem Alcatel Pop 4S


Aufnahme mit dem LG G5

Wer nun erwartet, dass die Frontkamera ebenfalls begeistert, den müssen wir nun enttäuschen. Die Bilder der 5-Megapixel-Einheit werden relativ unscharf, Details sind nur mit Mühe gut zu erkennen. Da bringen auch die schnelle Auslösung und die Gesichtsverfolgung nichts. Der Front-LED-Blitz ist zudem äußerst schwach und hilft auch aus kurzer Distanz kaum, die Szenerie brauchbar zu erhellen.

Android und Apps
Alcatel installierte mit Android 6.0 Marshmallow die derzeit aktuellste, finale Version des Google-Betriebssystems. Es wurden zwar Modifikationen vorgenommen, diese sind aber größtenteils sinnvoll. So findet sich das „Klopfen“ zum Sperren und Entsperren des Bildschirmes auch beim Pop 4S wieder und die Software erlaubt das clevere Einrichten eines Themes. Man kann ein Foto aufnehmen und die Oberfläche passt sich dem geschossenen Bild an. Die Icons änderte Alcatel nach eigenem Gusto um, was auch für den App-Drawer gilt.





Die Schublade rollt nun horizontal, was wir etwas ungewohnt empfinden. Hingegen blieben die Benachrichtigungsleiste und die Einstellungen so, wie Google es vorgesehen hat. Die Einrichtung des Fingerabdrucksensors entpuppt sich als Geduldsspiel. Wenn der Finger jedoch schließlich registriert ist, arbeitet der Mechanismus überwiegend zuverlässig. Clevere Software-Dreingaben sind der „Boost“, der Speicher freiräumt und die Swift-Key-Tastatur.

Die vier vorinstallierten Spiele braucht hingegen sicherlich nicht jedermann. Die Kamera-App lässt viele Einstellungen zu, leider aber nicht das Auslösen via Lautstärke-Taste. Eine Anwendung für das verbaute UKW-Radio gibt es ebenfalls.

Passender Tarif und reduzierter Gerätepreis
Entgegen der Erwartungen, scheint das Alcatel Pop 4S noch nicht im deutschen Einzelhandel erhältlich zu sein. Es liegen jedenfalls keine Produktbewertungen über Portale wie Amazon von Käufern vor. Das ist seltsam, da einige Shops das Smartphone als lieferbar aufführen. Darunter auch große Händler wie Media Markt – wo es aber ebenfalls noch keine Kundenbewertung gibt. Wir selbst bekamen unser Testmodell direkt von der deutschen PR-Agentur Alcatels gestellt.

Aufgrund der fraglichen Verfügbarkeit, sieht es auch bei den Netzbetreibern derzeit noch düster aus. Weder die Telekom, noch Vodafone oder o2 haben das Pop 4S im Programm. Dasselbe gilt für den Provider 1&1. Sobald sich etwas an der Verfügbarkeit ändert, werden wir diese Zeilen aktualisieren.

Gründe für und gegen das Alcatel Pop 4S

Pro:
Kontra:
Unser Test-Fazit zum Alcatel Pop 4S
Für den veranschlagten Preis von 199 Euro erhält man hier auf dem Papier ein stattliches Rundum-Sorglos-Paket. Die Kamera hat uns voll und ganz überzeugt, die Performance stimmt, die Akkuleistung ist beachtlich. Hingegen scheint es bei manchen Geräten diverse Mängel zu geben, bei uns waren das Modem und das Display fehlerhaft. Sofern man allerdings ein Exemplar ohne Kinderkrankheiten erwischt, erhält man ein Smartphone mit vielen nützlichen Features. Dazu zählen Dual-SIM, ein Fingerabdrucksensor und ein exzellenter Lautsprecher, der tolle Höhen und sogar etwas Bass bietet.


Weiterführendes
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