Risiko Mobilfunkstrahlung

Wie gefährlich ist LTE und Mobilfunk für die Gesundheit?


Ratgeber: Welches Gefahr lauert durch LTE & Co. aus uns?


Nicht erst seit dem es „LTE“ gibt, fragen sich besorgte Verbraucher, wie gefährlich sind eigentlich die Mobilfunkstrahlen, welche uns alle tagtäglich umgeben? Besteht tatsächlich eine Gefahr bei der Benutzung von Handys? Sind Anwohner in direkter Nähe von Mobilfunkmasten besonders gefährdet? Resultiert aus der ständigen Aussetzung mit der Strahlung womöglich sogar ein höheres Krebsrisiko? Seit Jahrzenten tobt ein Kampf zwischen den Lagern von Kritikern und Befürwortern. Auch die Redaktion von LTE-Anbieter.info wird häufig mit derlei Fragen konfrontiert. Folgend wollen wir daher objektiv und möglichst neutral beide Positionen wiedergeben, Hintergründe zur Thematik beleuchten, sowie einige Antworten auf diese Ängste und Fragen geben.

1. Mobilfunkstrahlung Pro und Kontra

1.1 Was ist eigentlich „Strahlung“?

Im Zusammenhang mit dem Thema Mobilfunk und Funktechniken allgemein, fällt in erster Linie immer der Begriff der Strahlung. Doch die wenigsten wissen eigentlich, was genau darunter zu verstehen ist. Debatten münden daher nicht selten in recht esoterische Richtungen, fern von jeder Wissenschaft. Der Strahlungsbegriff ist dabei zunächst recht unscharf. Während z.B. radioaktive Strahlung teilweise aus extrem energetischen Teilchenströmen besteht, handelt es sich bei Mobilfunkstrahlen stets um elektromagnetische Wellen (EM). Das Spektrum der EM-Strahlung umfasst auch das sichtbare Licht, Röntgen-, UV- oder Infrarotstrahlung. Allgemein gilt hier: Je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher und desto größeren Einfluss haben die Wellen auf lebendes Gewebe. Bekannter Maßen weisen Röntgenstrahlen gerade genug Energie auf, um den Körper zu durchdringen und können erbgutverändernd in Zellen wirken. Dies gilt bereits ab dem UV-Bereich, der in die obere Epidermis eindringen kann. Wie so oft, macht aber auch hier die Dosis das Gift. UV-A Stahlen sind essentiell für die Bildung von Vitamin D. UV-B dagegen, mit nur wenig geringerer Wellenlänge, gilt bereits als Hautkrebsfaktor.

Und wo liegt nun der Bereich für Mobilfunk und Radio? Wie auf der folgenden Grafik zu sehen, ist die Wellenlänge von Mobilfunk und Radio weit höher als die von sichtbarem Licht. Je weiter links auf der Grafik, desto gefährlicher, da energiereicher sind die Strahlen. Die Wellenlänge von LTE bei 800 MHz liegt z.B. bei rund 37 Zentimetern (Wellenlänge = Lichtgeschwindigkeit / Frequenz). Sichtbares Licht hingegen ist mit 380-750 Nanometern (nm) geradezu mikroskopisch. Ein Nanometer sind 1/1.000.000 Meter.

Elektromagnetisches Spektrum

Neben der Wellenlänge, ist die Sendeleistung einer Strahlenquelle (Handy, WLAN, ...) von zentraler Bedeutung. Das kann man sich bildlich wie bei Schallwellen vorstellen. Während ein leises zirpen keinerlei Gefahr für Ihr Ohr bedeutet, kann der Aufenthalt direkt an einer hämmernden Box in der Disco durchaus zu Langzeitschäden (Tinnitus) führen. In Deutschland sind die Grenzwerte für elektromagnetische Felder im §26 BImSchV (Bundesimmisionsschutzverordnung) geregelt. Und zwar derart, dass sie, nach aktuellem Kenntnisstand, keinerlei nachhaltigen, negativen Einfluss auf Menschen haben.


Laut dem „Informationszentrum für Mobilfunk“, liegen in Deutschland sämtliche Grenzwerte unter der „biologischen Wirkungsschwelle“ – und zwar um den Faktor 50!

Ein oft genannter Wert für Endgeräte, wie Smartphones, ist dabei der sogenannte SAR-Grenzwert.

1.2 SAR-Wert & Strahlungsdichte: Eine Frage des Grenzwertes …

Natürlich gibt es in Deutschland Grenzwerte für alle möglichen Strahlungsquellen, egal ob für Mobilfunkanlangen, Handys oder WLAN-Router. Gemessen wird die Immission auf ein Organismus in der elektrischen Feldstärke (V/m - Volt pro Meter) oder in Form der Leistungsflussdichte, also Watt pro Quadratmeter (W/m²). Die internationale Strahlenschutzkommission (ICNIRP) definiert eine Leistung von 4 Watt pro kg Körpergewicht als sogenannte Wirkungsschwelle, also dem Bereich, wo eine messbare, biologische Veränderung eintritt. Zudem unterscheidet man in Teil- und Ganzkörpergrenzwerte. Denn im Umfeld einer Sendeanlage wird logischer Weise der ganze Körper einer bestimmten Strahlung ausgesetzt, während beim Telefonieren nur ein Teilbereich (Kopf) exponiert ist.

Doch was ist eigentlich mit „Wirkung“ gemeint? Nicht etwa einer direkten, nachweisbaren Schädigung wie man meinen könnte. Vielmehr besagt der Ganzkörpergrenzwert nur, dass sich ein menschlicher Körper bei dieser EM-Dosis innerhalb von einer halben Stunde um 1 Grad erwärmt. Es handelt sich also um eine reine Wärmewirkungsmessung. Allgemein kann Mobilfunkstrahlung bislang lediglich eine Wärmewirkung nachgewiesen werden.


Der oft in Zusammenhang mit Hanys genannte SAR-Wert zielt ebenfalls in diese Richtung. Dabei handelt es sich um eine Absorptionsrate, gemessen in Watt pro Kilo. Mit anderen Worten: Wie viel Energie eines elektromagnetischen Feldes, dem man ausgesetzt ist, wird absorbiert und in Wärme umgewandelt? Der SAR-Wert wird vom Hersteller ermittelt und gibt die maximale Strahlungsbelastung durch die Nutzung eines Mobiltelefons an. Gemessen wird dabei in einer Strahlenkammer an einem Kunstkopf, der eine Flüssigkeit enthält, welche dem menschlichen Gewebes entspricht. Der Grenzwert liegt in Deutschland bei 2 Watt/kg.


Besonders strahlungsarme Geräte mit Blauem Engel liegen sogar unter 0,6 W/kg. Tendenziell weisen übrigens modernere Modelle geringere Werte auf als ältere, da die Technik in diesem Bereich immer besser wird. Ob diese (abgeleiteten) Grenzwerte wirklich ausreichend sind, darüber wird weiter gestritten. Viele Experten raten wenigstens Maßnahmen zu treffen, um die Strahlungsbelastung direkt beim Telefonieren am Ohr zu reduzieren. Hier ist nämlich die Exponierung am stärksten und dutzende Male höher, als die uns stetig umgebenden Felder vom Mobilfunk und anderen Quellen. Zudem sind die Maßnahmen, welche jeder ergreifen kann, sehr einfach, wie wir im Abschnitt „5. Wie kann ich mein Risiko bzw. Belastung verringern?“ zeigen …

Wie wird er gemessen? Das erläutert dieses Video:


1.3 Ist LTE gefährlich?

Spätestens als 2010 die ersten LTE-Masten errichtet und 2011 bundesweit so langsam erste Mobilfunktarife als DSL-Ersatz für Zuhause angeboten wurden, nahmen bei vielen parallel die Bedenken zu. Wieder neue Masten? Noch mehr Strahlen? Und wie bei jeder neuen Technik überwiegt zunächst einmal die Skepsis. Wie die Geschichte zeigt, ist dies teils auch nicht ganz unberechtigt. Stichwort DDT, Contergan, Asbest, wo die tatsächliche Wirkung erst Jahre später richtig erkannt wurde. 

Aber: Die LTE-Mobilfunktechnik funkt auf ähnlichen Frequenzen, wie zuvor schon UMTS (3G) oder 2G – also Standards, die schon seit über 20 Jahren im Einsatz sind. LTE im ländlichen Raum wird meist bei 800 MHz betrieben, statt z.B. UMTS bei 900 MHz. Und das, was LTE schneller macht als Vorgängertechniken, liegt einzig im Bereich der technischen Entwicklung, wie etwa durch den Einsatz von Mehrantennentechniken (MIMO) und besseren Modulationsverfahren. Nicht etwa, weil hier „stärker“ gefunkt wird oder ähnliche Spekulationen. Tatsächlich ist sogar das Gegenteil der Fall. Wer am Smartphone mit LTE surft und telefoniert (VoLTE), reduziert in der Regel sogar die Strahlungsexposition gegenüber 3G! Das sagt per se noch nichts darüber aus, ob LTE nicht doch einen negativen Einfluss haben könnte. Im Vergleich mit früheren Mobilfunkstandards gibt es hingegen eher eine kleinere Belastung.

Auch die Grenzwerte für die Feldstärke bei LTE-Funk bzw. Mobilfunk allgemein liegen deutlich unter den empfohlenen Referenzwerten und hängen vom Frequenzbereich ab. Bei 800 MHz sind es 38 V/m bzw. 3,9 W/m². Im Band von 2600 MHz 61 V/m oder 10,0 W/m².

Wenn, dann sollte man sich vor großen Radio- und Fernsehmasten „fürchten“. Denn während ein durchschnittlicher LTE-Mast selten mit mehr als 100 Watt sendet, funken Radiostationen mit bis zu 500.000 Watt! Denn hier müssen wenige Stationen ganze Regionen versorgen, während LTE meist nur ein Gebiet von bis 10 km abdecken muss.

1.4 Mehr Masten = mehr Strahlenbelastung?

Sobald irgendwo ein Mobilfunkmast geplant oder gebaut wird, sind besorgte Bürgerinitiativen und Aktivisten schnell alarmiert. Mancherorts werden sogar geplante Bauprojekte eingestellt. Dies ist gleich aus mehreren Gründen wenig hilfreich. Einerseits wird stetig über eine nach wie vor unzureichende Mobilfunk- und Breitbandabdeckung geklagt, andererseits werden Ausbaumaßnahmen zunehmend erschwert. Hier verhält es sich ähnlich wie mit der Energiewende. Windenergie ja, aber nicht bei uns. Atomstrom nein, aber Kohle auch nicht, … , und so weiter.

Tatsächlich lässt sich recht einfach zeigen und plausibel darstellen, dass eine größere Abdeckung mit Funkmasten sogar den gegenteiligen Effekt bewirkt und die allgemeine Strahlungsexposition der Bevölkerung minimiert. Ein Paradoxon? Mitnichten, wenn man eine einfache Metapher bemüht. Bildet man eine Kette von 5 Personen im Abstand von 20 Metern, müssen diese schon ziemlich schreien, um eine Nachricht über alle Zwischenglieder zu übermitteln. In der Praxis entspräche das einer starken Sendeleistung pro Mast. Verdoppelt man nun die Anzahl der Personen in der Kette, reicht nun eine normale „Gesprächslautstärke“, da statt 20 Metern nur noch je 10 Meter zum Nachbarn überbrückt werden müssen. Auf das Beispiel mit dem Sendemast übertragen, genügt also eine geringere Sendeleistung, je dichter das Netz. Oder anders ausgedrückt: Je schlechter der Empfang, desto höher die nötige Sendeleistung = Strahlungsquelle! Daher hat man teils den absurd wirkenden Effekt, dass tatsächlich die SAR-Werte in Städten viel niedriger sind als auf dem Land. "Elektrosensible" Menschen wandern also tendenziell eher in die falsche Richtung ...

      SAR-Wert entlang einer Testfahrstrecke über Stadt und Land | Quelle [1]


2. Begrifflichkeiten

Wer nach dem Themenbereich „Gefahr durch Mobilfunk“ googelt, wird mit einer ganzen Kaskade von Begriffen konfrontiert, die gerne übernommen werden, ohne eigentlich deren Sinn zu kennen oder diese kritisch zu hinterfragen. Erschwert wird eine objektive Meinungsbildung zudem von allerlei „Experten“, die genau wissen wollen, dass elektromagnetische Strahlung immer schädlich ist und krank macht. Praktischer Weise bieten diese, nicht selten sogar mit Doktor Titel werbend, kostenpflichtige Hilfsmittel, Ratgeber oder Seminare an. Spätestens dann sollte Skepsis angebracht sein, denn Angst ist bekanntlich der beste Verkaufsförderer. Folgend wollen wir zwei der am häufigsten fallenden Begriffe kurz aufgreifen.

2.1 „Elektrosmog“

„Elektrosmog“ ist ein gängiges Reizthema. Einige halten ihn für völlig harmlos, andere wiederum wittern hier eine echte Gefahrenquelle. Beim Begriff selbst handelt es sich um einen umgangssprachlichen Ausdruck, der zum einen auf das Vorhandensein jedweder elektromagnetischer Felder verweist (Licht ist auch eins!). Gleichzeitig schreibt er durch den Zusatz „Smog“ eine etwaige gesundheitsbeeinflussende Wirkung. Diese ist, wie schon angedeutet, nach wie vor umstritten. Es gibt tausende Studien, von denen in etwa gleich viele eine Wirkung negieren als bestätigen. Mehr dazu im Abschnitt zu den Studien …

2.2 „gepulste Strahlung“

Immer wieder liest man in vermeintlichen Ratgebern von selbsternannten Experten und in themennahen Foren (z.B. gigaherz.ch) von sogenannter „gepulster Strahlung“. WLAN, UMTS und LTE seien besonders gefährlich, da diese hochfrequent gepulst seien. Physikalisch bedeutet das eigentlich nur, dass eine Strahlungsquelle nicht kontinuierlich (kohärent) sendet, sondern nur in zeitlichen Abständen. Vergleichbar mit dem stetigen, zeitversetzten Ein- und Ausschalten einer Taschenlampe. Wenn, dann hätte dies aber eher einen positiven Effekt, da eine Exposition nicht permanent erfolgt. Intelligente WLAN-oder DECT-Netze zuhause reduzieren z.B. die Sendeleistung, wenn sie nicht „gebraucht“ werden (Eco Mode), statt permanent zu strahlen. Wenn von gepulsten Wellen die Rede ist, sind also nicht besonders schädlich deformierte Stahlen oder sonstiger Unsinn gemeint …

3. Elektrosensibilität

Wer im Internet nach diesem Begriff sucht, wird schnell dutzende Berichte von Menschen finden, welche sich als „elektrosensibel“ einschätzen. Diese Einordnung ist allerdings keinesfalls eine schulmedizinische, sondern fällt in den Bereich der Eigendiagnose. Die Betroffenen machen dabei Mobilfunkstrahlung bzw. elektromagnetische Felder für eine ganze Kaskade von plötzlich auftretenden Beschwerden verantwortlich. Oft ausgelöst durch ein in der Umgebung aufgestellten Mobilfunkmast. Zu den am häufigsten genannte gesundheitlichen Symptomen gehören Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Tinnitus und Unruhe. Einige der Elektrosensiblen gehen sogar soweit, ihren Wohnort so weit wie möglich an Funklöchern auszurichten, selbst wenn das ein Leben auf dem Zeltplatz bedeutet.

Mobilfunkmast aus einem Wohnhaus

Das Problem an der Sache ist, dass bisher noch nie ein Nachweis gelingen konnte, dass es diese „Feinfühligkeit“ für Elektromagnetismus tatsächlich gibt. Vielmehr scheint eine Art Placeboeffekt verantwortlich zu sein. Eine Studie aus Großbritannien konnte zumindest den Effekt ziemlich eindeutig wiederlegen. Dabei wurden 44 Probanden, die sich selbst als EM-fühlig bezeichnen, in eine Gruppe gesteckt. 12 schieden während des Tests wegen „Beschwerden“ aus. Zudem 114 Testpersonen für die Kontrollgruppe, die sich als nicht beeinflussbar einschätzten. Das Experiment sah vor, alle Testpersonen abwechselnd Handystrahlung auszusetzen, wie sie von GSM oder UMTS her typisch ist. Natürlich wusste keiner, wann die Strahlung aktiv war und wann nicht. Zwei der EM-Sensiblen und 5 der Kontrollgruppe konnten dabei zuverlässig sagen, wann gefunkt wird. Dies liegt allerdings jeweils im Bereich der Wahrscheinlichkeit fürs Schätzen. Der wichtigste Punkt war jedoch, dass die Elektrosensiblen auch dann eine Reaktion, wie Angst, Schwitzen oder Beschwerden zeigten, wenn gar keine Strahlung aktiv war. Vielmehr war der alleinige Gedanke daran, dass es wohl gerade „funken“ könnte, auschlaggebend. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz konnte 2006 diese Studie mit vergleichbarem Ergebnis reproduzieren. [2]

Fazit: Auch diese Studie konnte natürlich nicht mit absoluter Sicherheit nachweisen, dass es keine Menschen gibt, die auf Elektromagnetismus sensibel reagieren. Man kann in der Wissenschaft prinzipiell nicht beweisen, dass es etwas nicht gibt. Gleichsam liegen aber auch keinerlei ernste Hinweise vor, dass tatsächlich jemand präzise E-Felder „spüren“ kann bzw. darauf ad hoc symptomatisch reagiert.


4.  Studien zum Thema: Was sagt die Wissenschaft?

Eine Studie haben wir im vorangegangenen Abschnitt ja schon kennen gelernt. Doch diese ist nur eine von unzähligen. Wie viele es weltweit zum Thema gibt, weiß wohl keiner so genau. Laut Wikipedia waren es 2015 immerhin fast 14.000 wissenschaftliche, bekannte Publikationen. Die wahre Menge dürfte wohl über 20.000 liegen. Wirklich angesehene, unabhängige und methodisch einwandfreie Studien sind dagegen rar. Eine der bedeutendsten jüngeren Datums, ist wahrscheinlich die Interphone-Studie [3] der IARC (International Agency for Research on Cancer). Diese Macrostudie wurde in 13 Ländern über mehrere Jahre (beginnend 2000) durchgeführt. Ziel war, es eine mögliche Korrelation zwischen dem Telefonieverhalten und dem Auftreten von Hirntumoren zu finden. Die Probanden bildeten wieder eine Gruppe von gesunden vs. schon erkrankten Menschen. Erstaunlicher Weise zeigte sich zunächst ein vollkommen gegenteiliger Effekt. Demnach bekam die Gruppe der Vieltelefonierer statistisch weniger häufig einen Tumor. Extrem-Telefonierer wiederum hatten auch ein signifikant höheres Risiko. Da die Studie rein auf Befragungen basierte, ist sie jedoch nur begrenzt aussagekräftig. Die Stellungnahme des Bundesamtes für Strahlenschutz kann hier nachgelesen werden.

Die Kohortenstudie von 2001 untersuchte dagegen über einen langen Zeitraum Menschen mit Mobiltelefon in Dänemark. Und zwar von 1982 bis 1995, also 13 Jahre. Damals hatte bekanntlich längst nicht jeder ein Mobiltelefon, so dass man Krebserkrankungen von Handynutzern gut mit der Gesamtbevölkerung vergleichen konnte. 2006 bis 2011 wurde das Experiment sogar wiederholt. Auch hier gab es keinen Hinweis auf ein höheres Krebsrisiko.

Für Schlagzeilen sorgte 2014 dagegen eine Studie aus Frankreich. Untersucht wurden 450 Patienten mit einem Hirntumor – die Studie dauerte über 10 Jahre. Wiederum wurden Vielnutzer mit Wenignutzern und deren Häufigkeit für Tumore-Bildung verglichen. Forscher wollen darin endlich den Nachweis gefunden haben, dass Handystrahlung durchaus Tumore fördern kann. Allerdings erst ab 15 Stunden monatlich. Dann, so die Forscher, ergab sich ein immerhin 4fach erhöhtes Tumor-Risiko. Auf Normaltelefonierer hätten sich, der Studie nach, keine Effekte gezeigt. Allerdings sind auch 15 Stunden pro Monat nicht viel – rund 30 Minuten täglich. Im übrigen zeigt sich, dass die Tumorpatienten meist Vielnutzer waren und das Handy immer an ein und demselben Ohr nutzten. Tendenziell fand sich tatsächlich ein Zusammenhang mit der präferierten Seite und der Position der Tumoren.

Doch auch hier gibt es wieder einen Fallstrick. Denn Leute die bereits an einem Hirntumor erkrankt sind, suchen meist aktiv nach einer Erklärung. So wie der Raucher bei Lungenkrebs wohl nur an eine Ursache denkt, obwohl auch eine Asbestbelastung aus der Kindheit ursächlich sein könnte. Dieser Effekt verzerrt leider die Ergebnisse.

Ein schlagendes Argument für das Lager derer, die Mobilfunkstrahlung nicht als Auslöser für Krankheiten sehen, dürfte noch der Umstand sein, dass es weltweit in den letzten 20-30 Jahren keinen merklichen Anstieg bei den Zahlen der Hirntumorerkrankungen gab. Also der Zeit, in der sich der Mobilfunk global extrem stark verbreitete.

4.1. Warum ist der Nachweis bzw. Gegenbeweis so schwer?

Trotz der unzähligen Studien gibt es also leider kein eindeutiges Fazit, was mehrere Gründe hat. Während man in einem Labor recht einfach einen Nachweis an Mäusen führen kann, da diese eine recht begrenzte Lebenszeit haben, schließt sich der Lebendversuch am Menschen sowohl aus ethischen als auch zeitlichen Gründen aus. Aus dem gleichen Grund wird auch seit Jahrzenten ein Lebensmittelmythos nach dem anderen durch die Medien gejagt. Kaum gilt Schokolade und Rotwein als „krebsvorbeugend“, ist dies auch schon widerlegt oder die Studie als methodisch mangelhaft entlarvt. Es ist eben äußerst schwer, am Menschen eineindeutig und unter Ausschluss anderer Faktoren, gesicherte wissenschaftliche Ergebnisse zu erlangen. Dafür müsste man theoretisch 2 Gruppen a 50 Menschen von Geburt an und unter exakt gleichen Bedingungen einsperren. Am besten mit demselben Genom und eine Gruppe bestrahlen, die andere nicht. Da sich das ausschließt, bleibt nur die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

4.2 ABER …

Es gibt dennoch kein Freifahrtschein, zumindest nicht für das Telefonieren am Handy. Während die Umgebungsstrahlung im Alltag aller Wahrscheinlichkeit keinen Einfluss hat, verhält es sich hier ganz anders. Denn das Gerät wird meist direkt am Ohr gehalten. So scheint es zumindest einige ernstzunehmende Hinweise zu geben, dass hier eine Gefahr lauern könnte. Selbst die IARC stuft Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein. Allerdings gilt dies auch für Kaffee. Dennoch kann hier jeder mit einigen wenigen Tipps und Kniffen seine eigene Strahlenbelastung fast auf 0 drücken und somit das Risiko nahezu eliminieren. Wie, zeigen wir im folgenden Abschnitt.

5.  Wie kann ich mein Risiko bzw. Belastung verringern?

Auch wenn nach wie vor eine echte Gefährdung kaum nachzuweisen und erst recht nicht bewiesen ist, bleibt dennoch ein Restrisiko. Daher raten seriöse Experten, sich zumindest bewusst mit dem Thema auseinander zu setzen. Dazu gehört beispielsweise auch das Bundesamt für Strahlenschutz.

Prinzipiell sollten stets eine unnötige Exposition mit Strahlenquellen vermieden werden, wo dies möglich ist. Dafür muss auch keiner nach Paraguay auswandern. Folgend haben wir daher einige Alltags-Tipps zusammengefasst, die beim dem Ziel helfen können. Einige von den Vorsorgemaßnahmen sparen sogar bares Geld in Form von einer geringeren Stromrechnung.

5.1 Handy vom Ohr!

Die wohl effektivste Vorsorgemaßnahme kostet weder Geld, noch schränkt sie einem beim Telefonieren stark ein. Soweit möglich sollte man die Freisprechfunktion des Smartphones nutzen - das Gerät also nicht am Kopf halten. Allein dadurch kann man ein potenzielles Risiko nahezu auf 0 reduzieren. Denn bereits nach wenigen Zentimetern Abstand sinkt der SAR-Wert am Kopf drastisch. Warum? Die Feldstärke nimmt umgekehrt proportional mit der Entfernung ab, genauer gesagt mit 1 / (Abstand^2). Das bedeutet, bereits bei 1 Meter hat sich die Strahlungsbelastung halbiert.

5.2. Handys mit geringem SAR-Wert kaufen

Hersteller haben prinzipiell selbst ein Interesse, die Strahlungsleistung so gering wie möglich zu halten. Schließlich kostet unnötig „verstrahlte“ Energie nur Akkukapazität und somit Laufleistung – für viele Verbraucher ein entscheidendes Kaufargument bei einem Smartphone. Allerdings muss man im Handbuch meist tief graben, um den SAR-Wert zu finden. In Elektronikmärken wird dieser erst gar nicht angegeben. Wer seine Kaufentscheidung von einem geringen SAR-Strahlungswert abhängig machen will, muss daher oft recherchieren. Diese Liste des Bundesamtes für Strahlenschutz, führt die Werte für tausende Modelle. Leider längst nicht für alle, aber immerhin. Mit nur 0,14 W/kg schneidet z.B. das Samsung Galaxy Note II extrem gut ab. Zur Erinnerung: Der Grenzwert liegt bei 2 W/kg. Für den „Blauen Engel“ ist ein SAR von unter 0,6 nötig.

5.3 Situationen mit schlechtem Empfang meiden

Prinzipiell gilt eine einfache Formel – je besser der Empfang ist, desto weniger stark muss das Handy funkten. Daher gilt es nach Möglichkeit, die Empfangsqualität nicht einzuschränken. Etwa durch: Telefonieren in geschlossenen Gebäuden, Telefonieren im Auto(!) ohne Außenantenne, Verdecken der internen Antennen durch die Hand und lange Gespräche bei allgemein sehr schlechten Empfangsbedingungen. Beim Einsatz von mobilen Endgeräte unterwegs (Sticks, Router), können spezielle Antennen den Empfang verbessern.

5.4 andere Strahlenquellen minimieren

Im Haushalt finden sich heute dutzende Quellen für EM-Strahlung. Die wohl häufigste ist das WLAN. Nicht immer ist dies unbedingt nötig, aber dafür verdammt bequem. Nur wer viele Geräte verbinden möchte, kommt kaum umher. Wer nur einen einzelnen PC oder Laptop ins Netz zu bringen, sollte dagegen auf ein LAN-Kabel setzen, da spart zudem noch Strom und ist weniger anfällig für Störungen. Mit sogenannten DLAN-Adaptern kann sogar ganz auf WLAN verzichtet werden und ohne Kabelsalat im ganzen Haus. Die Verteilung erfolgt dabei nämlich über das Stromnetz. Viele WLAN-Router (z.B. FritzBox) bieten zudem einen Ecomode und eine Zeitschaltung. Darüber lässt sich zumindest nachts eine komplette Deaktivierung planen. Auch DECT-Telefone sind kleine Strahlungsschleudern. Kaufen Sie möglichst Modelle mit ECO-Mode und aktivieren diesen. Dann wird nur gefunkt, wenn es auch gebraucht wird.

6. TV-Sendungen

Wir haben zwei interessante TV-Sendungen herausgesucht, die umfassend über die Problematik informieren. Schauen Sie doch mal rein!




und hier bei der ARD.


Gerne laden wir Sie zudem in unser Forum ein für Diskussionen rund ums Thema!




Quellen:

[1] EMF-Forschungszentrum Bestimmung SAR-Wert Abschlussbericht PDF

[2] http://news.bbc.co.uk/2/hi/health/6914492.stm
[3] Bundesamt für Stahlenschutz Quelle 1 und Quelle 2 (Stellungsnahme)




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