Telefonieren per LTE

Möglichkeiten, Vor- und Nachteile für stationären die mobile Verwendung


Long Term Evolution (LTE) bietet bekanntlich hervorragende Leistungseigenschaften zum Übertragen von Daten. Stationäre und mobile Internetzugänge stellen mit 50-300 MBit/s viele festnetzbasierte Breitbandzugänge in den Schatten. Doch wie steht es eigentlich um die Telefonie? Eignet sich LTE zum Telefonieren? Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich und wo gibt es noch Probleme? Diesen und weiteren Fragestellungen, wollen wir im Folgenden nachgehen.

Schemata - Möglichkeiten zum telefonieren per LTE


1. Telefonie bei stationären LTE-Anschlüssen (DSL Ersatz)

Wer sich für einen LTE-Zuhause-Tarif von Vodafone oder der Telekom entscheidet, erhält automatisch einen Telefonanschluss samt Festnetzflat. Lediglich Vodafone bietet optional eine Versionen ohne Telefonflat. Und zwar im Tarif "Zuhause LTE S". Soweit die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Providern, netztechnisch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Obwohl die Deutsche Telekom mittlerweile im Festnetzbereich (DSL, VDSL) nur noch sogenannte IP-basierte Angebote vertreibt, setzt sie für „Call&Surf Zuhause per LTE“ nach wie vor auf einen analogen Telefonanschluss – optional auch via ISDN. Bei den moderneren Hybrid-Tarifen kommt dagegen nur noch IP-Telefonie zum Einsatz, man spricht auch von All-IP. Dies bedeutet, dass der Festnetzanschluss durch Internettelefonie (VOIP) ersetzt wurde („IP-basiert“). Ihr Heim-LTE-Anschluss fungiert also als Trägerbasis für die Daten- UND Sprachkommunikation. Das hat Vorteile und Nachteile für Sie als Endkunden.

Vorteile: Der Router kann frei überall im Haus bzw. der Wohnung positioniert werden, idealer Weise dort, wo der Empfang am besten ist. Oder anders ausgedrückt – ein Positionierung in der Nähe der Telefondose ist nicht notwendig. Prinzipiell ist auch die Sprachqualität besser, als über herkömmliche, analoge Festnetzanschlüsse.


Nachteile: Da sowohl Sprach- als auch Internetdienste über den LTE-Anschluss laufen, fallen bei Netzstörungen beide aus. Hier sind Telekomkunden, durch die Trennung von Telefon und Internet, im Vorteil. Während man z.B. auf das Web nicht zugreifen kann, sind Anrufe weiter möglich.

1.1  Ist VOIP per LTE überhaupt gestattet?

In der Anfangszeit war die Nutzung von VOIP tatsächlich meist in den AGB ausgeschlossen. Für Peer-2-Peer gilt das übrigens mitunter immer noch. Mittlerweile haben Telekom und Vodafone den VOIP-Passus jedoch revidiert. So heißt es für die VF Zuhause-LTE-Tarife „Voice-over-IP-Kommunikation ist gestattet“. Auch innerhalb der Telekom-AGB [PDF] konnten wir keinen Ausschluss mehr entdecken.

1.2 externe Provider für Telefonie (SIP)

Die Nutzung eines externen Telefonieanbieters via SIP, ist auch für LTE-Kunden möglich. Wenn auch etwas umständlich und mit etwaigen Zusatzkosten verbunden. Zum einen unterstützt die von den LTE-Anbietern mitgelieferte Hardware von Hause aus oft keine externen SIP Anbieter. Denn es lassen sich bei den Geräten (z.B. VF Easybox 904 oder Speeport II) keine Zugangsdaten sowie die URL des SIP Servers hinterlegen.

Grafik: sipgate.de


Mittels folgenden Varianten funktioniert es aber dennoch:

a) Schließen Sie ein spezielles Netzwerk-Telefon (z.B. von Grandstream) an den LTE-Router. Ihr bisheriges Telefon benötigen Sie dann nicht mehr.

b) Verbinden Sie einen zweiten Router (z.B. eine Fritz!Box) oder einen Netzwerk/TAE Adapter (z.B. von Grandstream) mit dem LTE-Router.

c) Ersetzen Sie den bisherigen LTE-Router durch eine Fritz!Box aus der LTE-Reihe. Also eine FB 6810, 6840 oder 6842. Hier können die Zugangsdaten und Serverangaben direkt hinterlegt werden.

d) Nutzen Sie den Computer mittels eines Headsets und Software als Telefon. Dabei werden die Zugangsdaten, Ports, Server usw. in der Software eingegeben.

Und so gehen Sie vor: Melden Sie sich erst einmal bei einem SIP-Anbieter (z.B. Sipgate) an. Von diesem erhalten Sie dann Ihre Telefonnummer, Passwort, URL des SIP/RTP-Servers, sowie  alle genutzten Ports (meistens Port 5060 für SIP und 5004 für RTP). Die Ports können aber von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein. Die hier genannten dienen also nur als Beispiel.

Schließen Sie jetzt das Zusatzgerät (Netzwerktelefon, Adapter oder Router) an den bisherigen LTE Router an. Achten Sie bei diesen Geräten extra darauf, dass diese sich im selben Netzwerk befinden. Loggen Sie sich auf dem LTE Router (und falls installiert, dem Zweit-Router) ein und überprüfen die Firewall. Falls notwendig, geben Sie die genannten Ports frei. Nun tragen wir in den Zusatzgeräten die Zugangsdaten und Server ein. Für detaillierte Einstellmöglichkeiten konsultieren Sie bitte das Handbuch.

1.3 Noch ein Wort zu O2

Der Anbieter vertrieb viele Jahre, wenn auch nur in wenigen Regionen, ebenfalls DSL-Ersatzlösungen per LTE. Allerdings komplett ohne Telefonie. 2013 wurden die Tarife jedoch (vorerst?) eingestellt.


2. Mobil telefonieren per LTE

Wie das Schemata ganz oben zeigt, kommen hier zwei Optionen in Frage. Einmal Gespräche über VOIP-Apps wie Skype, oder über einen originären Netzdienst – kurz VoLTE. Die Abkürzung steht für Voice over LTE. Was steckt dahinter?


2.1 VoLTE

Der abkürzend "
VoLTE" genannte Notdienst ist dabei, mobiles Telefonieren regelrecht zu revolutionieren. Voice over LTE bietet dutzende Vorteile gegenüber Vorgängerstandards. Zunächst muss man aber wissen: Mobilfunktelefonie per LTE-Netz, also VoLTE, gibt es in Deutschland noch nicht sehr lange. Obwohl Vodafone und O2 schon 2015 die Technik in ihren Mobilfunknetzen starteten, hat sich Voice over LTE bislang noch nicht gänzlich durchgesetzt. Anfang 2016 zog die Telekom als letzter Anbieter nach. Damit sollte nun Stück für Stück der Durchbruch gelingen.

Antworten auf diese und alle weiteren Fragen zum Thema, finden Sie hier in unserem VoLTE Themenspezial ausführlich dargestellt.

Was kann VoLTE?

2.2 VOIP Apps

Prinzipiell können Smartphone-Nutzer mit LTE-Tarif auch über diverse Apps mobil telefonieren. 4G eignet sich aufgrund der niedrigen Latenzzeiten und der hohen Datenraten natürlich exzellent für VOIP. Der wohl populärste Dienst ist Skype, welcher etliche interessante Features bereithält. Bei Skype ist, neben herkömmlichen Telefonaten, nämlich auch Videotelefonie möglich. Des Weiteren sind Gespräche zwischen zwei Skypenutzern kostenlos. Erst wenn ein Festnetz- oder Mobilfunknetz angewählt wird, können Gebühren anfallen. » zur App
Aber auch der oben vorgestellte Anbieter Sipgate lässt sich mobil per App nutzen.

Screenshot: Skype App Playstore


Bei Nutzung von VOIP über Apps gibt es wiederum einige Aspekte, die bedacht werden sollten. Zum einen können die Mobilfunkprovider in den AGB die Nutzung von VOIP-Diensten provisorisch ausschließen. Das heißt: Prinzipiell lassen sich die Anwendungen nutzen – der Anbieter hat aber theoretisch das Recht, diese zu sperren. In den meisten „Complete Comfort"-Paketen der Telekom war z.B. bis September 2014 VOIP nur gegen Aufpreis möglich. Die neuen MagentaMobil-Tarife hingegen erlauben die Nutzung von VOIP uneingeschränkt. Bei Vodafones „RED“-Tarifen konnten wir erfreulicher Weise auch keinen Passus entdecken, der die Nutzung ausschlägt. Selbst O2 hat scheinbar die Zügel gelockert. So heißt es in Verbindung mit den „Blue All-in“-Angeboten: „Das Datenvolumen gilt nur für paketvermittelte nationale Datenverbindungen inklusive Voice over IP und Video over IP“. Bei allen anderen Anbietern (z.B. Prepaid), sollten Sie sich zuvor in den AGB besser genau informieren, falls der Einsatz von VOIP-Diensten geplant ist.

Der Zweite wichtige Aspekt betrifft das Transfervolumen. Videotelefonie verbraucht pro Minute natürlich deutlich mehr Datenvolumen, als reines „skypen“. Da alle Smartphone-LTE-Tarife nur ein begrenztes Highspeed-Kontingent (z.B. 3 GB) bieten, sollte man diese mit Bedacht nutzen bzw. diesen Fakt im Hinterkopf behalten.

2.3 Roaming – LTE auch im Ausland?

Tatsächlich müssen deutsche LTE-Nutzer im Ausland mitunter noch auf LTE verzichten, da Roaming im 4G-Netz bisher noch nicht überall möglich ist. Im EU-Ausland hat sich die Situation 2014 erheblich verbessert. Weltweit setzt sich 4G-Roaming seit 2015 aber langsam ebenfalls durch. Dafür gibt es vor allem technisch bedingte Gründe. In unserem Roaming-Spezial finden Sie alle wichtigen Entwicklungen und Hintergrundinformationen zu diesem Thema. Unter anderem welcher Anbieter welche Länder abdeckt und was für Tarifoptionen dann nötig sind.


2.4 HD-Voice: Beste Sprachqualität für Mobilfunkkunden

Mal ehrlich - die Sprachqualität bei Gesprächen übers Handy war eigentlich nie sonderlich gut. Zwar gab es im Laufe der Jahre Verbesserungen, doch mit der „Originalstimme“ hatte das Klangbild beim Gesprächspartner meist nicht viel gemein. Verbesserung versprach erstmals das sogenannte "HD-Voice". Als Verfahren kommt hier das sogenannte AMR-W zum Einsatz – eine Abkürzung für Adaptive Multi Rate Wideband. Neben verbesserten Kompressionstechniken, resultiert die verbesserte Klangleistung primär aus einer Erweiterung des übertragenen Frequenzspektrums.

2011 hat die Deutsche Telekom hierzulande erstmals das sogenannte „HD-Voice“ eingeführt, welches eine deutlich klarere Qualität ermöglicht. Vodafone zog im Sommer 2013 ebenfalls nach. LTE-Kunden profitierten von vornherein. E-Plus hingegen startete fast ein Jahr später, nämlich erst im März 2014. 4G ist übrigens keine zwingende Voraussetzung, wohl aber eine Datenanbindung - mindestens mit UMTS. Zwei Hörbeispiele im Vergleich, finden Sie hier in der Newsmeldung zum HD-Voice-Start von Vodafone.

Demo:


HD-Voice findet weltweit immer mehr Verbreitung. Wie eine Studie des Branchenverbandes „GSA“ im Januar 2014 zeigt [Quelle], setzt global mittlerweile ein Großteil der Provider auf die Verbesserung. In 73 Ländern waren zu dem Zeitpunkt schon über 109 HD-Voice-Netze in Betrieb. Zudem unterstützten fast 250 Handy-Modelle den Standard.




Kontakt Impressum Presse Datenschutzerklärung
Alle Infos und Tarife auf dieser Webseite sind nach bestem Wissen und nach
sorgfältigen Recherchen entstanden. Dennoch geben wir keine Gewähr auf Richtig- und Vollständigkeit! © LTE-Anbieter.info