„Wir wollen die modernste Technologie haben“ – Bundeswirtschaftsminister Brüderle und Konzernspitzen ziehen auf CeBIT LTE-Bilanz


02.03.2011; Hannover, Leipzig


Die CeBIT in Hannover – weltgrößte Messe für Informationstechnik. Tausende Aussteller präsentieren ihre Neuheiten der interessierten Weltöffentlichkeit. Die perfekte Gelegenheit also, um die interessanteste Neueinführung im Mobilfunksektor 2011 näher zu beleuchten: LTE. Und das taten sie auch, die Mobilfunkhersteller, die Mobilfunkunternehmen, und letztlich auch das Bundeswirtschaftsministerium. Dessen Minister scheint im Breitbandausbau sein Thema gefunden zu haben.

Versteckt zwischen Clouds

Minister Brüderle trifft sich mit Wirtschaftsvertretern

Es ist ein interessantes Bild und an diversen Stellen auf der CeBIT in Hannover zu finden: Scheinbar unerklärlich bilden sich um sehr kleine Präsentationsplattformen sehr große Menschentrauben. Es wird getuschelt, viel gefragt. „Sind tatsächlich 50 Mbit/s möglich?“ – „Ab wann wird das verfügbar sein?“ – „Kann ich das überall nutzen?“ Bei genauerem hinschauen ist zwischen Kunden, Journalisten und Unternehmensvertretern immer wieder der Schriftzug LTE zu erkennen. Sie ist zweifelsohne ein Thema von besonderem Interesse auf der diesjährigen CeBIT – die neue Mobilfunktechnologie Long Term Evolution.

Ein großes Thema, dem die Unternehmen an ihren Ständen recht wenig Raum einräumen. Zwischen all den Clouds (Cloud Computing ist einer der Schwerpunkte der CeBIT), welche als übergroße Wolkenprojektionen genauso in Erscheinung traten, wie als Zuckerwatte („Cloud am Stiel“) oder als süße Gummiwölkchen („Ihr Weg in die Cloud beginnt süß“), war wohl einfach kein Platz mehr für LTE. Und so galt es lange zu suchen, bevor man die gespannten Augen auf einen Monitor mit einem Demovideo, einem Laptop mit angestecktem LTE-USB-Stick oder einem LTE-Router und einem Mitarbeiter richten durfte, der sich redlich bemühte, mit diesen Miniaturaufbauten zu beeindrucken.

Brüderle mag Miniaturen

Der Messeauftritt des Bundeswirtschaftsministeriums räumte LTE zugegebenermaßen ein wenig mehr Platz ein. Ja man hatte sich gar dazu hinreißen lassen, eine Modellbahn durch eine Modelllandschaft verkehren zu lassen, in der der Traum des zugehörigen Ministers Rainer Brüderle bereits Realität geworden ist.

Das perfekt vernetzte Dorf: Die Haushalte der Wohnsiedlung sind per Glasfaser direkt mit VDSL versorgt, im Biergarten surft man per HSPA, ein zentraler Funkmast bringt LTE in die entlegenen Bauernhöfe auf dem nahe liegenden Gebirge. Während ein ICE auf der Anlage seine Runden dreht, schaltet ein Mitarbeiter mit einer Fernbedienung blinkende Lämpchen ein und aus. „Durch die hohe Netzabdeckung der LTE-Funkmasten ist Internet sogar im fahrenden Zug verfügbar“, verkündet der Mitarbeiter. Minister Brüderle erkundigt sich nickend nach der Spurweite der Anlage und merkt an „Ich hatte auch einmal eine H0-Eisenbahn“.

LTE leicht verdaulich

O2-Managing-Director Markus Haas ,Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme,
Bundeswirtschaftminister Rainer Brüderle,
Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich P. Joussen,
Vorstandsvorsitzender Alcatel-Lucent Deutschland Alf Henryk Wulf

Wenig später gesellen sich vier grinsende Herren und eine Schar Journalisten zu Minister Brüderle, welcher sich mittlerweile zur Pressekonferenz „Brüderle zur neuen Generation mobiler Internetverbindungen – LTE“ eingefunden hat. Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme, Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich P. Joussen, O2-Managing-Director Markus Haas und Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender Alcatel-Lucent Deutschland, wollen gemeinsam mit dem Bundesminister Bilanz zum bisher Erreichten in Sachen LTE ziehen und einen Blick in die nähere Zukunft wagen.

Brüderle nutzt die Gelegenheit, um noch einmal die Bedeutung breitbandiger Internetverbindungen zu betonen. „Die Strategie der Bundesregierung ist es, Infrastrukturen zu schaffen ähnlich wie unser Straßen-, Flugzeug- oder Eisenbahnnetz, um für unsere Bürger und unserer Wirtschaft optimale Bedingungen für diese neue Entwicklung zu schaffen“, so Brüderle. Bis 2015 sollen so dreiviertel aller deutschen Haushalte mit 50 Mbit/s versorgt werden. Ein hehres Ziel, welche auch mit „LTE als neuem Ansatz“ erreicht werden soll. Brüderle macht es sichtlich Vergnügen, die Entwicklungen auf dem Breitbandmarkt zu erläutern, schließlich laufe es mehr als gut für den High-Tech-Standort Deutschland, betont der Minister. „Und ich bin selbst fasziniert, wenn man hier her kommt welche neuen Möglichkeiten sich ergeben und man hat selbst als hoher Minister manchmal Schwierigkeiten, das alles aufzunehmen, richtig einzuordnen und zu verdauen.“ Gut verdaulich für ihn ist hingegen die Prognose, dass in naher Zukunft die Hälfte aller „zukunftsfähigen Produktionsfortschritte“ im IT-Bereich anzusiedeln sind. „Deshalb brauchen wir LTE für unsere Wirtschaft möglichst schnell, umfassend aber auch kostengünstig.“

„Wir wollen Gas geben“

Dass die Bundesregierung solch großen Wert darauf legt, den Breitbandausbau auch und vor allem per LTE zügig voran zu treiben, habe seinen Grund. Man wolle eine Führungsrolle spielen, denn: „Wir sind im harten Wettbewerb mit Korea, mit China, mit Japan, mit den USA. Wir trauen uns aber zu, dass uns Breitband als ein Basiswissen, kombiniert mit anderen Strukturen, den hohen Wachstumspfad auf dem wir uns befinden, auch für die Zukunft sichert.“ Zur Beförderung dieses Breitband-Wachstumspfades soll „Anreizregulierung“ in Verbindung mit freier Marktwirtschaft dienen.

Diese Regulierung sieht Brüderle in der Vorgabe der Regierung, zuerst die ländlichen Regionen der Bundesrepublik mit LTE zu versorgen (Karte), bevor die Technologie in einem zweiten Schritt auch in die Großstädte kommen darf, gegeben. Brüderle „Es soll keiner in Deutschland einen Nachteil haben, weil er nicht in Berlin oder Hannover lebt, sondern peripher wohnt.“ In den Ballungsgebieten wolle man dann aber klar auf Wettbewerb setzen. Schließlich habe man „hier auf der Cebit jetzt die Akteure am Markt, die es am besten wissen“, so der Minister.

LTE macht alle zu Gewinnern

Diesen Akteuren wurde nun ein Podium geboten, zwar einer nach dem anderen und alle mit unterschiedlichen Worten, aber in der Kernaussage gleich: Man ist zufrieden, LTE ist eine Erfolgsgeschichte, der Ausbau muss weiter gehen. Vodafone-Deutschland-Chef Friedrich P. Joussen sieht Deutschland bereits ohne unterversorgte Regionen: „Wir gehen davon aus, dass Ende des Jahres kein weißer Fleck mehr übrig bleibt:“ Schließlich seien bereits ein halbes Jahr nach Lizenzversteigerung 160.000 Haushalte versorgt, Tendenz steigend. „Die Akzeptanz ist ausgesprochen hoch, allein wir bei Vodafone machen derzeit tausend Neukunden im LTE-Gebiet pro Woche.“, so Joussen.

Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme fügte neben der Aussage, dass man den Breitbandausbau ausdrücklich unterstütze hinzu, dass es sich um eine gemeinsame Aufgabe aller Internetanbieter handele. „Das kann keiner allein schaffen“, so van Damme. Der Beitrag der Telekom sei aber beachtlich. Schließlich habe man 2010 bereits 500 Gemeinden mit LTE versorgt. „In diesem Jahr sollen noch einmal 1.500 dazu kommen.“ Laut Aussage des Telekom-Vorstandes sind also bereits 270.000 deutsche Haushalte angeschlossen. Ziel für 2011: Bis zu 2 Millionen.

Aus dem Hause O2 waren keine konkreten Nutzerzahlen zu erfahren. O2-Managing-Director Markus Haas betonte aber, dass die „beiden Pilotnetze, die O2 zum Ende letzten Jahres in Betrieb genommen hat, im zweiten Quartal den kommerziellen Betrieb aufnehmen.“ LTE spiele in der Investitionsstrategie von O2 eine besondere Rolle. „LTE ist die Technologie, die das größte Potential hat“, betont Haas. Und so sei auch ein beträchtlicher Anteil des Investitionsumfangs, welchen O2 in den vergangenen vier Jahren in Breitbandinternet investiert hat, in LTE geflossen. Einer der Gründe, warum der kommerzielle LTE-Betrieb nun auch schneller als ursprünglich geplant starten könne. Darüber hinaus sei erfreulich, dass „die Endgeräte früher als erwartet kommen. Das ist eine sehr gute Nachricht und wir haben das erste Mal die Chance in Deutschland, in Europa führend zu sein.“

Problem Grenzkoordinierung

Zu den unterversorgten Regionen zählen natürlich auch viele Grenzgebiete, welche ebenfalls mit LTE versorgt werden sollen. Schließlich wolle man auch hier nicht „Fibre to the Bauernhof“ verlegen, wie Friedrich P. Joussen scherzhaft anmerkte. Besonders wichtig sei in diesen Gebieten, Abkommen mit Nachbarstaaten zu formulieren, um Störungen derer Netze und durch deren Netze zu vermeiden. „Dieser 30 km Gürtel, der sich um die deutschen Grenzen bildet, beinhaltet eben auch noch sehr viele Flächen, die im Idealfall mit LTE versorgt werden könnten.“, beschrieb Markus Haas die Lage. Dieser „ganz wichtige Aspekt“, wie Haas weiter betonte, sei aber bereits in Arbeit. Bestätigung durch Niek Jan van Damme: „Ich bin auch zuversichtlich, dass die wenigen Probleme, die es im Moment noch gibt, gelöst werden.“ Wichtig sei dabei besonders „eine schnell Umsetzung der digitalen Dividenden in ganz Europa. Aber auch eine einheitliche Vorgehensweise im Bezug auf die Verfügbarkeit weiterer Frequenzen unterhalb von 790 MHz.“

„LTE ist eine äußerst effiziente Technologie“

Nach viel Lob und wenig Tadel, wechselte das Mikrofon zu Alf Henryk Wulf, Vorstandsvorsitzender von Alcatel-Lucent Deutschland. Er referierte über technische Aspekte des LTE-Ausbaus – eine Bereicherung zwischen den sich wiederholt gegenseitig überbietenden Erfolgsvermeldern. Auch er lobte, allerdings die Technologie LTE selbst. Sie sei äußerst effizient, denn schließlich gehe es „im Mobilfunk ja immer darum, möglichst viel Bit in möglichst wenig Spektrum unterzubringen, weil das Geld kostet.“ LTE spiele sich im Vergleich zu UMTS oder HSPA auf einer ganz anderen „Effizienzebene“ ab. Eine Effizienz, die aber durchaus noch steigerbar ist. „Ich darf nur daran erinnern, dass zum Zeitpunkt der UMTS-Lizenzversteigerung 384 KBit/s möglich waren und heute sind wir bei 21 Mbit/s. Wenn es eine ähnliche Entwicklung im LTE-Umfeld gibt, dann kann man sich ausrechnen wo man dann irgendwann mal landet“, fügte Friedrich P. Joussen an.

LTE und Glasfaser keine Konkurrenz

Hörte man den überbordenden Enthusiasmus der Anwesenden zwecks der erreichbaren Geschwindigkeiten, Zahlen von 50, ja von 100 Mbit/s im Downstream schwirrten durch den Raum , könnte man annehmen, dass der zügige LTE-Ausbau Glasfaser überflüssig machen könnte. Dieser Vermutung widersprach Wulf vehement, LTE und Glasfaser seien komplementär, nicht alternativ. „Wir dürfen nicht vergessen, wo immer wir Mobilfunk aufbauen, müssen wir die Bandbreiten, die wir von der Zelle verteilen, leistungsfähig hinbringen. Das bedingt de facto eine Glasfaserinfrastruktur, manchmal kann man es mit Richtfunk machen, mittelfristig brauchen wir aber Glasfaser an dieser Stelle“, so Wulf.

Gute Stimmung durch positive Bilanz.

Da alle drei anwesenden Unternehmer und der Bundeswirtschaftsminister sowohl Profiteure eines verbesserten Glasfaserausbaus als auch einer steigenden LTE-Netzabdeckung sind, mochte in diesem Punkt keiner widersprechen. Und so ging die Pressekonferenz zu Ende, wie sie begonnen hatte – lächelnd. Und wer weiß, vielleicht ist LTE den Netzbetreibern, Providern und Staatsvertretern zur nächsten CeBIT nicht nur wolkige Formulierungen, sondern auch ein etwas prominenterer Platz neben Cloud-Computing wert.

Weiterführendes zum Thema
» LTE Netzausbau in Deutschland
» Aktuelle Meldungen zu LTE und dem LTE-Ausbau
» LTE Verfügbarkeit in Deutschland

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