Long Term Evolution (LTE) bietet bekanntlich hervorragende Leistungseigenschaften zum Übertragen von Daten. Stationäre und mobile Internetzugänge stellen mit 50-300 MBit/s viele festnetzbasierte Breitbandzugänge in den Schatten. Doch wie steht es eigentlich um die Telefonie? Eignet sich LTE zum Telefonieren? Welche Einsatzmöglichkeiten bieten sich und wo gibt es noch Probleme? Diesen und weiteren Fragestellungen, wollen wir im Folgenden nachgehen.


Nachteile: Da sowohl Sprach- als auch Internetdienste über den LTE-Anschluss laufen, fallen bei Netzstörungen beide aus. Hier waren alte Festnetzlösungen, durch die Trennung von Telefon und Internet, im Vorteil.
In der Anfangszeit von 4G war die Nutzung von VOIP tatsächlich meist in den AGB ausgeschlossen. Mittlerweile haben Dt. Telekom und Vodafone den VOIP-Passus jedoch revidiert. Vodafones GigaCube unterstützt zwar offiziell keine Telefonie, dennoch lässt sich diese mit etwas Know How einrichten. Innerhalb der Telekom-AGB konnten wir keinen Ausschluss mehr entdecken. Und zwar weder bei Smartphone-, Daten-, oder Heim-Tarifen - also MagentaZuhause mit Hybrid. Gleiches gilt für O2, Vodafone und congstar.
Die Nutzung eines externen Telefonieanbieters via SIP, ist auch für LTE-Kunden problemlos möglich. Obgleich teils etwas umständlich und ggf. mit Zusatzkosten verbunden. Zum einen unterstützt die von den 4G-Anbietern mitgelieferte Hardware von Hause aus teilweise keine externen SIP-Anbieter. In diesem Fall es lassen sich bei den Geräten (z.B. VF GigaCube oder Speedbox) keine Zugangsdaten, wie die URL des SIP Servers hinterlegen. Oder es fehlen die nötigen Anschlüsse gänzlich.

Grafik: sipgate.de
a) Schließen Sie ein spezielles Netzwerk-Telefon (z.B. von Grandstream) an den LTE-Router via RJ45. Ihr bisheriges Telefon (RJ11) benötigen Sie dann nicht mehr.
b) Verbinden Sie einen zweiten Router (z.B. eine Fritz!Box) oder einen Netzwerk/TAE Adapter (z.B. von Grandstream) mit dem LTE-Router. Der zweite fungiert dann sozusagen als Telefonanlage und der erste nur für den Internetzugang.
c) Ersetzen Sie den bisherigen LTE-Router durch eine Fritz!Box aus der LTE-Reihe. Also eine FB 6820 6850 oder 6890. Hier können die Zugangsdaten und Serverangaben direkt hinterlegt werden.
d) Nutzen Sie den Computer mittels eines Headsets und Software als Telefon. Dabei werden die Zugangsdaten, Ports, Server usw. in der Software eingegeben.
e) Richten Sie per App (z.B. Zoiper) einen SIP-Account am Smartphone ein und verbinden sich per WLAN mit dem LTE-Router.
Und so gehen Sie vor: Melden Sie sich erst einmal bei einem SIP-Anbieter (z. B. Fonial) an. Von diesem erhalten Sie dann Ihre Telefonnummer, Passwort, URL des SIP/RTP-Servers, sowie alle genutzten Ports (meistens Port 5060 für SIP und 5004 für RTP). Die Ports können aber von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich sein. Die hier genannten dienen also nur als Beispiel.
Schließen Sie jetzt das Zusatzgerät (Netzwerktelefon, Adapter oder Router) am bisherigen LTE-Router an. Achten Sie bei diesen Geräten extra darauf, dass diese sich im selben Netzwerk befinden. Loggen Sie sich auf dem LTE-Router (und falls installiert, dem Zweit-Router) ein und überprüfen die Firewall. Falls notwendig, geben Sie die genannten Ports frei. Nun tragen wir in den Zusatzgeräten die Zugangsdaten und Server ein. Für detaillierte Einstellmöglichkeiten konsultieren Sie bitte das Handbuch. Exemplarisch haben wir das hier für Vodafones Gigacube und hier für congstar Homespot ausführlich erläutert.
Wie das Möglichkeiten-Schemata ganz oben zeigt, kommen am Smartphone zwei Optionen in Frage. Einmal Gespräche über VOIP-Apps wie Skype oder über den originären Mobilfunk-Telefonie-Netzdienst VoLTE. Die Abkürzung steht für Voice over LTE. Aber was steckt dahinter?



Prinzipiell können Smartphone-Nutzer mit LTE-Tarif (bzw. 5G) auch über diverse Apps mobil telefonieren wie etwa Zoiper. 4G und 5G eignen sich aufgrund der niedrigen Latenzzeiten und hohen Datenraten natürlich exzellent für VOIP.
Bei Nutzung von VOIP über Apps gibt es wiederum einige Aspekte, die bedacht werden sollten. Zum einen können die Mobilfunkprovider in den AGB die Nutzung von VOIP-Diensten provisorisch ausschließen. Die heutigen MagentaMobil-Tarife erlauben glücklicher Weise die Nutzung von VOIP uneingeschränkt. Bei Vodafones „Mobil“-Tarifen konnten wir auch keinen Passus entdecken. Selbst O2 hat scheinbar die Zügel gelockert. So heißt es in Verbindung mit den „O2 Mobile Angeboten: „Das Datenvolumen gilt nur für paketvermittelte nationale Datenverbindungen inklusive Voice over IP und Video over IP“. Bei allen anderen Anbietern (z.B. Prepaid), sollten Sie sich zuvor in den AGB genau informieren, falls der Einsatz von VOIP-Diensten geplant ist.
Der Zweite wichtige Aspekt betrifft das Transfervolumen. Videotelefonie verbraucht pro Minute natürlich deutlich mehr Datenvolumen, als reine VOIP-Telefonie. Da die meisten Smartphone-Tarife nur ein begrenztes Highspeed-Kontingent - z.B. 30 GB - bieten, sollte man diese mit Bedacht nutzen bzw. diesen Fakt im Hinterkopf behalten. Ausnahmen gibt es aber sehr wenige.
Es gibt noch eine weitere interessante Möglichkeit - eine Art Zwischending aus Mobilfunk und VOIP. VOIP-Spezialist Sipgate bietet mit seiner "Satellite App" SIM-Karten unabhängig eine Mobilfunknummer. Man benötigt weltweit nur eine Internetverbindung und kann am Handy telefonieren sowie angerufen werden unter der festen Mobilfunknummer. Mehr zum Angebot hier und in diesem Interview mit dem Anbieter.
Im EU-Ausland hat sich die Situation 2017 erheblich verbessert. Denn durch die europaweite Roamingverordnung, können die Tarife meist wie zuhause genutzt werden. Stichwort "roam like home". Also auch mit LTE und ohne Mehrkosten. Anders sieht das natürlich außerhalb der EU aus.
4G-Roaming ist weltweit heute fast überall gegeben. Bei den großen Netzprovidern Telekom, Vodafone und O2 geht das im Schnitt schon in 100 Ländern der Erde. In unserem Roaming-Spezial, finden Sie alle wichtigen Entwicklungen und Hintergrundinformationen zu diesem Thema. Unter anderem welcher Anbieter welche Länder abdeckt und was für Tarifoptionen dann nötig sind. Bei den Netzprovidern kommt zudem 5G per Roaming langsam an...
Vor Voice over LTE war die Sprachqualität bei Gesprächen übers Handy eigentlich nie sonderlich gut. Zwar gab es im Laufe der Jahre Verbesserungen, doch mit der „Originalstimme“ hatte das Klangbild beim Gesprächspartner meist nicht viel gemein. Verbesserung versprach damals erstmals das sogenannte "HD-Voice". Als Verfahren kam hier das sogenannte AMR-W zum Einsatz – eine Abkürzung für Adaptive Multi Rate Wideband. Neben verbesserten Kompressionstechniken, resultiert die verbesserte Klangleistung primär aus einer Erweiterung des übertragenen Frequenzspektrums.
2011 hat die Deutsche Telekom hierzulande erstmals „HD-Voice“ eingeführt, welches eine deutlich klarere Qualität ermöglichte. Vodafone zog im Sommer 2013 ebenfalls nach. LTE-Kunden profitierten von vornherein. E-Plus hingegen startete fast ein Jahr später, nämlich erst im März 2014. 4G war übrigens keine zwingende Voraussetzung, wohl aber eine Datenanbindung - mindestens mit UMTS. Zwei Hörbeispiele im Vergleich, finden Sie hier in der Newsmeldung zum HD-Voice-Start von Vodafone. Seit der Abschaltung von 3G, gehören aber VoLTE und Vo5G klar die Zukunft.
Ein paar Jahre nach der Markeinführung von 5G, dem schnelleren Nachfolger von LTE, wurde erstmals 2023 auch das sogenannte Vo5G eingeführt. Wie schon bei VoLTE, kann dann auch das 5G-Netz für Telefonate und nicht nur Daten eingesetzt werden. Dafür müssen aber der Provider die technischen Voraussetzungen bieten und das Smartphone kompatibel sein. Bis zu einer ähnlichen Marktdurchdringung wie heute im Fall von VoLTE, dürfte es daher noch mindestens bis 2028 dauern schätzen wir. Für die Kunden bedeutet Voice over 5G vor allem ein geringerer Akkuverbrauch und höhere Sprachqualität.