Datenautomatik

Was steckt dahinter und wie deaktiviert man das?


Einige Mobilfunkanbieter haben in ihren Tarifen eine sogenannte „Datenautomatik“ eingebaut. Was recht harmlos klingt, entpuppt sich aber bei genauer Betrachtung als Goldesel für die Betreiber. Kunden müssen meist aktiv wiedersprechen oder werden bei Mehrbedarf direkt und automatisch zur Kasse gebeten. Verkauft wird das Ganze dann als kundenfreundlicher „Service“.

Erfahren Sie hier, was sich genau hinter dem Prinzip der Datenautomatik verbirgt, welche Anbieter diese einsetzen, was das den Verbraucher kostet und für wen es ggf. nützen kann. Zudem zeigen wir die Besonderheiten der einzelnen Anbieter auf, und wie man die Automatik kündigen kann!

Was ist die Datenautomatik: Kostenfalle oder Service für Mobilfunkkunden?

Datenautomatik
Wer mit seinem Handy oder Tablet mobil ins Internet möchte, wählt ein Komplettpaket mit Highspeed-Internet, am besten mit LTE.

Bekanntlich ist aber das monatliche Daten-Volumen nicht unendlich, sondern tarifabhängig begrenzt. Zum Beispiel auf 6 Gigabyte pro Monat. Verbraucht der Mobilfunkkunde mehr, wird er normaler Weise bis zur nächsten Abrechnungsperiode in der Surfgeschwindigkeit stark gedrosselt, unabhängig von der sonst maximal möglichen Datenrate. Selbst der schnellste LTE-Tarif, ist dann nur noch um die 64 Kbit/s flott. Damit surft es sich zwar ziemlich langsam, Mehrkosten fallen aber nicht an. Wer sich der Geschwindigkeitsdrosselung nicht fügen will, hat zudem bei fast allen Anbietern die Möglichkeit zum Freizukaufen – und zwar durch die (einmalige) Buchung von Zusatzvolumen.

Tarife mit Datenautomatik hebeln nun dieses Prinzip aus und verlagern zunächst die Selbstbestimmung vom Kunden zum Provider. Denn wer in seinem Abrechnungszeitraum mehr Datenvolumen verbraucht, wird nicht mehr gedrosselt, sondern erhält automatisch ein kostenpflichtiges Zusatz-Kontingent. Und zwar solange, bis er diese Praktik aktiv widerruft. In einigen Fällen ist sogar eine Deaktivierung gar nicht möglich.

Wem die Kosten egal sind, für den kann die Datenautomatik durchaus attraktiv sein. Doch für die Mehrheit der Mobilfunkkunden, stellt diese eher ein Ärgernis dar und verursacht unter Umständen ungewollte erhebliche, monatlich Zusatzkosten.

Wer hat die Automatik schon?

In der Anfangsphase 2015, führten drei Anbieter innerhalb von nur 6 Monaten den Dienst ein. Vor allem O2 & Drillisch setzen bei zahlreichen, hauseigenen Discountmarken auf den "Service". Immer mehr Mobilfunkdiscounter bildeten seidem die Praxis zudem nach. Und jeder zeichnet sich durch einige Besonderheiten aus. Zudem zeigen wir, wie Sie die lästige Datenautomatik deaktivieren, falls dies vom Provider überhaupt möglich ist. Einige haben diese nämlich, wie schon angedeutet, fix im Vertrag verankert.

Fall 1: O2 Telefónica

Das erfreuliche zuerst: Mit der Einführung der O2-Free Tarife im Oktober 2016 beerdigte O2 nach über einem Jahr endlich das umstrittene Konzept der Datenautomatik. Zumindest für Neukunden dieser Tarif-Gruppe. Bestandskunden sind aber weiter betroffen, ebenso die Einsteiger-Tarife "Basic" und "Smart". Zudem setzen viele O2 Tochtermarken den Dienst weiter ein.

Statt bei den alten All-In Paketen in die Drossel zu fallen (32 KBit), bleibt die maximale Datenrate (225 MBit per LTE), dank Datenautomatik-Funktion, konstant. Es werden dafür aber 2 Euro pro „Snack“ mit 100 MB berechnet. O2 nennt die Vertragsoption tatsächlich verniedlichend „Daten-Snack“. Die Datensnacks á 100 MB werden maximal drei Mal pro Monat aufgebucht. All-in XL Kunden erhalten nach demselben Schema 500 MB für 3 Euro. Nutzer mit einem Premium-Tarif erhalten 750 MB für 5 Euro.

Und so deaktiviert man die Daten-Automatisierung bei O2: Der Widerspruch sollte per Kundenhotline erfolgen. Die dafür vorgesehene Festnetznummer lautet (089) 78 79 79 40 0. Übrigens hat der Konzern es Mitarbeitern der O2-Shops untersagt für Kunden die Datenautomatik zu deaktivieren. Wer also vorhat, dies auf diesem Weg zu erledigen, wird wohl leider enttäuscht werden.

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Fall 2: Vodafone

Mit der Umstellung auf die RED-Tarife im Oktober 2014, folgte als zweiter Anbieter Vodafone dem Beispiel und führte die Datenautomatik namens "SpeedGo" ein. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Verkauft wird die automatische Volumenbuchung hier als „Sorgenfreiheit“. Wer nicht mehr zahlen will, muss wiederum aktiv gegensteuern. Die Vodafone-Datenautomatik sieht eine Zubuchung von 100 MB zu je 2 Euro vor oder 3 x 250 MB für je 3 Euro. Dies erfolgt bei Bedarf höchstens 3 Mal monatlich.

Der Werdegang ist bei Vodafone jedoch etwas anders. Erreicht der Kunde 80 Prozent seines Kontingents, wird er per SMS informiert, dass zur Vermeidung der Drosselung auf 32 KBit/s bald ein solches Datenpaket freigeschaltet wird. Wiederspricht man dem nicht und verbraucht auch die restlichen 20 Prozent, gilt dies als „akzeptiert“ und wird auf der monatlichen Rechnung aufgeschlagen.

Speedgo deaktivieren: Widersprechen kann man kostenfrei per SMS als Antwort auf die Info-SMS. Simsen Sie dazu das Wort "Langsam" zurück. Dauerhaft lässt sich die Datenautomatik aber scheinbar noch nicht sperren. Einzelnen Usern ist dies wohl über die Hotline schon gelungen, aber offiziell scheint es hier leider keine Abhilfe zu geben. Die günstigen „Smart“- und Callya-Tarife unterliegen bisher übrigens nicht dem Speedgo-System.

Bei einigen Anbietern ist, wie angekündigt, die Datenautomatik sogar fester Bestandteil des Vertrages! Damit kann diese auch nicht abbestellt werden, wie sonst meist möglich. Hier ist somit äußerste Vorsicht angesagt.


3. Fall XY: Einige Tochtermarken ziehen nach

Bei den genannten Netzprovidern selbst macht der Trend nicht halt. Auch einige Discountmarken zogen nach. Besonders betroffen hier solche im O2-Netz - und die gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Als populärer Vertreter machte Smartmobil vor Jahren den Anfang und führte im April 2015 eine Datenautomatik ein. Glücklicher Weise wurde die zwangsweise Aktivierung 2018 abgeschafft und 2019 komplett auf die Datenautomatik verzichtet. Es gibt aber noch eine Menge anderer Vertreter mit aktivierter Automatik. Als Beispiele seien hier WinSIM, maxxim, Siplytel, sim.de genannt.

Anbieter ohne Datenautomatik

Anbieter ohne Datenautoamtik finden
Erfreulicher Weise scheint das Konzept langsam auf dem Rückzug zu sein. Spätestens seitdem O2 (also praktisch einer der der "Erfinder") die "O2 Free" Pakete einführte, rückt die Datenautomatik zunehmend in den Hintergrund. Vornehmlich diverse Billig-Töchter im O2-Netz setzten weiter auf das Konzept. Wie lange noch ist fraglich.

Auch 1&1 wirbt mit seinen Allnetflats explizit mit dem Label "ohne Datenautomatik". Die Telekom verzichtet bei MagentaMobil seit jeher auf das "Feature". Gleichwohl lassen sich aber wie gewohnt bei Bedarf Kontingente erweitern oder Datensnacks kaufen. Die Tochter congstar macht ebenso einen Bogen um die Kundengängelung.

Da es aber dutzende Mobilfunkmarken in Deutschland gilt, kann man prinzipiell die Situation so zusammenfassen: Die meisten Dritt-Anbieter im O2-Netz setzten noch die Datenautomatik ein. Im Vodafone- und Telekom-Netz haben die Kunden meist die Wahl und können selbst auf Wunsch Datenoptionen kaufen. Mehr dazu auch im nächsten Abschnitt.

»» direkt zu einem der Anbieter ohne Datenautomatik:

Telekom MagentaMobil, congstar, 1und1 und O2 Free


Wem nutzt die Auto-Funktion und wer sollte diese abbestellen?

Nutznießer sind in erster Linie alle, die ihren Daten-Tarif so gewählt haben, dass eine Überschreitung nur selten eintritt. Zudem für Verbraucher, welche dann keinesfalls im Schneckentempo weitersurfen möchten und nicht selbst Volumen nachbuchen wollen. Wer sich hier wieder erkennt, kann die Option getrost aktiviert lassen, denn in diesem Szenario ist die Datenautomatik tatsächlich eher nützlich.

Die Mehrzahl der Kunden wird allerdings nur ungern Kosten über der Grundgebühr fürs Surfen in Kauf nehmen wollen. Zumal wer 2000, 5000 oder sogar 10000 MB monatlich gewohnt ist, mit beispielsweise 100 MB für 2 Euro auch nicht sehr weit kommen dürfte. Wir empfehlen die Abschaltung besonders dann, wenn man kein Problem damit hat, die Drosselung bis Monatsende auszusitzen und wenn die Verbräuche sehr stark schwanken.

Im Einzelfall sollte jeder, der öfters die „Automatik-SMS“ bekommt, über ein Tarif-Upgrade nachdenken. Bestandskunden der alten All-In Tarife von O2 raten wir dann zum Upgrade auf "O2 Free" für 5 € monatlich. Dank der fairen Drossel auf 1 Mbit, verliert zumindest die Drossel etwas ihren Schreck, wie wir hier im Testbericht zeigten.

Datenautomatik rechtlich umstritten

Verbraucherschützer haben sich zeitnah gegen die Praxis bei O2 und Vodafone gestellt und geklagt. Anfang 2017 entschied das Landgericht Düsseldorf, dass Vodafone künftig keine Vertragsklauseln mehr nutzen darf, wonach kostenpflichtige Datensnacks ohne Einwilligung des Kunden geschaltet werden. Bis dato stimmten Kunden "automatisch" dem Upgrade nach Volumenverbrauch zu.

Diskussion: Ihre Meinung zum Thema

Sie finden die Datenautomatik gut? Oder ist es reine Abzocke? Wir laden alle in unser Forum zur Debatte über dies und andere Themen ein.




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