LTE Flatrates - wirklich "unbegrenzt surfen"?

Ratgeber für schnelles Internet per 4G bzw. 5G


LTE (4G) trägt der Entwicklung Rechnung, dass der Bedarf an Bandbreite in mobilen Netzen stetig zunimmt. Für immer mehr Nutzer ist das Internet nicht nur zu Hause am PC ein wichtiger Begleiter. Auch unterwegs soll der Zugriff mit Highspeed erfolgen. Darüber hinaus erfüllen LTE und 5G noch die wichtige Aufgabe, unterversorgte Regionen auf dem Land mit schnellem Internet zu versorgen - praktisch als Ersatz für DSL oder VDSL.

Jahrelang verhinderten teure und langsame Tarife den Durchbruch in Deutschland. Mobile Surfflatrates versprechen heute unbeschränkten Zugriff auf das Internet. Zeit- bzw. Volumentarife sind nicht mehr zeitgemäß. Oder? Halten die euphorischen Werbeslogans wirklich das, was sie versprechen? Gibt es "echte" LTE-Flatrates schon oder rücken diese endlich in greifbare Nähe? Alles zum Status Quo und den Hintergründen ...


Mobiles Internet bleibt vorerst (überwiegend) „gedeckelt“

Surfen mit 4G per Flat?
Bislang haben (fast) alle Angebote am Markt eines gemein: Es handelt sich zwar im weiteren Sinne um Flatrates, allerdings mit eingebautem Handicap. Um dies zu verstehen, bietet sich an ein Beispiel aus der Praxis zu bemühen. Nehmen wir den Tarif „GigaCube von Vodafone“. Dieser verspricht eine LTE-Flatrate für daheim oder unterwegs mit maximal 500 MBit/s Downloadleistung.

Die volle Geschwindigkeit wird seitens der Anbieter allerdings nur bis zum Erreichen eines bestimmten Datenvolumens (je Monat) bereitgestellt. In unserem Beispiel sind es aktuell 50-500 Gigabyte (GB) monatlich.

Überschreitet ein Kunde vor dem Tag des Abrechnungsmonats (bei Telekom gilt der Kalendermonat) dieses Limit, wird die Geschwindigkeit heruntergedrosselt. Im genannten Beispiel auf 32 KBit/s. Das ist langsamer als frühere ISDN-Anschlüsse! Bei Smartphone-Tarifen wird ähnlich stark auf die Bremse getreten. Hier bleiben nach der Drossel auf nur 32-64 KBit übrig - das ist quälend langsam! Es gibt aber mittlerweile erste kleine Ausnahmen, wie wir einige Abschnitte weiter unten zeigen werden...



Ist der Begriff "Flatrate" dann nicht irreführend?

Jain. Flatrate bedeutet ja per Definition, dass man unbegrenzt einen Daten- oder Sprachdienst nutzen kann, ohne mehr als den vereinbarten Betrag zu zahlen. Dies ist trotz Drosselung bei praktisch allen LTE-Tarifen der Fall, sofern keine Datenautomatik aktiviert ist. Im Effekt wird "nur" ab einem vertraglich vereinbarten Volumen (bis 500 GB im oberen Beispiel) die Geschwindigkeit reduziert. Im Gegensatz dazu würde ein Volumentarif bedeuten, dass ab einem Datenverbrauch von XY Gigabyte dem Kunden Mehrkosten entstehen. Auch mit Drosselung sind daher, strenggenommen, alle LTE-Tarife dennoch Flatrates. Einige Verbraucher beklagen in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Provider auf diesen Umstand in Ihrer Werbung bisher unzureichend hinweisen. Auch die Verbraucherzentralen haben in dieser Hinsicht die meisten Beschwerden zu verzeichnen, wenn es um das Thema LTE & 5G geht. Zumindest konnten wir dies in einer Befragung vor einigen Jahren ermitteln.


Hybrid: Der innovative Zwischenweg ohne Drossel

Seit März 2015 bietet die Telekom eine interessante Technik, welche (V)DSL mit LTE bündelt und ganz ohne Volumenbegrenzung auskommt. Verbraucher im ländlichen Raum konnten hierrüber erstmals Highspeed-Internet (theoretisch bis 100 MBit) mit einer echten Flatrate erhalten. Selbst dann, wenn der DSL-Zugang vor Ort maximal 1 MBit schafft. Dabei teilen sich Festnetz und Mobilfunk sozusagen die Arbeit. Angeboten wird das ganze über "MagentaZuhause mit Hybrid-Option". Alles zu den Preisen und Voraussetzungen, haben wir für Sie hier übersichtlich zusammengestellt.

Hybrid: Flatrate ohne Drossel

Erste echte(!) Flatrates für Mobilfunkkunden

Erstmals zur IFA 2016 überraschte die Deutsche Telekom mit einem Mobilfunktarif der keinerlei Datenlimit aufweist! Die erste Variante kostete allesding satte 200 € monatlich. Mittlerweile gibt es aber preiswertere Alternativen zum drosselfrei surfen. Variante 1 führt über einen Smartphone Premium-Tarif, der eine echte Fullflat bietet. Variante 2 ist aber für die Allgemeinheit sicher weit interessanter, da diese nur 5.95 € kostet - zumindest je Buchungstag. Über die sogenannte "Dayflat" ist man einen Tag vollkommen losgelöst von jeder Volumenbegrenzung und kann beliebig Filme downloaden oder Uploads durchführen. Voraussetzung ist nur ein MagentaMobil- oder Mobil-Data Tarif. Darüber hinaus bietet der Konzern eine Art Multimedia-Flat namens Stream ON. Mit dem passenden Smartphone-Tarif, lässt sich unterwegs unendlich viel Youtube schauen oder Musik streamen. Stream on gilt nur für ausgesuchte Dienste - aber die Auswahl wächst immer mehr! Bei Vodafone heißt das Konzept "Pass".

Drosselfreie Tarife und Angebote sind mittlerweile noch von Vodafone und O2 verfügbar. Alle Infos finden Sie dazu hier in unserem Unlimited Spezial.

Update Oktober 2020: echte LTE-Flatrate für den Heimbereich

Im Herbst 2020 überraschte O2 mit neuen Heim-Tarifen namens "O2 my Home". Diese umfassen auch für den Einsatz daheim keinerlei Volumenbegrenzung - anders als bei den Hybrid-Angeboten der Telekom, kommt hier auch ausschließlich 4G oder 5G zum Einsatz. Zudem gibts eine Festnetzflat. Bleibt abzuwarten, ob andere Provider diesem Beispiel folgend werden.


Unlimited-Flat ohne Limit von der Dt. Telekom

Wozu die Drosselung?

Wäre es nicht viel entspannter als Mobilfunkkunde nicht darauf achten zu müssen, wie viel man im Internet herunterlädt? Oder stets zu hadern, ob der Youtube-Clip jetzt wirklich sein muss? Die meisten Kunden stören sich daher verständlicher Weise an dieser Praxis. Bei kabelgebundenen Internetzugängen, per DSL oder VDSL, sind unlimitierte Flatrates schließlich schon lange Gang und Gebe. Doch es gibt einige handfeste Argumente für diese Praxis - zumindest aus Providersicht.


Was sagen die Mobilfunkprovider?

Die Mobilfunkanbieter rechtfertigen die Drosselung von mobilen Internettarifen zusätzlich damit, dass es sich bei den Netzen um eine „Shared“ Technologie handelt. Es bedeutet, dass alle Nutzer in einem Radius X sich die Leistungsfähigkeit der LTE- bzw. 5G-Zelle teilen müssen. Beanspruchen einzelne Kunden die Verbindung zu stark, bleibt kaum noch etwas für die anderen übrig. Das Argument ist sogar richtig! Aber: LTE und 5G wird in erster Instanz ja auch als DSL-Ersatz im ländlichen Raum eingesetzt. Wer den Anschluss beruflich nutzt oder gerne Serien streamt, kommt monatlich schnell auf 100-300 GB. Im Zeitalter von Youtube, Netflix und Facetime muss man sich mit wenigen GB im Monat dann doch sehr in Disziplin üben...

Diskussion auf der Cebit | Bild: lte-anbieter.info


Bereits auf der Cebit 2011 haben wir Managern der großen LTE-Anbieter und Vertreter der Politik dazu befragt. Erfahren Sie in dem Beitrag, wie diese die Drosselungspraktik begründen. Im Prinzip hat sich im Kern an den Begründungen auch über 10 Jahre später nichts geändert.


Fazit: Die Begrenzung seitens der Mobilfunkprovider ist verständlich. Aber die Volumengrenzen sollten früher oder später weiter deutlich angehoben werden. Wenn man schon superschnelles Internet via LTE/5G hat, möchte man es wenigstens auch ein bisschen auskosten. 50-100 Gigabyte wären für die meisten Nutzer völlig ausreichend und sicher auch für die Netzbetreiber akzeptabel. Zumindest am Smartphone oder Tablet. Meist kosten solche Tarife aber noch ziemlich viel Geld (Vergleich). Für Heimlösungen als DSL-Alternative kommt eigentlich nur unlimited bzw. > 300 GB in Frage.


Tipps zur „Schonung“ des Datenvolumens

Aufgrund der Volumenbegrenzung, lohnen sich also für jeden LTE-Nutzer zwei Dinge. Erstens Datenvolumen sparen und zweitens, den „Verbrauch“ im Auge zu behalten. Dann wissen Sie immer um den aktuellen Stand. Vielleicht lohnt es sich zum Monatsende, wenn genug übrig ist, nochmal ein paar große Downloads zu tätigen. Der folgende Guide für Heimnutzer zeigt, wie Sie ohne großen Verzicht Daten "sparen" können und Ihr Volumen überwachen. Für Smartphone-User stehen zahlreiche Apps für diese Aufgabe bereit...


"Freikaufen" aus der Drosselung

Bei fast allen Anbietern kann man sich übrigens aus der Drosselung für einen Betrag (z.B. 5 €) freikaufen bzw. mehr Volumen nachbuchen. Bei der Dt. Telekom sind das z.B. die sogenannten "Speedon"-Optionen. So hat man, auch wenn es teils recht teuer ist, die Zügel zumindest selbst in der Hand. Dieses Mittel steht bei der Telekom übrigens allen Kunden offen. Also sowohl bei den Zuhause-Tarifen (MagentaZuhause via Funk), am Smartphone oder Surf-Stick (MagentaMobil). Mittbewerber Vodafone bietet die Option ebenfalls gegen Entgelt. Per "Speedbucket" lassen sich verschiedene Kontingente. Etwas überhöhte Preise finden wir, da sollte Vodafone nachbessern. Alle Möglichkeiten und Preise zum Freikaufen aus der Drossel gibts hier in dieser Übersicht.

Ein weiteres tarifpolitisches Instrument ist die sogenannte Datenautomatik bei Smartphone-Paketen. Heute ist dieses Feature besonders im O2-Tarifuniversum weit verbreitet. Dabei wird automatisch ein Speedbucked gekauft, wenn der Kunde sein Volumen aufgebraucht hat. Je nach Provider unterscheiden sich die Kosten und Bedingungen ziemlich stark. Unser Ratgeber zur Datenautomatik gibt Aufschluss darüber was das kostet und vor allem, wie man diese bei Bedarf deaktiviert!


Für wen eignet sich eine LTE-Flat?

per Flat surfen
In erster Linie für alle im Einzugsbereich von sogenannten „weißen Flecken“. Also jenen Regionen, die noch nicht mit DSL oder alternativen Breitbandtechniken erschlossen sind. Angebote erreichen mittlerweile einen Großteil der Landbevölkerung. Interessenten können hier die Tarife vergleichen.


Die Paradedisziplin für LTE/5G ist jedoch mobiles surfen. Turboschnell mit dem Smartphone oder Laptop ins Web. Von überall! So bieten z.B. die Dt. Telekom (klick) und Vodafone (klick) und O2 von auch spezielle mobile LTE-Tarife z.B. fürs Tablet. Die Preise haben sich in den letzten Jahren zudem deutlich gesenkt und auch das Inklusivvolumen wächst weiter. Je nach Tarif, können am Smartphone ca. 1 - 60 GB pro Monat mit Highspeed genutzt werden. In Einzelfällen sogar unlimitiert. Hier gehts zum Vergleich der Datentarife.


Unbegrenzte Flatrates im Ausland teils schon lange zuvor gängig

Dass drosselfreie Tarife durchaus praktikabel sind, zeigte z.B. der österreichische Mobilfunkprovider "Drei" sehr früh. Wie eine Untersuchung von uns im Jahr 2018 zeigte, waren Unlimited-Flats damals bereits im europäischen Ausland eher Standard als Ausnahme.

Turbo ON: LTE-Flatrates mit 500 MBit/s

Rein theoretisch bietet LTE die Möglichkeit für mobile Flatrates mit bis zu 500 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload. Möglich macht dies die Weiterentwicklung "LTE-Advanced (Pro)". Wir nennen LTE daher auch gerne „dass VDSL der Lüfte“. Der Nachfolger 5G steigert die mögliche Datenrate sogar nochmals deutlich auf über 1 GBit/s. Wir berichten regelmäßig über neue Angebote für mobile Flats oder aktuelle Sonderaktionen und empfehlen daher unseren kostenlosen Newsfeed per RSS! So bleiben Sie jederzeit auf dem Laufenden.




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