„Der LTE-Ausbau wird durch die Regulierungsbehörde verlangsamt!“

Interview mit Marc Thylmann, BITKOM Pressesprecher


28.11.2012; Leipzig

Marc Thylmann, BITKOM
LTE scheint im deutschen Markt angekommen zu sein. Doch immer noch klemmt es an verschiedenen Stellen, sei es bei der Installation und Genehmigung der LTE-Masten oder auch am Angebot mobiler Endgeräte. Warum das so ist und an welchen Stellschrauben gedreht werden müsste, um dem „Turbointernet“ zum „Turbodurchbruch“ zu verhelfen, verrät uns Experte Marc Thylmann im LTE-Anbieter.info-Exklusivinterview.

LTE-Anbieter.info: Zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit nehmen. Zur Sache: Laut einer von Ihnen veröffentlichten aktuellen Studie, soll die Nutzung mobiler Datendienste in diesem Jahr um bis zu 13 Prozent zulegen. Welche Rolle spielt LTE dabei?

M. Thylmann: Die Rolle wird leider nicht so groß sein, wie sie sein könnte. Der LTE-Ausbau wird derzeit durch die Regulierungsbehörde leider verlangsamt, man kommt dort mit der Genehmigung der vielen LTE-Masten nicht nach.


LTE-Anbieter.info: Wie sehen Sie Deutschland in Sachen LTE im internationalen Vergleich aufgestellt?

M. Thylmann: Deutschland profitiert davon, dass LTE hierzulande bereits Ende 2010 kommerziell gestartet ist, und nicht erst 2012 wie in den vergleichbaren großen westeuropäischen Ländern. Die Politik hat den Weg für die Nutzung der Frequenzen aus der sogenannten Digitalen Dividende frühzeitig frei gemacht. Diese Frequenzen sind durch die Digitalisierung des terrestrischen Rundfunks nutzbar geworden. Doch nun besteht die Gefahr, dass es aufgrund von Personalmangel in der Bundesnetzagentur für längere Zeit zu erheblichen Verzögerungen kommen kann.

LTE-Anbieter.info: Sehen Sie den LTE-Ausbau im Plan oder könnte man schon weiter sein?

M. Thylmann: Die Bundesnetzagentur hat bereits für alle 16 Bundesländern eine flächendeckende Breitbandgrundversorgung mit LTE festgestellt, Brandenburg reihte sich am 26.11.2012 als letztes Bundesland ein [Anmerkung der Redaktion, wir berichteten]. Der Ausbau in den Ballungszentren wird durch Personalmangel in der zuständigen Behörde gebremst. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 6 Wochen, dauert die Bearbeitung nach unseren Schätzungen derzeit durchschnittlich 22 Wochen. Laut Bundesnetzagentur wird der Antragsstau frühestens im Herbst 2013 abgebaut sein.


LTE-Anbieter.info: In vielen Staaten – gerade den USA – ist man mit dem LTE-Ausbau schon entscheidende Schritte weiter. Sind die Deutschen Nutzer zögerlicher, wenn es um neue Mobilfunktechnologien geht?

M. Thylmann: Wie gesagt: Wir sind beim LTE-Ausbau sehr früh gestartet, dank der Politik und der investierenden Unternehmen. Die Nachfrage der Kunden ist auch da, die aktuelle Verlangsamung beim Ausbau liegt eher an der Personalsituation in der Genehmigungsbehörde.


LTE-Anbieter.info: Wird die Politik zum Hemmschuh des LTE-Ausbaus oder sind es die Unternehmen, die den Politikern den „Schwarzen Peter“ zuschieben?

M. Thylmann: Die versteigerten Frequenzen waren mit klaren Auflagen der Politik verbunden: Zuerst sollten die ländlichen Gebiete mit LTE versorgt werden, erst dann die Ballungszentren. Diesen Ansatz ist durchaus sinnvoll. Fest steht: Die TK-Unternehmen haben geliefert, sie haben bereits hohe Summen in den Ausbau investiert. Bis 2015 werden Investitionen in Höhe von acht bis zehn Milliarden Euro in den LTE-Ausbau fließen.


LTE-Anbieter.info: Bisher gibt es nur eine überschaubare Anzahl von mobilen LTE-Geräten auf dem Markt. Wann platzt der Knoten?

M. Thylmann: Vor Weihnachten kommen einige LTE-fähige Handys, Tablets und Notebooks auf den Markt. Den echten Durchbruch wird es aber eher 2013 geben.


LTE-Anbieter.info: Auf dem Land kommt man oft nur per LTE weg von langsamen Modem- oder ISDN-Verbindungen. Viele Nutzer monieren allerdings die Volumenbeschränkung, die beliebte Anwendungen wie Videostreaming nur sehr eingeschränkt ermöglicht. Eine Beschränkung mit der die Nutzer leben müssen?

M. Thylmann: LTE ist nun mal ein so genanntes Shared Medium. Sprich: Die Nutzer in einer Funkzelle teilen sich deren Leistung. Gegen dieses physikalische Gesetz kommt man nicht an. Um allen Nutzern in einer Funkzelle ein gutes Surferlebnis bieten zu können, weisen die aktuellen Tarife daher Volumenbeschränkungen auf. Allerdings liegen diese häufig im zweistelligen Gigabyte-Bereich, was auch sehr bandbreitenintensive Dienste ermöglicht.


LTE-Anbieter.info: Ist Breitbandinternet via Satellit eine echte Alternative?

M. Thylmann: Lange Zeit war die Lösung per Satellit sehr teuer. Die Preise sinken jedoch stark. Damit kann Satellit zu einer Alternative werden.


LTE-Anbieter.info: Wird LTE die Vorgängertechnologie UMTS in absehbarer Zeit verdrängen?

M. Thylmann: Die Netzbetreiber sind nach der Versteigerung der LTE-Frequenzen derzeit dabei, sämtliche Mobilfunkstationen auf den LTE-Standard aufzurüsten. Zudem laufen die Entwicklungen an der Nachfolgegeneration LTE-Advanced bereits auf Hochtouren. Dennoch wird die Umrüstung aller Masten noch einige Jahre dauern. Nach einer Studie des European Information Technology Observatory (EITO)* wird es 2016 in Deutschland voraussichtlich 34 Millionen LTE-Nutzer geben. UMTS wird uns also trotz des LTE-Booms erhalten bleiben.


LTE-Anbieter.info: Vielen Dank Herr Thylmann für das aufschlußreiche Interview.

Portraitbild: Marc Thylmann - © Marc Thylmann, BITKOM
* Studie ist hier abrufbar.


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