September 2022: Bereits Mitte 2019 startete der bekannte VOIP-Anbieter „sipgate“ einen innovativen Dienst namens „Satellite“. Wer viel auf Reisen ist, landet während seiner Recherche wohl unweigerlich genau bei diesem Angebot. So auch der Autor dieses Artikels von der LTE-Anbieter.info Redaktion. Im Sommer 2022 konnte ich, nach der langen Coronapause, endlich das Angebot im Urlaub ausführlich selbst testen. Zudem gibt’s alle wichtigen Hintergrundinformationen und einige kleine Test-Samples zur Sprachqualität.

Nun möge man meinen, VOIP-Apps gäbe es wirklich schon genug, Doch sipgate geht mit „Satellite“ noch einen entscheidenden Schritt weiter! Neu ist hier vor allem, dass man eine feste, eigene deutsche (Mobilfunk-)Telefonnummer bekommt, ganz ohne SIM-Karte.
Mobilfunknummer und Handyvertrag werden sozusagen „entkoppelt“. Normaler Weise kommen mobiles Internet und Telefonie ja von einem Anbieter, wie z.B. Vodafone. Nicht so hier: Der Telefonanbieter, also Sipgate, stellt ausschließlich die Nummer (und Zusatzdienste wie Anrufbeantworter). Die dafür nötige Datenverbindung kann von jeder beliebigen Quelle kommen. Sei es über eine Touristen Daten-SIM in Japan oder WLAN von McDonalds in der Schweiz oder daheim.
Besonders für alle, die viel (weltweit) reisen, dürfte das Angebot extrem interessant sein. Auch innerhalb Europas, denn die meisten Prepaid-Karten und Vertragstarife umfassen per EU-Roaming z.B. nicht die Zwergstaaten Andorra und Monaco. Vor allem aber nicht die Schweiz! Selbst kurze Telefonate können so schon zu horrenden Kosten führen. Mit der Satellite-App hingegen braucht es nur WLAN vom Hotel, Campingplatz oder Café/Restaurant um die Ecke. Laut Anbieter, ist das dank Verschlüsselung auch absolut sicher.
Die populärsten VOIP-Dienste heißen wohl Skype und Zoiper. Aber auch über die beliebten Messanger Whatsapp und Telegram kann "gevoipt" werden, wahlweise mittels Videotelefonie.
Entscheidender Vorteil von Satellite ist, wie schon erwähnt, dass man eine eigene Handynummer (015678 - xxxxxx) bekommt. Selbst eine Rufnummer-Mitnahme ermöglicht Sipgate! Zudem ist das Angebot kostenlos nutzbar - sogar auf mehreren Geräten.
Laut den Machern soll sich „satellite genau wie die jeweilige Systemtelefonie anfühlen“. Um das zu gewähren, setzt man auf eine tiefe Systemintegration, z.B. durch „CallKit“ bei iOS. Der Nutzer soll ganz vertraut wie gewohnt telefonieren können. Der Akku wird im Gegensatz zu anderen Apps auch geschont, da diese nicht permanent im Vordergrund sein muss, sondern erst beim Anruf „geweckt“ wird.
Entscheidend auch: Der Gesprächspartner braucht NICHT unbedingt auch Satellite zu nutzen. Man kann Sie mit JEDEM Telefon von (fast) überall auf der Welt erreichen (siehe auch Punkt 4). Über Whatsapp z.B. sind Anrufe nur von App zu App möglich. Hat der Gesprächspartner kein Whatsapp, ist ein Anruft entsprechend nicht möglich.
Einziger Wermutstropfen um Satellite nutzen zu können – es muss eine halbwegs schnelle Datenverbindung anliegen, sonst funktionieren natürlich weder eingehende noch ausgehende Gespräche.
Vorteile von Satellite im Überblick
Das Basisangebot ist völlig kostenlos. Mit enthalten sind sogar stattliche 100 Freiminuten monatlich! Selbst die Bestellung kostet keinen Cent.
Neben dem kostenlosen Basisangebot, gibt es auch noch eine Bezahlvariante mit dem Zusatz „Business“. Hier kann ab 19.99 € monatlich ein Team mit bis zu 10 Mitgliedern und 100 Minuten pro Teammitglied unterhalten werden. Jeder erhält natürlich eine eigene Nummer + eine Teamrufnummer. Optional können auch unbegrenzte Minuten (Flat) zugebucht werden. Alles in allem also extrem fair finden wir! Bestellung und mehr Infos auf www.satellite.me

Zum Schluss erfolgt die Bitte zur Prüfung – denn an diese Adressdaten wird der Verifizierungs-Brief geschickt. Dieser sechsstellige Code muss dann in der App eingegeben werden, fertig! Nun benötigt diese nur noch diverse Berechtigungen, wie Microfonzugriff (klar) und man kann bereits mit telefonieren loslegen. Alles in allem extrem einfach also!
Auszug Screenshots zur Bestellung von Satellite
Übrigens: Bestellt wurde an einem Freitag und bereits am folgenden Dienstag lag der Brief im Kasten. Im Schnitt sollte es also keine 2-3 Werktage dauern.
Dazu führte ich mehrere Gespräche in Frankreich, Andorra, Spanien und der Schweiz. Teils über das Mobilfunknetz, teils per WLAN im Hotel oder auf dem Campingplatz. In der Schweiz und in Andorra wurde zudem eine Touristen SIM-Karte gekauft. Die kostet im Schnitt für 1 Monat um die 20 Euro. Im Fall der Schweiz (Swiss Telecom) sogar mit unlimited Datenvolumen und 5G-Zugang.

Das Wichtigste: Alle geführten Telefonate funktionierten in der Regel einwandfrei, wurden also weder unterbrochen noch abgebrochen. Nur 1-2 Mal konnte der Anruf selbst nicht aufgebaut werden. Beim nächsten Versuch klappte es dann aber.
Allerdings konnte man eine spürbare Schwankung hinsichtlich der Sprachqualität feststellen. Auch während des Telefonats, was am schon erwähnten dynamischen Opus-Codec liegen dürfte. Zwar gibt sipgate an, selbst mit langsamen (2G) EDGE noch telefonieren zu können. Doch meiner persönlichen Erfahrung nach, kann die Sprachqualität selbst bei einer schnellen LTE-Verbindung teils stark variieren, bis fast zur Unkenntlichkeit der Sprache. Durch Schwankungen der Auslastung im Mobilfunknetz, sinkt die Datenrate mitunter schnell in den Keller, selbst in Großstädten. Genauso passierte es einmal in der Schweiz (Basel) mit einer 5G-Mobilfunkverbindung(!), welche im Speedtest gut 100 MBit/s brachte. Über WLAN hingegen war die Qualität auch bei relativ langsamen Zugängen immer recht gut bis tadellos. Also z.B. in Hotels oder auf Campingplätzen.
Für gute Qualität empfehle ich daher mindestens LTE, am besten mit über 20 MBit/s. WLAN sollte auch in etwa 3-10 MBit/s oder darüber liefern für gute Ergebnisse. Eine allgemeingültige Aussage ist leider fast unmöglich, da gerade über Mobilfunk viele Faktoren die Stabilität und Übertragungsrate beeinflussen.
Mein Fazit also: Tendenziell war die Gesprächsführung über WLAN ein Tick besser, selbst bei relativ langsamen Anschlüssen.
Etwas ungewohnt ist übrigens der teils sehr lange Rufaufbau. Zumindest bei den Telefonaten im Ausland dauerte es teils um die 15 Sekunden bevor es „klingelte“ bzw. der Gesprächspartner direkt dran war. Das erscheint etwas ungewohnt, so dass man mitunter denken könnte die Verbindung kommt gar nicht zustande. Im Inland hingegen stoppten wir im Schnitt 2-3 Sekunden, also "normal".
Laut Anbieter beträgt der Volumenbedarf pro Stunde Telefonie ja zwischen 30 und 130 MB. Daher haben wir zumindest mal 1 Stunde Musik in einem Telefonat übertragen und das anfallende Volumen gemessen - das Ergebnis: 40 MB über LTE pro Stunde, also im unteren Bereich der Spanne.
Über LTE und 5G: Wurde die Datenverbindung am S20 mit Satellite über Mobilfunk realisiert, gab es erstaunlicher Weise subjektiv keine Qualitätsunterschiede zwischen 4G und 5G. Die Datenrate reicht in beiden Fällen natürlich vollkommen aus.
Über 2G: Schließlich zwangen wir das S20 noch auf 2G (EDGE) runter zu schalten. Zugegeben war ich skeptisch, dass es überhaupt klappt. Immerhin konnte man sein Gegenüber meist gut verstehen. Nur sobald im Sprachfluss Pausen gemacht wurden, war alles nur noch abgehackt und kaum verständlich. 2G ist also im Notfall möglich, aber in der Praxis kaum praktikabel.
In den Erfahrungsberichten zur Satellite-App, stehen immer wieder Berichte von Nutzern, bei denen der Anruf erst gar nicht zustande gekommen ist und abbricht. Den Effekt haben wir auch einige Male erlebt, aber vor allem im Ausland. In Deutschland passiert das eher selten, vor allem aber dann, wenn die Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung gerade nicht ganz optimal ist. Gerade beim Rufaufbau reagiert die App scheinbar noch etwas "sensibel". Da müsste sipgate sicher noch etwas dran arbeiten. Im Großen Ganzen hält sich das aber im Rahmen der üblichen Kinderkrankheiten bei VOIP.