Testbericht zum Unihertz Jelly Pro

Vollwertiges Smartphone in äußerst kompaktem Gehäuse


Heutzutage werden bereits Mobiltelefone mit 5,7 Zoll messendem Bildschirm zu den kompakteren Varianten gezählt. In der Hosentasche der Smartphone-Nutzer wird es deshalb langsam eng. Unihertz hält sich aus dem Wetteifern der Displaydiagonalen raus und setzt mit dem Jelly Pro auf ein handliches Produkt. Damit hebt sich das Startup-Unternehmen aus der Masse der Wettbewerber hervor und spricht eine Zielgruppe an, die drastisch unterversorgt ist. Wer nach einem Smartphone mit kleinem Bildschirm suchte, das dennoch über 4G und relativ aktuelle Hardware verfügt, hatte bislang Pech. Das mit Android 7.0 und LTE Cat. 4 ausgestattete Jelly Pro, füllt nun diese Lücke.

Der erste Eindruck und Verarbeitung

Unihertz finanzierte das Jelly und das besser ausgestattete Jelly Pro über eine Kickstarter-Kampagne. Beim Spendenziel gab sich der Konzern zurückhaltend und gab lediglich 30.000 US-Dollar an. Letztendlich nahm der Hersteller jedoch mehr als 1,25 Millionen US-Dollar ein, was bewies, dass solch ein Smartphone durchaus erwünscht ist. Die chinesische Firma stellte uns das Jelly Pro für einen umfassenden Testbericht zur Verfügung, wofür wir uns an dieser Stelle bedanken. Das Mobilgerät kommt in einer kleinen weißen Schachtel daher. Auf ein aufwändiges Design hat Unihertz verzichtet, lediglich das Herstellerlogo und der Produktname sind zu erspähen. Die Rückseite beherbergt einen Aufkleber mit den wichtigsten Spezifikationen.

In der Kartonage an sich, finden sich abseits des Jelly Pro nur zwei weitere Artikel. Ein Micro-USB-Kabel und eine Kurzanleitung stellen die einzigen Dreingaben dar. Weder ein Netzteil, noch ein Kopfhörer werden mitgeliefert. Das spiegelt allerdings auch die Vermarktungsstrategie des Unternehmens wieder, denn dieses Smartphone ist hauptsächlich für den Einsatz als kompaktes Zweitgerät gedacht. Sofern es als ein solches in Gebrauch genommen wird, befindet sich ohnehin ein USB-Netzteil im Haushalt.



„Das ist aber winzig“, war unser erster Gedanke, als wir das Jelly Pro in der Verpackung erblickten. Das Handy misst 92,4 mm in der Höhe, 43 mm in der Breite und 13 mm in der Tiefe. Zum Vergleich: Ein Galaxy S8 kommt auf Abmessungen von 148,9 x 68 x 8 mm. Menschen, die das Jelly Pro nicht kennen, würden es höchstwahrscheinlich für ein Spielzeug-Telefon halten. Doch das Produkt wirkt einmal in die Hand genommen mitnichten wie aus dem Kaugummiautomaten gezogen. Zwar besteht das Jelly Pro gänzlich aus Plastik, doch das Gehäuse macht einen stabilen Eindruck. Es gibt kein Knarzen, keine ungleichen Spaltmaße und der Akkudeckel sitzt fest.

Erstaunlich: Zumindest auf dem von uns getesteten weißen Modell, sind trotz Klavierlack-Optik kaum Fingerabdrücke zu erkennen. Um das 2,45 Zoll große Display des Unihertz-Smartphones gibt es einen ziemlich dicken Rahmen, vermutlich hätte man in einem schmaleren Gehäuse die notwendige Technik nicht verbauen können. Unter dem Bildschirm ist der runde Home-Button – inklusive kreisförmiger Benachrichtigungs-LED – verbaut. Daneben gibt es die Android-Bedienelemente „Zurück“ und „Multitasking“. Diese wurden leider nicht mit Symbolen ausgestattet, so dass der Anwender sich merken muss, welche Taste welche Aktion ausführt.





Auf der linken Seite des Telefons sind zwei Tasten verbaut, die für die Lautstärkeregelung zuständig sind. Auf der rechten Seite findet sich schließlich der Ein-/Ausschalter wieder. Entfernt man den Akkudeckel des Jelly Pro, kommen zwei Nano-SIM-Kartenschächte und ein microSD-Slot zum Vorschein.

Technik und Mobilfunk im Check

Kleines Smartphone, kleine Hardware. Dass es sich bei diesem Mobilgerät um kein Oberklassemodell handelt, sollte klar sein. Die verbaute Hardware ist allerdings gut auf das Handy abgestimmt. Angetrieben wird das Jelly Pro von einem MediaTek MT6737T, ein Chipsatz, der über vier Prozessorkerne mit bis zu 1,1 GHz Takt verfügt. Diese CPU ist genauso wie die GPU Mali-T720 MP2 der Einsteigerklasse zuzuordnen. Eines der Highlights des Mini-Handys ist der 4G-Funk, schließlich bewirbt Unihertz sein Produkt auch als „kleinstes LTE-Smartphone der Welt“.

Das LTE-Modem ist gemäß der Kategorie 4 konstruiert, was für den Anwender maximal 150 Mbit/s im Download und 50 Mbit/s im Upload bedeutet. Das Wi-Fi-Modul bietet seinerseits Dual-Band (2,4 GHz und 5 GHz) und wurde mit dem Standard 802.11 n umgesetzt. Weitere Kommunikationsmöglichkeiten stellen VoLTE, Bluetooth 4.1 und GPS dar. Ein UKW-Radio sorgt für die Musikbeschallung. Während die Hauptkamera des Jelly Pro mit 8 Megapixeln, Autofokus und LTE-Blitz noch akzeptabel anmutet, wirkt die 2-Megapixel-Selfie-Knipse etwas unterdimensioniert.

Bis vor kurzem bot Unihertz neben dem Pro-Modell auch eine Variante mit weniger Speicher an. Anstatt 16 GB Flash und 2 GB RAM kamen dort lediglich 8 GB Flash und 1 GB RAM zum Einsatz. Zu wenig – das bemerkte auch der China-Konzern und strich diese Ausgabe aus dem Sortiment. Beim Bildschirm des Handys hätten wir uns aber auch eine bessere Ausstattung gewünscht. Dass die Anzeige mit 2,45 Zoll klein ist, liegt am Konzept des Smartphones und stellt deshalb keinen Kritikpunkt dar. Mit HVGA (480 x 320 Pixel) anstatt der 432 x 320 Pixel hätte es aber zum einen eine etwas bessere Schärfe und zum anderen eine erhöhte Kompatibilität zu Apps gegeben.

Letztendlich liegt die Pixeldichte bei 219 ppi. Beim verwendeten Panel handelt es sich um eine schlichte TFT-LCD-Variante, es verbessert also weder eine IPS- noch eine AMOLED-Technik die Darstellung. Dementsprechend mangelt es etwas an Kontrast und satten Farben, die Blickwinkel sind allerdings für solch ein Display vergleichsweise stabil. Die Ablesbarkeit in der Sonne geht ebenfalls in Ordnung.

Mobilitätseigenschaften

In Deutschland ist seit kurzem das Gigabit-LTE durch Vodafone in ausgewählten Regionen heimisch. Die maximal im 4G-Netz erreichbare Bandbreite des Unihertz Jelly Pro, ist mit seinen 150 Mbit/s deutlich unter diesen 1 Gbit/s angesiedelt. Doch die LTE-Mobiltelefone bieten nicht nur Vorteile bei der Geschwindigkeit. Durch den Zugriff auf den Mobilfunk der vierten Generation, kann das Zwergen-Telefon von einer hohen Flächenabdeckung hierzulande profitieren. Des Weiteren können auch VoLTE-Anrufe über das Jelly Pro erfolgen. Dies sind Pluspunkte, auch wenn die Leistung des MediaTek-4G-Modems zu wünschen übrig lässt. Mehr als 11,5 Mbit/s konnten wir an unserem Standort nicht erreichen.



Die Performance des WLAN-Modems war zumindest bei der von uns getesteten 16-Mbit-DSL-Leitung und angeschlossener Fritz!Box 7312 in unserer Testumgebung ebenfalls überschaubar. Es konnte lediglich ein Höchstwert von 9,5 Mbit/s erzielt werden, selbst in unmittelbarer Nähe des Routers. Hingegen als positiv ist die Gesprächsqualität zu bezeichnen. Es gab bei den Telefonaten keine Verständigungsprobleme, sowohl die Übertragungsqualität, wie auch die Lautstärke, konnten überzeugen. Sollte sich das Gegenüber beschweren, dass er die Stimme zu leise vernimmt, muss das kleine Handy näher zum Mund geführt werden.

Akku im Check

Ein 950 mAh umfassender Akku lässt Zweifel aufkommen, ob das Jelly Pro mit einer Aufladung den Tag übersteht. Diesbezüglich können wir allerdings Entwarnung geben. Bedingt durch das kleine Display, die niedrige Auflösung und den wenig anspruchsvollen Prozessor, hält sich der Stromverbrauch des Winzlings im Rahmen. Wir erreichten eine Standby-Zeit von 18,5 Stunden. In dieser Zeitspanne war der Bildschirm des Telefons knapp zwei Stunden lang bei 90 Prozent Helligkeit eingeschaltet. Wir nutzten diverse Apps, die Kamera, das Internet und YouTube zum Video-Streaming. Sofern das Handy weniger gefordert wird, sind durchaus zwei bis drei Tage Standby drin.

Performance-Check: Was sagen die Benchmarks?

Das Quad-Core-SoC MediaTek MT6737T bäckt bei der Arbeitsgeschwindigkeit kleine Brötchen. Ein Wert von 24.424 Punkten im Benchmark AnTuTu zeugen von einer gemächlichen Performance. Die reine CPU-Power benotet der Geekbench 4.2 seinerseits mit 476 Punkten im Single- und 1.346 Punkten im Multi-Core-Test. Die Zeichen für anspruchsvolle Mobile-Games stehen zudem schlecht, da der 3DMark beim Ice Storm Unlimited lediglich 3.200 Zähler notiert. Ist der Chipsatz des Jelly Pro aber auch im Alltag zu schwach?

Benchmarks

Die Antwort lautet: nein. Erstaunlicherweise läuft das Smartphone im Homescreen, in Apps und selbst bei YouTube-Streaming flüssig. Ein halbes Dutzend Programme im Hintergrund machen dem Mini-Mobiltelefon auch nicht zu schaffen. Internetsitzungen bewerkstelligt das Handy problemlos, allerdings kann man aufgrund der niedrigen Auflösung nur die mobilen Webseiten vernünftig nutzen. Während 3D-Spiele auf diesem Smartphone kaum spielbar sind, funktionieren anspruchslose 2D-Games tadellos.

Test der Kamera beim Unihertz Jelly Pro – was sagt der Praxis-Bildertest?

Es gibt Einsteiger-Smartphones, bei denen beginnt bei der Auswertung nach der Motivjagd das große Rätselraten. Bei den Fotos der Jelly-Pro-Kamera finden Sie keinen Pixelmatsch vor. Die Hauptkamera liefert erstaunlich gute Bilder. Die Fokussierung ist zwar recht träge, doch wenn die Aufnahme dann im Kasten ist, überzeugen die Ergebnisse zum Großteil. Die 8-Megapixel-Optik mit Blende f/2.4 ist eine „Gut-Wetter-Kamera“. Sofern die Lichtverhältnisse stimmen, finden Hobby-Fotografen natürliche Farben und ausgeprägte Details vor. Lediglich die zu den Rändern hin abfallende Schärfe und die etwas aggressive Nachbearbeitung der Software fallen auf. Je klicken für das gesamte Bild...







Für gelegentliche Schnappschüsse taugt das Jelly Pro also, aber wie sieht es bei den Selfies aus? Nicht besonders gut. Die Ergebnisse gleichen eher Aquarellzeichnungen und es werden nur wenige Details eingefangen. Aufgrund des fehlenden Autofokus, ist das Scharfstellen zudem Glückssache. Für das Teilen über den Handy-Messenger mag die Frontkamera zur Not noch ausreichen, hochwertige Selbstporträts sind jedoch nicht möglich.



Android und Apps

Unihertz hat erfreulich wenig an der Standardoberfläche von Android 7.0 Nougat geändert. Das war eine gute Entscheidung, denn mit einem aufwändigen Homescreen wäre die Performance sicherlich in die Knie gegangen. Das Handy wurde des Weiteren auch nicht mit Apps zugemüllt, der 16 GB umfassende Speicher hat ab Werk noch ca. 10 GB frei. Ein Dateimanager, das Spiel Candy Crush Jelly, ein Soundrekorder, ein Pedometer und eine Anwendung für das verbaute UKW-Radio stellen die einzigen zusätzlich installierten Programme dar. Ansonsten findet sich der Google-Standard wieder, inklusive Play Store und Chrome.





Das Verwalten von zwei SIM-Karten funktioniert problemlos in den Einstellungen des Mobilgeräts. Ein etwas merkwürdiges Feature ist die Möglichkeit, On-Screen-Buttons für das Android-Betriebssystem einzublenden. Schließlich hat das Jelly Pro Hardware-Tasten unter dem Bildschirm.

Passender Tarif und reduzierter Gerätepreis

Leider hat sich bislang kein deutscher Netzbetreiber dazu entschlossen, dieses interessante Smartphone in seinem Sortiment aufzunehmen. Offiziell in Deutschland wird das Unihertz Jelly Pro aber dennoch angeboten. Der Hersteller vertreibt das kompakte Telefon hierzulande in seinem hauseigenen Shop sowie über Amazon. Angst um eine mangelhafte Unterstützung der hierzulande genutzten LTE-Bänder müssen Sie nicht haben. Das Jelly Pro ist zu allen wichtigen 4G-Frequenzen, inklusive 800 MHz, kompatibel. Der Preis des Smartphones beträgt 112,99 Euro. Im Unihertz-Shop stehen die Farben Blau, Schwarz und Weiß zur Verfügung. Amazon-Käufer müssen auf die blaue Ausführung verzichten. Eine Schutzhülle namens Jelly Case und das Jelly Armband sind als Zubehör erhältlich. Mit letzterem lässt sich das Gerät als Smartwatch umfunktionieren und am Handgelenk tragen.

Gründe für und gegen das Unihertz Jelly Pro


Pro:
Kontra:

Unser Test-Fazit zum Unihertz Jelly Pro

Anfangs mag man beim Anblick dieses zierlichen Mobiltelefons schmunzeln, doch nach rund einer Woche Alltagsnutzung sind wir überwiegend angetan – sowohl vom Handy an sich, wie auch vom dahinterstehenden Konzept. Das Jelly Pro eignet sich für Menschen, die ein kompaktes und mit 62 Gramm sehr leichtes Zweit-Smartphone suchen. Doch auch als Hauptgerät für Nutzer mit kleineren Händen und Kindern, kann das Telefon in Betracht gezogen werden. Jedenfalls, wenn Ihnen die Kommunikation an sich, also das Telefonieren, das Simsen und Messenger wie WhatsApp am wichtigsten ist. Internetseiten sind nur in der mobilen Ansicht vernünftig nutzbar, Fotos und Videos lassen sich zwar problemlos aufrufen, kommen aber auf dem kleinen Display nicht so gut zur Geltung.

Mit einer schärferen Darstellung, einer besseren Frontkamera und schnellerer Datenübertragung, wäre das Jelly Phone nochmals deutlich besser gewesen. Dies sind Ansätze, die man bei einem Nachfolger in Betracht ziehen kann. Und wir hoffen, dass ein solcher kommen wird. Denn in Zeiten der teils klobigen Konkurrenz ist es erfrischend, ein Handy vorzufinden, das sich in jeder noch so kleinen Hosentasche verstauen lässt.

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