Ratgeber Gigabit LTE

Wer bietet LTE mit mehr als 1000 MBit und was bringt das?


Trotz dass die LTE-Mobilfunktechnik bereits 8 Jahre alt ist, schreitet deren Entwicklung weiterhin mit enormen Tempo voran. Während in den Anfangsjahren 100 MBit die obere Messlatte markierten, können seit Ende 2017 Nutzer erstmals per Funk mit der zehnfachen Datenrate mobil surfen. Zumindest theoretisch! Unser Ratgeber zum Thema Gigabit LTE zeigt, was der Datenturbo für Vorteile bringt, wer davon profitiert und was man alles benötigt. Zudem geben wir einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.

Auf dem Weg zum Gigabit-Netz

Was versteht man eigentlich unter Gigabit LTE?

Den meisten wird „MBit“ als bekannte Maßeinheit für die Geschwindigkeit von Internetzugängen geläufig sein. DSL-Zugänge leisten z.B. bis zu 16 MBit/s, Kabel-Internet meist zwischen 16 und 1000 MBit/s. Das „/s“ steht dabei für „pro Sekunde“. Ein Breitbandanschluss mit 100 MBit/s, kann also maximal die Datenmenge von 100 MBit je Sekunde übertragen. Das entspricht 12,5 MB (Megabyte) je Sekunde. Ein hochauflösendes Bild moderner Smartphones belegt beispielsweise um die 10 MB. Pro Sekunde kann so ein Zugang daher reichlich ein solches Bild herunterladen. Gigabit hingegen markiert die nächste Gruppierung zur kürzeren Schreibweise – 1 GBit/s entspricht genau 1024 MBit/s. Verkürzt schreibt man aber in der Regel 1000 MBit/s oder eben 1 GBit/s. Wenn von „Gigabit LTE“ die Rede ist, meint dies demnach nichts anderes, als dass die Funktechnik eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von 1000 MBit oder mehr bewältigen kann.

Beispiel: So schnell ist ein 4G-Gigabit in der Theorie

Um sich eine vage Vorstellung von der Leistung machen zu können, hier ein paar kurze Beispiele. Rein rechnerisch, entspricht die Downloadrate von 1 GBit/s einem Datendurchsatz von 125 Megabyte pro Sekunde. Damit ließe sich also der Inhalt einer ganzen DVD in nur 37 Sek. downloaden. Auf eine DVD passen z.B. rund  450-500 Urlaubsfotos. Parallel könnten damit sogar, rein rechnerisch, 40 (!) Ultra-HD Streams von Netflix in bester Bildqualität laufen. Der Download von einem Programm mit 500 MB wäre in nur 4 Sekunden abgeschlossen. Ein schneller DSL-Anschluss benötigt jeweils mindestens 62 x mehr Zeit. Wie wir später noch zeigen werden, sind das allerdings Werte, welche in der Praxis so noch nicht oder extrem selten erreicht werden.



Tarife und Kosten für LTE > 1000 MBit

Zunächst das erfreuliche: Der Datenturbo kostet nichts extra! Alle drei Netzbetreiber, also O2, Vodafone und die Telekom, fahren seit einigen Jahren die sogenannte „LTE Max“-Direktive. Das bedeutet, der Kunde erhält immer die technisch maximal mögliche Datenübertragungsrate im eigenen LTE-Netz. Zumindest bei den Smartphone-Tarifen. Mehrkosten für schnellere LTE-Zugänge fallen hier zumindest nicht an. Wenn vor Ort die LTE-Basisstationen schon für Gigabit 4G hergerichtet worden und die Hardware des Kunden kompatibel ist, kann es losgehen! Was die Angebot im einzelnen Kosten, verrät hier unsere Tarifübersicht.

Voraussetzungen für Gigabit LTE

LTE ist nicht gleich LTE – in der Praxis gab es seit der Einführung mehrere Entwicklungsstufen. Fachleute unterteilen diese in Release und Gerätekategorien (CAT). Tarife mit 300 MBit können zum Beispiel nur mit Smartphones oder Routern genutzt werden, welche mindestens CAT6 unterstützen.

Für LTE im Gigabit-Bereich geht man sogar noch einen Schritt weiter und macht den enormen Entwicklungssprung mit dem Kürzel „4.5G“, statt nur „4G“, kenntlich. Sozusagen zur Markierung eines Zwischenschrittes hin zu dem LTE-Nachfolger 5G. Auch „LTE-Advanced Pro“ ist ein gängiger Termini. Sie als Endkunde müssen dagegen nur wissen, dass nicht jedes LTE-fähige Endgerät auch für Datenraten von >1000 MBit geeignet ist. Erst die neuesten Smartphone-Generationen in Deutschland beherrschen seit Ende 2017 auch den Gigabit-Turbo. Als erstes Smartphone führte Vodafone damals das Huawei Mate 10 Pro ein. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte darauf achten, dass mindestens die Gerätekategorie 12 (CAT12) unterstützt wird. Die meisten Hersteller machen zudem die Kompatibilität zu den einzelnen LTE-Standards extra kenntlich. Als weiteres populäres Beispiel sei das Samsung S9 genannt. Darüber hinaus finden Sie hier bei uns aktuelle Smartphone-Neuvorstellungen mit den relevanten Eckdaten.

Erster Gigabit Router

Im März 2018 konnten wir den weltweit ersten 4G-Gigabit Router überhaupt für Sie testen. Der Netgear Nighthawk M1 beherrscht LTE bis zu Kategorie 16 und somit auch 4x4 MIMO + 4fach Carrier Aggregation. Entsprechende Tarife und Verfügbarkeit vorausgesetzt, sind damit theoretisch Spitzengeschwindigkeiten bis 1000 MBit möglich.

Netgear Gigabit Router

Verfügbarkeit von Gigabit-Funk

Noch steckt die Gigabitgesellschaft in den Kinderschuhen. Sowohl per Glasfaser, als auch via Funk, sind erst wenige Regionen in Deutschland entsprechend aufgerüstet. In Hinblick auf LTE, gab  Vodafone im 3. Quartal 2017 den Startschuss. Zu Beginn kamen nur drei Städte (Düsseldorf, Berlin, Hamburg) in den Genuss der Zukunftstechnik. Seither werden Stück für Stück aber immer weitere Metropolen und Regionen mit der 4.5G Technik versorgt. Weitere Anbieter wie die Deutsche Telekom, dürften bald dem Beispiel folgen. Doch es wird noch etwas dauern, bis ausreichend Verbraucher versorgt sind. Ende 2018 hatten weltweit gerade einmal 22 Anbieter Gigabit LTE vermarktet.


Wie werden die hohen Datenraten erreicht?

Technisch betrachtet, wird der Speedturbo vor allem durch den Einsatz von Frequenzbündelungen erreicht, dem sogenannten Carrier Aggregation. Statt zwei Bandbereichen, können mit 4.5G drei oder mehr Frequenzbänder zusammengefasst werden. Zudem kommen modernere Codierungsverfahren, wie das 256QAM zum Einsatz und verbesserte Multiantennentechniken (MIMO). Das sind die drei Eckpfeiler bzw. Schlüsseltechniken für Gigabit 4G.

Sinn und Unsinn des Geschwindigkeitsrausches

Vor dem Hintergrund, dass die Mobilfunktarife meist volumenbasiert sind stellt sich die Frage, warum der ganze Hype um immer höhere Datenraten. Schließlich würden selbst 100 MBit völlig für einen Ultra-HD TV-Stream am Smartphone reichen. In der Tat profitieren Verbraucher nur bedingt von Geschwindigkeiten über 100 MBit im Mobilbereich, da es eigentlich noch keine Anwendungsbereiche gibt, welche nach mehr Power verlangen. Im Endeffekt resultieren dennoch einige positive Effekte durch die Umstellung auf modernere Verfahren. Denn so können die Mobilfunkprovider mit einem Funkmast mehr User je Zeiteinheit mit den benötigten Kapazitäten versorgen. Das bedeutet, die durchschnittliche Performance steigt.

Realität vs. Marketing: So schnell ist LTE im Schnitt wirklich

Wie wir schon andeuteten, haben die Zahlen auf dem Papier noch kaum was mit der Realität zu tun. Selbst wenn man in einer Stadt wohnt, welche schon mit gigabitfähigem LTE hochgerüstet wurde und ein passendes Smartphone sein eigen nennt – man wird kaum die 500 MBit Marke in der Praxis knacken. Selbst 300 MBit sind schon echte Glücksache. Das liegt z.B. daran, dass sich alle Nutzer in einer Funkzelle die Kapazitäten teilen müssen. Und in einer Großstadt wird man kaum allein in einer solchen sein.

Die Zeitschriften connect und Chip ermitteln im Netztest einmal jährlich in ganz Deutschland die durchschnittliche Datenrate je Provider. Aktuell kommen dabei kaum mehr als 50 MBit netto heraus. Vodafone und die Telekom teilen übrigens in den Sternchentexten diese Ergebnisse mit und verweisen darauf, dass z.B. die ausgelobten 500 oder 1000 MBit je technische Maximalwerte sind. Ebenso werden die durchschnittlich zu erwartenden Datenraten angegeben, welche aktuell bei allen Anbietern um die 50-60 MBit liegen. Ein vielfaches also unter dem technisch Machbaren!


Datenrate in der Praxis

Weiterführendes

» Wie schnell ist eigentlich LTE?

» Was erwartet uns mit 5G, dem LTE-Nachfolger?



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