Ratgeber Gigabit LTE

Wer bietet LTE mit mehr als 1000 MBit und was bringt das?


Trotz dass die LTE-Mobilfunktechnik bereits 12 Jahre alt ist, schreitet deren Entwicklung weiterhin voran. Während in den Anfangsjahren 100 MBit die obere Messlatte markierten, können seit Ende 2017 Nutzer erstmals per Funk mit der fünffachen Datenrate mobil surfen. Theoretisch sogar mit 1000 MBit/s! Unser Ratgeber zum Thema Gigabit LTE zeigt, was der Datenturbo für Vorteile bringt, wer davon profitiert und was man alles benötigt. Zudem geben wir einen kleinen Ausblick auf die Zukunft.

Auf dem Weg zum Gigabit-Netz

Was versteht man eigentlich unter Gigabit LTE?

Den meisten wird „MBit“ als bekannte Maßeinheit für die Geschwindigkeit von Internetzugängen geläufig sein. DSL-Zugänge leisten z.B. bis zu 16 MBit/s, Kabel-Internet aktuell zwischen 50 und 1000 MBit/s. Das „/s“ steht dabei für „pro Sekunde“. Ein Breitbandanschluss mit 100 MBit/s, kann also maximal die Datenmenge von 100 MBit je Sekunde übertragen. Das entspricht 12,5 MB (Megabyte) je Sekunde. Ein hochauflösendes Bild moderner Smartphones belegt beispielsweise um die 5 MB. Pro Sekunde kann so ein Zugang daher reichlich zwei solcher Bilder herunterladen. Gigabit hingegen markiert die nächste Gruppierung zur kürzeren Schreibweise – 1 GBit/s entspricht genau 1024 MBit/s. Verkürzt schreibt man aber in der Regel 1000 MBit/s oder eben 1 GBit/s. Wenn von „Gigabit LTE“ die Rede ist, meint dies demnach nichts anderes, als dass die Funktechnik eine Datenübertragungsgeschwindigkeit von 1000 MBit oder mehr bewältigen kann.

Beispiel: So schnell ist ein 4G-Gigabit in der Theorie

Um sich eine vage Vorstellung von der Leistung machen zu können, hier ein paar kurze Beispiele. Rein rechnerisch, entspricht die Downloadrate von 1 GBit/s einem Datendurchsatz von 125 Megabyte pro Sekunde. Damit ließe sich also der Inhalt einer ganzen DVD in nur 37 Sek. downloaden. Auf eine DVD passen z.B. rund 450-500 Urlaubsfotos. Parallel könnten damit sogar, rein rechnerisch, 40 (!) Ultra-HD Streams von Netflix in bester Bildqualität laufen. Der Download von einem Programm mit 500 MB wäre in nur 4 Sekunden abgeschlossen. Ein schneller DSL-Anschluss benötigt jeweils mindestens 62 x mehr Zeit. Wie wir später noch zeigen werden, sind das allerdings Werte, welche in der Praxis so noch nicht oder extrem selten erreicht werden.

Datenraten von 2G bis 4G im Vergleich

1000 MBit über 4G in der Praxis

Zumindest aus technischer Sicht bietet der LTE-Standard schon längst das Rüstzeug für Übertragungsraten von mehreren GBit/s. Wie wir gleich zeigen, ist von Seiten der Endkundenhardware und der Standardisierung alles bereit. Was fehlt wäre nur eine technische Aufrüstung der Netze auf Seiten der Mobilfunkanbieter. Das ist allerdings nicht absehbar.

Vodafone hat 2017 zwar Gigabit im eigenen LTE-Netz erprobt, aber bis heute nicht in der Praxis ausgerollt. Die maximale Datenrate beträgt weiterhin 500 MBit/s über LTE. Auch die Telekom und O2 bieten nicht mehr, im Gegenteil sogar weniger. Wahrscheinlich wird es auch dabeibleiben. Wie der folgende Screenshot auf einer Vodafone-Seite zeigt, spricht auch der Anbieter selbst eher von einer theoretischen Leistung...

Vodafone spricht von Gigabit eher theoretisch

Den Part des Gigabit-Versorgers übernimmt mittlerweile der Nachfolger 5G! Hier sind teils schon Datenraten von 1 GBit oder darüber auch mit Alltagsgeräten und Tarifen möglich. Mehr dazu später.


Tarife und Kosten für LTE >= 500 MBit

Vodafone bietet hingegen wenigstens bis zu 500 MBit über LTE. Bei der Telekom und O2 sind es 300 MBit. Zunächst das erfreuliche: Der Datenturbo kostet bei allen außer O2 nichts extra! Beide fahren seit einigen Jahren die sogenannte „LTE Max“-Direktive. Das bedeutet, der Kunde erhält immer die technisch maximal mögliche Datenübertragungsrate im eigenen LTE-Netz. Zumindest bei den Smartphone-Tarifen. Mehrkosten für schnellere Zugänge fallen hier nicht an. Wenn vor Ort die Basisstationen entsprechend hergerichtet wurde und die Hardware des Kunden kompatibel ist, kann es losgehen! Nur O2 differenziert bei seinen Tarifen weiter nach Volumen und Datenrate. Was die Angebote im einzelnen Kosten, verrät hier unsere Tarifübersicht.

Voraussetzungen für Gigabit LTE (theoretisch)

Zunächst muss man wissen: LTE ist nicht gleich LTE! In der Praxis gab es seit der Einführung mehrere Entwicklungsstufen. Fachleute unterteilen diese in Release und Gerätekategorien (CAT). Tarife mit 300 MBit können zum Beispiel nur mit Smartphones oder Routern genutzt werden, welche mindestens CAT6 unterstützen.

Für LTE im Gigabit-Bereich geht man sogar noch einen Schritt weiter und macht den enormen Entwicklungssprung mit dem Kürzel „4.5G“, statt nur „4G“, kenntlich. Sozusagen zur Markierung eines Zwischenschrittes hin zum LTE-Nachfolger 5G. Auch „LTE-Advanced Pro“ ist ein gängiger Termini. Sie als Endkunde müssen dagegen nur wissen, dass prinzipiell nicht jedes LTE-fähige Endgerät auch für Datenraten von >1000 MBit geeignet ist. Erst die neueren Smartphone-Generationen in Deutschland beherrschen seit 2018 auch den Gigabit-Turbo. Als erstes Smartphone führte Vodafone damals das Huawei Mate 10 Pro ein. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte darauf achten, dass mindestens die Gerätekategorie 12 (CAT12) unterstützt wird. Die meisten Hersteller machen zudem die Kompatibilität zu den einzelnen LTE-Standards extra kenntlich. Als weiteres populäres Beispiel sei das Samsung S20 genannt, welches sogar CA20 supported. Darüber hinaus finden Sie hier bei uns aktuelle Smartphone-Neuvorstellungen mit den relevanten Eckdaten.


Erster Gigabit Router

Im März 2018 konnten wir den weltweit ersten 4G-Gigabit Router überhaupt für Sie testen. Der Netgear Nighthawk M1 beherrscht LTE bis zu Kategorie 16 und somit auch 4x4 MIMO + 4fach Carrier Aggregation. Entsprechende Tarife und Verfügbarkeit vorausgesetzt, sind damit theoretisch Spitzengeschwindigkeiten bis 1000 MBit möglich.

Netgear Gigabit Router


Wie werden die hohen Datenraten (theoretisch) erreicht?

Technisch betrachtet, wird der Speedturbo vor allem durch den Einsatz von Frequenzbündelungen erreicht, dem sogenannten Carrier Aggregation. Statt zwei Bandbereichen, können mit 4.5G drei oder mehr Frequenzbänder zusammengefasst werden. Zudem kommen modernere Codierungsverfahren, wie das 256QAM zum Einsatz und verbesserte Multiantennentechniken (MIMO). Das sind die drei Eckpfeiler bzw. Schlüsseltechniken für Gigabit 4G.


Verfügbarkeit von Gigabit-Funk

In Hinblick auf LTE, gab Vodafone im 3. Quartal 2017 den Startschuss. Zu Beginn kamen nur drei Städte (Düsseldorf, Berlin, Hamburg) in den Genuss der Zukunftstechnik. Seither sollten Stück für Stück weitere Metropolen und Regionen mit der 4.5G Technik versorgt werden. Danach wurde es aber wieder still um die Gigabit-Ambitionen. Offensichtlich hat Vodafone das Projekt erstmal auf Eis gelegt und bleibt weiter bei 500 MBit im Zusammenhang mit "LTE Max".

Auch Ende 2021 warb keiner der Anbieter aktiv mit Gigabitdatenraten. Das hat sicher auch mit der Einführung von 5G zu tun. Denn mit derart schnellem 4G, gäbe es kein Anlass mehr zum Wechsel auf 5G. Daher nehmen wir an, dass die Provider LTE vorerst überwiegend bei bis zu 500 MBit halten werden...


>= 1000 MBit nur über 5G

Wer dennoch nicht unterwegs auf Gigabit-Speed verzichten will, muss auf 5G wechseln. Hier sind im Vodafone und Telekomnetz schon teils über 1000 MBit möglich, wenn auch meist nur in den Städten. Voraussetzung: Ein passender Tarif (Übersicht) und ein 5G-fähiges Endgerät. Die Abdeckung ist bereits recht gut und dürfte spätestens 2025 flächendeckend sein. So zumindest die Ziele der meisten Netzprovider.

Sinn und Unsinn des Geschwindigkeitsrausches

Vor dem Hintergrund, dass die Mobilfunktarife meist volumenbasiert sind stellt sich die Frage, warum der ganze Hype um immer höhere Datenraten. Schließlich würden selbst 100 MBit völlig für 2-3 Ultra-HD TV-Streams am Smartphone reichen. Wirklich Sinn macht natürlich nur einer - man schaut ja nicht gleichzeitig 3 Clips. In der Tat profitieren Verbraucher nur bedingt von Geschwindigkeiten über 100 MBit im Mobilbereich, da es eigentlich noch keine Anwendungsbereiche gibt, welche nach mehr Power verlangen. Im Endeffekt resultieren dennoch einige positive Effekte durch die Umstellung auf modernere Verfahren. Denn so können die Mobilfunkprovider mit einem Funkmast mehr User je Zeiteinheit mit den benötigten Kapazitäten versorgen. Das bedeutet, die durchschnittliche Performance steigt. Auch die Reaktionszeit sinkt und der Akkuverbrauch gleichermaßen.

Realität vs. Marketing: So schnell ist LTE im Schnitt wirklich

Wie wir schon andeuteten, haben die Zahlen auf dem Papier noch kaum was mit der Realität zu tun. Selbst wenn man in einer Stadt wohnt, welche schon mit gigabitfähigem LTE hochgerüstet wurde und ein passendes Smartphone sein Eigen nennt – man wird kaum die 300 MBit Marke in der Praxis knacken. Selbst 200 MBit sind schon echte Glücksache. Das liegt z.B. daran, dass sich alle Nutzer in einer Funkzelle die Kapazitäten teilen müssen. Und in einer Großstadt wird man kaum allein in einer solchen sein...

Die Zeitschriften connect und Chip ermitteln im Netztest einmal jährlich in ganz Deutschland die durchschnittliche Datenrate je Provider. Aktuell kommen dabei kaum mehr als 100 MBit netto heraus. Vodafone und die Telekom teilen übrigens in den Sternchentexten diese Ergebnisse mit und verweisen darauf, dass z.B. die ausgelobten 300-500 MBit je technische Maximalwerte sind. Ebenso werden die durchschnittlich zu erwartenden Datenraten angegeben, welche aktuell bei allen Anbietern um die 50-80 MBit liegen. Ein Vielfaches also unter dem technisch Machbaren!


Datenrate in der Praxis

Weiterführendes

» Wie schnell ist eigentlich LTE?
» Was erwartet uns mit 5G, dem LTE-Nachfolger?



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