„Inhaber von Frequenzen werden mit Säbeln rasseln – das gehört einfach dazu.“

IFA 2013-Interview mit Dirk Ellenbeck (Vodafone)


12.09.2013; Leipzig, Berlin
Dirk Ellenbeck
Dirk Ellenbeck, Vodafone
Zur IFA hat Vodafone die Erhöhung der LTE-Geschwindigkeiten angekündigt. Im Interview sprachen wir mit Vodafone-Sprecher Dirk Ellenbeck über den Ausbau des LTE-Netzes, den Schritt zu Gigabit-Technologie und transparente Angebote. Außerdem fragten wir, was die anstehende Übernahme von Kabel Deutschland für die Netzinfrastruktur von Vodafone bedeutet und was sich für die Kunden beider Unternehmen ändern wird. Auch die Vergabe des 700-MHz-Bandes für den Mobilfunk war Thema des Interviews.


LTE-Anbieter.info: Erst einmal vielen Dank für dieses Interview. Zum Thema: Vodafone hat zur IFA 2013 die Erhöhung der LTE-Geschwindigkeiten mittels CAT4 bekannt gegeben. Ab wann können die neuen Geschwindigkeiten vom Kunden genutzt werden und was muss beachtet werden?

Dirk Ellenbeck: Wir haben in den ersten Städten an den hochfrequentierten Orten die neue Geschwindigkeit zur Verfügung stehen. Dazu zählen zum Beispiel der Hauptbahnhof in Düsseldorf oder hier in Berlin das Messegelände und Hotspots in der Innenstadt sowie weitere Bereiche in Dortmund, Stuttgart, München und anderen Städten. Voraussetzung ist, dass der Kunde ein entsprechendes Endgerät hat, wie beispielsweise das Huawei P2 oder das Samsung Galaxy S4, für das bald ein entsprechendes Softwareupdate erscheint.

Vodafone LTE mit CAT4


LTE-Anbieter.info: Wie ist der weitere Fahrplan? Wie wird der technische Ausbau realisiert?

Dirk Ellenbeck: Es ist ein technisches Upgrade an den Sendestationen, die 2600 MHz haben, nötig. Das werden wir zuerst an den Standorten durchführen, an denen viele Leute gleichzeitig zusammen kommen - das können unter anderem Bahnhöfe sein, Flughäfen oder auch Kasernen und Einkaufzentren. Das Upgrade wird nicht nur für die Bandbreite des Einzelnen durchgeführt, sondern insgesamt in der Zelle für alle Anwender erhöht.


LTE-Anbieter.info: Müssen die Nutzer neue Tarife abschließen oder bekommen sie den Service kostenlos als Upgrade?

Dirk Ellenbeck: Es gibt Tarife, in denen die neuen Geschwindigkeiten inklusive sind. In der „MobileInternet Flat 50,0“ mit dem Surfstick ist es beispielsweise dabei. Auch in den Smartphone-Tarifen, wie im „Red Premium“-Tarif, ist es mit drin, ohne dass Sie einen Aufpreis zahlen müssen.


LTE-Anbieter.info: Wird LTE in absehbarer Zeit zu einer Gigabit-Technologie?

Dirk Ellenbeck: Ich persönlich gehe davon aus, dass wir im Mobilfunk in den nächsten 5 Jahren Gigabit-Geschwindigkeiten haben werden. Im Labor ist das heute schon möglich. Ich denke nicht, dass es länger als 5 Jahre dauern wird, bis das beim Kunden ankommen wird.


LTE-Anbieter.info: Wenn wir über LTE reden und das ganze langfristig betrachten, gibt es da genug Frequenzen in Deutschland? Oder müssen weitere Frequenzbänder frei gemacht werden?

Dirk Ellenbeck: Mit den von vor drei Jahren ersteigerten Frequenzen für LTE, sind wir erst einmal gut aufgestellt. Angesichts der jährlichen Vervielfachungen der Datenvolumen, wird das sicherlich relevant werden. Dazu stehen ja schon die nächsten Gespräche in der Tür, vor allem was das 700-MHz-Band in Deutschland angeht, über das derzeit diskutiert wird.


LTE-Anbieter.info: Werden sich DVB-T-Anbieter und Mobilfunkanbieter hier in die Quere kommen? Immerhin ist das ein Frequenzband, das derzeit zur terrestrischen TV-Übertragung genutzt wird.

Dirk Ellenbeck: Das hat man bei der Versteigerung der Digitalen Dividende I ja zunächst auch gesagt. Im Endeffekt hat sich dann herausgestellt, dass dem nicht so war, sondern dass es da sehr gute Vereinbarungen gegeben hat und deshalb alles passt. Im Vorfeld wird sicherlich der ein oder andere Inhaber von Frequenzen mit den Säbeln rasseln – das gehört einfach dazu. Letztendlich wird die Bundesnetzagentur sehr gut wissen, was möglich ist und was nicht. Und die Frage des Zeitplans wird natürlich auch eine Rolle spielen, um eine sinnvolle Lösung für alle Beteiligten zu finden.


LTE-Anbieter.info: Vodafone hat angekündigt, seine Angebote in Hinsicht auf angebotene und tatsächliche Geschwindigkeiten künftig transparenter zu machen (wir berichteten, Anmerk. der Redaktion). Warum ist das notwendig und wie soll die Umsetzung aussehen?

Dirk Ellenbeck: Wir denken, dass es für den Kunden interessant ist, welche Geschwindigkeiten er wirklich erwarten kann. Wir haben zum einen diese theoretischen Spitzenwerte. Die Geschwindigkeiten, die dann tatsächlich beim Kunden ankommen, sind aber davon abhängig, wie viele Nutzer in einer Zelle gleichzeitig aktiv sind. Wir sind überzeugt, dass das Nutzungserlebnis für den Kunden positiver wird, wenn er von Anfang an realistische Werte kennt - weil er genau weiß, was ihn erwartet und das Ergebnis im Zweifel ein besseres ist, als wir kalkulatorisch ermitteln können.

Umsetzen werden wir das so, dass wir im Internet, wo Sie heute schon die Netzverfügbarkeitskarte sehen können, dann auch eine Möglichkeit schaffen werden, mit der Sie über die Eingabe einer Adresse die tatsächliche Geschwindigkeit einsehen können. Die überarbeitete Netzverfügbarkeitskarte gibt dann den zu erwartenden Datendurchsatz bei optimalen Bedingungen, bei mittlerer und bei hoher Netzlast an.


LTE-Anbieter.info: Ihr CEO hat zu Beginn der IFA gesagt, dass im Festnetz „richtig angegriffen“ werden soll. Was heißt das konkret?

Dirk Ellenbeck: Wir haben zum einen den Kauf von Kabel Deutschland, der kurz vor dem Abschluss steht. Dort werden wir im Kabelnetz ein sehr attraktives und großflächiges Angebot mit Geschwindigkeiten von bis zu 400 MBit/s schaffen können, die wir schon in Kürze über das bestehende Netz anbieten können. An Orten, wo wir mit dem Netz von Kabel Deutschland den Kunden nicht erreichen können, haben wir mit der Telekom als ersten Anbieter eine Vereinbarung geschlossen, sodass wir über VDSL und Vectoring Geschwindigkeiten mit bis 100 MBit/s anbieten können. So können wir in Deutschland über das Festnetz sehr große Geschwindigkeiten zur Verfügung stellen.


LTE-Anbieter.info: Was wird die Übernahme des Kabelnetzbetreibers für den Kunden von Vodafone und den Kunden von Kabel Deutschland bedeuten?

Dirk Ellenbeck: Für die Kunden beider Unternehmen ändert sich zunächst erstmal nichts. Das ist vergleichbar mit der Übernahme von Arcor damals. Die Kunden behalten weiterhin ihre Verträge und ihre Ansprechpartner. Langfristig wird es so sein, dass es einen gemeinsamen Auftritt geben wird, bei dem Sie dann von Vodafone das Komplettangebot aus einer Hand bekommen.


Vodafone Zuhause

LTE-Anbieter.info: Vodafone verkauft aktuell sein US-Geschäft. Soll von diesen Einnahmen auch ein Teil in das deutsche Netz investiert werden?

Dirk Ellenbeck: Ein Großteil des Erlöses geht an die Anteilseigner, aber es werden rund 7 Milliarden Euro in die Netze der Vodafone-Gruppe investiert. Dazu gehört natürlich auch Deutschland.

LTE-Anbieter.info: Herr Ellenbeck, vielen Dank für das interessante Interview.



Bilder: Portraitbild Dirk Ellenbeck - © Dirk Ellenbeck, Vodafone


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