Digitale Dividende

Alle Hintergründe sowie Vor- und Nachteile


Langsam aber stetig zog sich seit der Jahrtausendwende ein tiefer werdender, digitaler Graben durch Deutschland. Auf der einen Seite die Stadtbevölkerung, welche immer günstiger und mit immer mehr MBit/s im Internet surfen konnte. Der massive Ausbau der DSL-, VDSL-, FTTH und Kabelnetze machte es möglich. Auf der anderen Seite Bewohner der ländlichen Gebiete, weitab der Großstädte und mit geringer Bevölkerungsdichte. Hier lohnte der Breitbandausbau für die meisten Unternehmen einfach nicht. In der Folge blieb, bis 2010, vielen nur der Griff zu teuren ISDN- oder Satellitenlösungen.

Diese digitale Kluft ist mit Sicherheit ein Faktor von vielen, welche die Migration der Menschen in die Städte begünstigte. Als direkte Folge verweisen Statistiker auf verwaisende Dörfer und sinkende Immobilienwerte im ländlichen Raum. Und nicht nur die Attraktivität als Wohnort leidet mit fehlendem Zugang zum Highspeed-Internet. Die digitale Kluft hindert auch Unternehmen daran, sich in Regionen ohne Breitbandverfügbarkeit niederzulassen.

2010 schließlich versprachen die Digitale Dividende und eine damals neue Mobilfunktechnik namens „LTE“ Hoffnung. Heute gilt LTE als schneller DSL-Ersatz (mehr Infos) für die Fläche und ebnet sukzessive den digitalen Graben. Obgleich durch die oft noch genutzte Datenvolumenbegrenzung samt Drosselung noch keine 100prozentige Angleichung in Sichtweite ist.


Was versteht man unter der Digitalen Dividende?

Um das zu verdeutlichen hilft es, die Entwicklung in der Rundfunktechnik während der letzten Jahre etwas tiefer zu beleuchten. Erinnern Sie sich noch an die großen Antennen, die früher zu tausenden auf deutschen Dächern in alle Richtungen zeigten? Heute zeugen nur noch einzelne, verwaiste Exemplare von der vergangenen Ära. Beginnend im Jahre 2002, erfolgte in Deutschland schrittweise die Umstellung des antennenbezogenen Fernsehens von analog auf digital.

2009 wich das analog terrestrische Fernsehen, nach über 70 Jahren, endgültig und mit letzter Konsequenz dem digitalen Zeitalter. Nur Radio gibt’s nach wie vor auch noch analog. Seither ist DVB-T, also digital terrestrisches Fernsehen, der Standard. Die längst überfällige Digitalisierung brachte nicht nur bessere Bildqualität für Antennen-TV-Nutzer. Mit der digitalen Übertragung benötigte man, dank besserer Spektraleffizienz, weniger Frequenzen. Vereinfacht gesagt, passen auf einen Kanal nun wesentlich mehr Sender bei gleichzeitig höherer Qualität. Alle auf diese Weise gewonnenen Frequenzbereiche, bezeichnet man als Digitale Dividende.


LTE-Mast auf dem Land

Bildquelle: LTE-Anbieter.info

Frei wurde konkret das Frequenzband bei 790 – 862 MHz im oberen UHF-Spektrum. Im November 2007 beschlossen 2800 Delegierte aus 164 Staaten auf der Weltfunkkonferenz u.a. die Nutzung dieses Frequenzraumes für den digitalen Mobilfunk. Darüber hinaus zeichnete sich im selben Zeitraum die Etablierung eines neuen Mobilfunkstandards namens „Long Term Evolution“ (LTE) ab. Dieser versprach, bei geringerem „Frequenzbedarf“ (Bandbreite), eine deutlich höhere Datenübertragungsrate (bis 100 MBit/s) im Vergleich zu den Vorgängerstandards UMTS und HSPA. Ideal also für die effektive Nutzung der digitalen Dividende …

2009 schließlich demonstrierte das Unternehmen Ericsson erstmals eine funktionierende LTE-Verbindung zwischen zwei Endgeräten. Weltweit folgten rasch weitere Technikdemonstrationen und Tests. Ende desselben Jahres nahm Ericsson, zusammen mit TeliaSonera in Stockholm, dass weltweit erste LTE-Netz ín Betrieb. Auch in Deutschland sollte bald schon der Vorhang für LTE fallen. 2010 ebnete die Bundesnetzagentur, mit der Versteigerung der Nutzfrequenzen, den Weg für den zukunftsweisenden Mobilfunkstandard. Gleichsam stand mit LTE nun eine Möglichkeit im Raum, bei relativ geringen Kosten, die Schließung der weißen Flecken auf der Breitbandkarte zu erreichen. Und das mit Datenraten, welche deutlich über DSL-Niveau liegen!


Das Freiwerden der Digitalen Dividende bei 800 MHz, hatte gleich zwei wesentliche Vorteile. Der Bereich eignet sich zufälliger Weise hervorragend für die Versorgung mit Breitbandinternet per LTE auf dem Land. Grund sind hier die Ausbreitungseigenschaften elektromagnetischer Wellen. Während Funk mit niedrigen Frequenzen vergleichsweise große Reichweiten erzielt, lassen sich mit höheren Frequenzen eher kleine Areale effektiv versorgen. Im ländlichen Raum ist LTE800 daher weit wirtschaftlicher für Mobilfunkunternehmen, da mit einer Sendestation weite Flächen abgedeckt werden können. Im städtischen Umfeld kommen dagegen meist eher Frequenzen im Bereich von mehreren Gigahertz zum Einsatz. Zum Beispiel LTE bei 2,6 GHz.


Illustration Reichweite LTE-Zellen nach Frequenz



Versteigerung 2010 – der 1. Weg zur Nutzung der Digitalen Dividende

Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur alle Nutzlizenzen für LTE in Deutschland. Neben der Digitalen Dividende, auktionierte man übrigens noch weitere Blöcke im Bereich von 1,8 und 2,1 bzw. 2,6 GHz. Der Bund erzielte dabei insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Als erfolgreiche Bieter für die LTE800-Lizenzen gingen die Deutschen Telekom, Vodafone und O2 hervor. Die Digitale Dividende wurde, je Anbieter, in 2 mal 5 MHz-Blöcke aufgeteilt. E-Plus bot übrigens nicht für die Nutzung von LTE bei 800 MHz.


Versteigerte Frequenzbereiche der DD nach Anbieter:

Downlink Uplink Kosten*
Vodafone 801-811 MHz 842-852 MHz 1,21 Mrd.
Dt. Telekom 811-821 MHz 852-862 MHz 1,153 Mrd.
O2 Telefonica 791-801 MHz 832-842 MHz 1,212 Mrd.
* Betrag, die die Unternehmen je dafür bei der Auktion 2010 bezahlt haben.


Fast unmittelbar nach der Versteigerung, starteten die ersten Unternehmen den Ausbau von LTE mit Frequenzen im Bereich der ehemaligen „Digitalen Dividende“. Den Anfang machte im August 2010 die Deutsche Telekom in Kyritz mit der Inbetriebnahme des ersten Mastes. Vodafone startete dagegen Ende 2010, als erstes den kommerziellen Vertrieb von LTE. Und zwar zunächst rein als DSL-Ersatz auf dem Lande.


Ausbau von Long Term Evolution

Im Vorfeld der Auktion verpflichtete die Bundesnetzagentur alle Bieterunternehmen, für Blöcke im Bereich der Digitalen Dividende, bestimmte Vorgaben beim Ausbau einzuhalten. Diese sahen den schrittweisen, vertikalen Ausbau von Gemeinden vor. Beginnend mit kleiner Einwohnerzahl, hin zu größeren Gemeinden. So definierte man 4 Prioritätsstufen, beginnend mit 5000 Einwohnern. Gemeinden konnten bei der Bundesnetzagentur im nächsten Schritt Bedarf für den Breitbandausbau via LTE anmelden. Details dazu, samt Darstellung der Orte in Deutschland nach Prioritäts-Stufen auf einer Karte, haben wir für Sie hier zusammengestellt.


Probleme mit der Nutzung der Digitalen Dividende

Der freigewordene Funkraum sollte sich jedoch nicht nur als Segen herausstellen. Einige fürchteten bzw. fürchten noch immer Schäden finanzieller Natur. Denn die Nutzfrequenz von LTE in ländlichen Gefilden (LTE800) überschneidet sich mit der von Funkmikrofonen.

Sennheiser Microfonsysteme

Bildquelle: Sennheiser

Drahtlose Mikros, die Verwendung z.B. in Theatern oder bei Konzerten finden, senden ebenfalls im Bereich von 838-863 MHz. Im Jahr 2005 definierte die Bundesnetzagentur (Amtsblattverfügung 91/2005), die Nutzung für Funkmikros (bis 2015) im Bandbereich von 790-814 MHz und 838-863 MHz. Diese „Doppelbelegung“ kann also unter Umständen überall dort zu Störungen führen, wo die Frequenzen der Digitalen Dividende für LTE-Internet genutzt wird.

Zwar sieht der Bund Entschädigungszahlungen vor, falls teure Veranstaltungstechnik umgerüstet werden muss. Jedoch gab es diesbezüglich lange Zeit viele Unklarheiten. Zweimal haben wir bereits „Sennheiser“, einen der führenden Hersteller im Bereich Funk-Veranstaltungstechnik, zu diesem Thema interviewt. » Interview mit Sennheiser März 2012 » Interview im Januar 2011


Allerdings drohte nach der ersten Dividende bereits neues Ungemach für Mikrofonnutzer und DVB-T Nutzer. Denn Mitte 2015 wurden noch mehr Frequenzen für Mobilfunker freigegeben und versteigert. Mit der „Digitale Dividende 2.0“ folgt auch das Ende von DVB-T, welches durch DVB-T2 ersetzt wird und einen anderen Funkbereich bekommt. Dazu mehr im übernächsten Abschnitt.

Stand 2021 fortfolgend

Der Ausbau von LTE mit den Bändern der Digitalen Dividende läuft seit 2011 ohne Unterlass. Anfang 2012 konnten schon über 13 Millionen deutsche Haushalte (von ~40 Mio.) LTE nutzen. Insgesamt 3000 Basisstationen wurden von den Providern dafür in Betrieb genommen. Die Zahl der Lücken ohne Breitbandversorgung reduzierte sich spürbar. Seit 2021 nähert sich die 4G-Abdeckung bei allen drei Netzprovidern der 99 Prozentmarke oder hat diese bereits überschritten. Man kann also fast von einer Vollabdeckung sprechen. Mehr zum aktuellen Stand, können Sie hier nachlesen.


Digitale Dividende 2.0

Nachdem noch nicht einmal alle Probleme der Nutzung der „ersten“ Digitalen Dividende für den LTE-Mobilfunk gelöst wurden, preschte die internationale Fernmeldeunion Anfang 2012 mit dem nächsten Aufteilungsplan vor. Demnach solle bis 2015 ein weiteres Frequenzband (694-790 MHz) für Mobilfunkunternehmen freigegeben werden.

Ende 2014 kündigte die Bundesnetzagentur tatsächlich an, man plane im 2. Quartal 2015 die Versteigerung und damit die Neuvergabe zu starten. Die Versteigerung endete im Juni 2015 und spülte satte 5,1 Mrd. Euro ein. Erneut drohen daher mögliche Störungen für Empfänger von DVB-T Fernsehen und Funkmikrofon-Nutzer. Hier mehr zum Thema „Digitale Dividende 2.0“, den Plänen und möglichen Konsequenzen.



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