Drosselung bei LTE & Internet per Mobilfunk allgemein

Hintergründe, Bedeutung und Tipps zur Bandbreitenbegrenzung


"LTE Drossel kills Flatrate"

Nein, mit dem putzigen Vogelvieh hat dieser Ratgeber nichts zu tun. Vielmehr mit einer extrem kontroversen Praktik der Mobilfunkprovider, die viel Zündstoff in sich birgt. Nicht erst seitdem der Mobilfunkstandard "LTE" seinen Siegeszug durch die Lande antritt, sorgt das Thema für viele erzürnte Nutzer. Begriffe, wie „Abzocke“, gehören oft noch zu den freundlichsten Verbalattacken in einschlägigen Mobilfunkforen. Auch in unserem LTE-Forum wird nicht selten hitzig zu dem Thema diskutiert. Daher wollen wir an dieser Stelle einmal neutral alle wissenswerten Aspekte der Volumenbegrenzung zusammentragen. Zudem gehen wir auf die negativen UND positiven Seiten näher ein. Zum Schluss soll die Notwendigkeit der Drosselung ganz pragmatisch, durch die Brille der Provider betrachtet werden. Los geht’s!


1. Begriffsklärung: Drosselung - Was ist das überhaupt?

Nutzer kabelbasierter Breitbandtechniken, wie etwa DSL, können sich beim Surfen entspannt zurücklegen. Egal ob Hollywoodblockbuster per Video-on-Demand in HD oder tägliche große Downloads und Updates. Die dabei anfallenden (enormen) Datenmengen, spielen für diese User praktisch keine Rolle. Sobald aber Funk als Übertragungsmedium genutzt wird, trifft dies leider nicht mehr zu. Auch nicht beim schnellen LTE! Fast alle heute am Markt erhältlichen LTE-Tarife weisen eine Begrenzungsautomatik auf, die besser unter dem Begriff der Drosslung bekannt ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob LTE zu Hause als DSL-Ersatzlösung verwendet wird oder als Datenturbo am Handy.

Update: Seit Sommer 2016 bietet die Telekom zwei Drosselfreie Alternativen. Einerseits den Smartphone-Tarif "MagentaMobil XL Premium" ohne Drossel, andererseits Tagespässe für 5 € ohne Drossel. Details dazu hier. Auch Hybrid-Tarife aus DSL & LTE kommen ohne Limit aus.


Die Konsequenz dieser Limitierung ist eine drastische Reduktion der maximalen Datenrate beim Kunden. Natürlich nicht permanent, sondern bis zum Ende des Monats oder dem Rechnungszyklus. Ab wann die Drossel erfolgt, hängt von der Höhe des vertraglich vereinbarten Inklusivvolumens, teilweise auch Highspeedvolumen genannt, ab. Gängig sind für Zuhause-Tarife 10, 15 oder 30 Gigabyte (GB). Details dazu, wer, ab wann und wie stark drosselt, erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.


Definitionsversuch zum Begriff "Drossel":
Drosselung ist eine vom Mobilfunkprovider initiierte, temporäre Limitierung der maximalen Down- und Uploadrate bei Mobilfunktarifen, mit dem Ziel der kapazitiven Konsistenz von Sendestationen für alle Kunden. Auslöser ist die nutzerseitige Überschreitung eines vertraglich (also beidseitig) vereinbarten Datenvolumina innerhalb eines Zeitraumes von 4 Wochen oder abweichend.


2. Drosselungsgrenzen: Abhängig von Tarif, Einsatzzweck und Provider

Wie hoch das inkludierte Volumen ist, hängt von drei Faktoren ab. Zunächst natürlich in Hinblick auf die einzelnen Anbieter und deren Tarifangeboten. Des Weitern gibt es recht große Unterschiede zwischen den Nutzungs-Szenarien. Die Schwankungsbreite beim Einsatz von LTE als DSL-Ersatzlösung beträgt 10-30 Gigabyte. Wer LTE mit einem Mobilfunktarif samt Surfstick betreibt, kann zirka zwischen 1-10 GB wählen. Smartphone-Pakete enthalten dagegen heute zwischen 1 und 20 GB, wobei letzteres sehr teuren Premium-Tarifen vorbehalten ist.

Vergleich:
Inkludiertes Volumen der DSL-Ersatz-Tarife bei Vodafone in Megabyte


Die aktuellen Angebote der Provider, für alle der drei genannten Zwecke, können Sie hier vergleichen: Für «Vodafone», «Telekom», «O2» und «1&1». Beide letztgenannten bieten aber kein stationäres LTE an.

3. Auf welche Geschwindigkeit wird reduziert?

Dies wird von den eben genannten Nutzungsszenarien und vom Anbieter determiniert. Bei LTE für daheim, drückt die Drosselung die Datenrate in der Regel auf 384 Kbit/s im Download und 64 Kbit/s für den Upload. Dies entspricht der als „DSL-Light“ bekannten Not-Behelfslösung in Regionen mit schlechter Breitbandversorgung. In der folgenden Tabelle sind die einzelnen Drosselungsniveaus nach Anbieter und Einsatztyp verzeichnet. Die erste Zahl steht korrespondiert mit der maximalen Downloadrate in Kilobit/s (KBit/s) nach Aktivierung der Drosselung. Als zweites folgt die maximal mögliche Uploadrate, ebenfalls in dieser Einheit.


Vodafone Deutsche Telekom O2 Telefonica
LTE für Daheim 384 | 384 384 | 64 -
Mobiles Internet (Stick) 64 | 64 64 | 16 64 | 16
LTE am Smartphone 32 | 32 64 | 16 1 MBit (O2 Free)


Tarife aller Drittanbieter basieren allesamt auf den genannten drei Netzen. Wie zum Beispiel sim.de oder congstar. Daher entsprechen die Drosselraten meist auch dem der jeweiligen "Netzpaten".

3.1 O2 geht neue Wege bei der Drosselung

Im Herbst 2016 überrasche O2 mit neuen Smartphone-Tarifen, die einen Paradigmenwechsel in der Branche herbeiführen könnten. Erstmals drosselt ein Anbieter seither nicht mehr auf „nahe Null Datenraten“ wie 64 Kbit, sondern auf immerhin 1 MBit/s. Also der Geschwindigkeit die gemeinhin gerade noch in die Definition „Breitband“ fällt. Damit sind wenigsten Dienste, wie Mail, Social Media und normales Browsen noch in erträglichem Tempo möglich wie unser Test zeigte, wenn natürlich auch mit angezogener Handbremse.

4. Termine für die „Entdrosselung“

Wie schon angedeutet, gilt die Reduzierung der maximalen Datenrate natürlich nicht ewig, sondern immer Monatsweise. Zwischen den Anbietern gibt es jedoch kleine Unterschiede hinsichtlich der Termine. Bei Vodafone orientiert sich die Aufhebung (falls man gedrosselt wurde) immer am individuellen Rechnungsmonat um 24:00 Uhr. Für Telekom-Kunden ist dagegen immer der 1. des neuen Kalendermonats (0:00 Uhr) ausschlaggebend.


5. Verbrauch im Vorfeld bestimmen

LTE interessierte Leser sind also gut beraten, den tatsächlichen Bedarf vor einer Bestellung zu ermitteln bzw. zu schätzen. Exakte Prognosen sind kaum möglich, aber man kann mit einfachen Mitteln leicht einen individuellen Richtwert bestimmen. Folgend wollen wir einige Tipps für Interessenten der „Zuhause-Tarife“ geben. Für die erste Möglichkeit benötigen wir ein kleines Windows-Tool namens „Netspeedmonitor“. Damit lässt sich der Trafficverbrauch über Tage oder Wochen aufzeichnen. Somit erhält man nach 1-2 Wochen schon einen guten Eindruck von seinem aktuellen Surfverhalten. Da wahrscheinlich die Datenrate mit LTE später deutlich höher ist als zuvor, sollte man auf den ermittelten Wert jedoch lieber noch 20-30% Sicherheitspuffer aufschlagen. Höhere Geschwindigkeiten gehen schließlich auch einher mit mehr Möglichkeiten.

Wir haben in unserem Forum eine kleine Umfrage unter den Nutzern durchgeführt, wie viel Volumen diese monatlich im Schnitt benötigen. Die Ergebnisse finden Sie im nachfolgenden Diagramm. Zu beachten ist, dass nicht nach der Haushaltsgröße gefragt wurde. Mehrfamilienhaushalte benötigen verständlicher Weise meist mehr, als Singlehaushalte …


Die Y-Achse kennzeichnet den Verbrauch in Gigabyte pro Monat. Auf der X-Achse wurde die jeweilige Anzahl der Votings eingetragen. Man erkennt gut, dass der Hauptanteil der Befragten angab, mit ca. 10-40 GB im Monat gut auszukommen. Wir empfehlen vor diesem Hintergrund Tarife mit mindestens 15 GB, besser 30 GB. Die Gesamtanzahl der Befragten betrug übrigens 104, was für ein relativ valides Abbild ausreichen dürfte. Im Bereich der Statistik, gilt eine Grundgesamtheit von 100 bereits als recht aussagekräftig.


Allgemeine Faktoren für den Volumenbedarf:

Ein gutes Dutzend Faktoren können den Volumen-Bedarf deutlich beeinflussen. In erster Linie hat natürlich die Zahl der Personen, welche sich einen Anschluss teilen, erhebliches Gewicht. Stichwort: Mehrgenerationenhaushalt oder WGs. Ein gewisser Faktor ist zudem das Alter. Jugendliche verbringen gewöhnlich gerne viel Zeit bei Youtube & Co, was nichts Gutes für die Verbrauchs-Bilanz bedeutet. Gegebenenfalls sollten Eltern also auf diesen Umstand hinweisen und Videoseiten stark limitieren.

Allgemeine Einflussfaktoren im Überblick:

  • Anzahl der Personen im Haushalt mit Internetzugang,
  • Surfverhalten der einzelnen Teilnehmer (Stichwort Alter und Präferenzen),
  • private oder geschäftliche Aufgaben (ggf. Businesstarif wählen)

6. Besonders datenintensive Anwendungen

Weitestgehend bekannt dürfte sein, welche Anwendungen besonders stark am Inklusivvolumen zehren und so in windeseile Richtung Drosselung führen. Zur Ergänzung hier noch einmal die „Hitliste“. An erster Stelle stehen natürlich Videos aller Art. Je nach Qualität, kann 1 Stunde zwischen 300 und 2000 Megabyte verschlingen. Bei 10 GB monatlichen Volumens, hätte man also innerhalb von nur 1 h rund 1/30 bis 1/5 verbraucht. Große Downloads: Auch wer kaum Software lädt - allein zur Systempflege kann pro Monat schon einiges zusammen kommen. Windows will fast wöchentlich neue Updates einspielen, ebenso andere Programme (Virenscanner etc.). Allein die Installation des neuesten Nvidia-Grafikkarten-Treibers kann um die 200 MB beanspruchen. Cloud Dienste: Werden immer populärer - wer hier regelmäßig größere Datenmengen hoch und runterlädt, kommt allein bei diesem Service schnell auf mehrere GB/Monat. Fotodienste: Bilder von der Digitalkamera lassen sich bequem über spezielle Dienstleister im Internet entwickeln. Ein durchschnittliches Bild fasst um die 5 MB. 100 Bilder sind also schon 0,5 GB …

Wenig ins Gewicht fällt hingegen "normales" surfen, E-Mails (ohne große Anhänge), soziale Netzwerke, Onlinegames und chatten. Auch der Verbrauch beim "skypen" ist eher moderat. Eine Stunde benötigt weniger als 100 MB.


7. Verbrauch überprüfen - wie weit noch zur Drosselung?

Selbstverständlich müssen sich LTE-Kunden nicht auf einen „Blindflug“ einstellen. Mit drei Möglichkeiten kann der aktuelle Stand (annähernd) bestimmt werden. Seit einiger Zeit bieten die meisten LTE-Provider endlich eine Kontroll-Statistik im Kundenaccount. Vodafone-Nutzer müssen sich dazu unter http://center.vodafone.de/verbrauch mit den Zugangsdaten einloggen. Bei der Telekom lautet die Adresse: http://pass.telekom.de. O2 bietet indes leider noch keinen derartigen Service.

Volumen nachsehen bei VodafoneVolumen checken bei Telekom Screenshots aus dem Userbereich von Telekom und Vodafone zum Ablesen des Verbrauchsvolumens *Klicken zum vergrößern*

Wer sich nicht ständig einloggen möchte, kann auf eine Softwarelösung ausweichen. Bewährt hat sich hier der schon erwähnte „netspeedmonitor“, welcher live, während der Internetnutzung die Verbrauchsdaten einblendet. Fritzbox-Nutzer greifen besser noch zu unserem "LTEWatch" Tool. Aber Achtung: Sollten mehrere Personen über einen Anschluss surfen, funktioniert dies natürlich nicht. Zudem zählen solche Tools den gesamten Verkehr im Heimnetzwerk. Beim Senden von Rechner A auf Rechner B im Heimnetz, generiert man „vermeintlichen“ Traffic, der aber nach „außen“ hin natürlich keiner ist. Die Variante ist daher eher als grober Überblick, vor allem für Einzelnutzer, interessant.

Eine dritte Option versprechen einige LTE-Router selbst, etwa der Fritz!Box-Serie von AVM. Hier kann man den Tages/Wochen und Monatsverbrauch im Menü ablesen. Mehr aber leider nicht.

Beispiel: Online-Zähler im Routermenü - hier Fritz!Box 6840

Die Fritzbox bietet aber noch die Möglichkeit, den eigenen Tarif mit Volumina und Abrechnungszeitraum einzutragen. Man erhält dann ein Balkendiagramm welches den aktuellen Stand optisch abbildet und zudem eine Voraussage anhand des bisherigen Surfverhaltens trifft. Ist man mit der Hochrechnung nach im Limit, ist der Balken grün. Ist man außerhalb wird der Balken rot und es wird ein Datum prognostiziert, an dem das Volumen voraussichtlich aufgebraucht ist.

Onlinemonitor bei der Fritz!Box

8. Möglichkeit: Was, wenn die Drossel zuschlägt?

Nicht jeder schätzt im Vorfeld seinen Bedarf richtig ein (meist zu niedrig) oder kommt sogar mit 30 GB pro Monat kaum über die Runden. Letztere Zahl markiert ja den zurzeit umfangreichsten LTE-Tarif, von Hybrid abgesehen. Daher wurden seitens der Kunden schnell Forderungen für mehr Flexibilität laut, in der Form, dass man auf Wunsch Volumen hinzukaufen und der Drossel entfliehen kann. Viele Anbieter sind dem Aufruf gefolgt. Bei Vodafone lassen sich bspw. sogenannte "Speedbuckets" hinzu kaufen. Die Telekom bietet mit "Speed-On" die Entdrosselung an. Übrigens nicht nur bei den LTE-Zuhause-Tarifen. Auch Smartphonekunden und Sticknutzer dürfen sich rauszukaufen. Alle Details zu den Möglichkeiten und Kosten, haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zum Volumenkauf zusammengestellt.

Ansonsten bleibt einem leider nur übrig, für einen bestimmten Zeitraum je Monat die Beschränkung hinzunehmen. Tipp: Größere Downloads oder Windows-Updates könnte man idealer Weise bei aktiver Drosselung durchführen. Zwar dauert es etwas länger, man „verschwendet“ aber kein wertvolles Highspeedvolumen. Moderne Downloadmanager erleichtern dies zudem erheblich.

9. Die Sache mit der „Flatrate“

Vielfach argumentieren verärgerte Verbraucher, dass es sich bei LTE nicht wirklich um eine „Flatrate“ handle. Allerdings kommt es hier sehr auf die Definition an, was denn unter einer Flatrate zu verstehen ist. Streng betrachtet, sind alle Tarife tatsächlich „Flatrates“, da man ja unbegrenzt surfen und laden kann, ohne Mehrkosten zu fürchten. Nur eben nicht immer mit der maximalen Geschwindigkeit. Frei aus dem Englischen übersetzt, repräsentieren Flatrates einen „Pauschaltarif“. Im Sprachgebrauch hat sich der Begriff, dank unlimitierter und günstiger DSL-Flatrates, aber offenbar in der semantischen Interpretation gewandelt. Hin zu einer völligen Limitierungsfreiheit. Daraus resultieren wahrscheinlich auch die nicht seltenen „Missverständnisse“ hinsichtlich der Nutzungsmodalitäten bei den LTE- bzw. Mobilfunktarifen allgemein. Aber: Sowohl in den Tarifbeschreibungen, als auch in den AGBs, verweisen alle Anbieter ausdrücklich auf die Begrenzung des Highspeed-Volumens. » mehr zum Thema LTE-Flatrate hier

10. Hybrid Internet - die elegante Zwischenlösung

Seit März 2015 bietet die Telekom eine Art Technik-Mix, der DSL mit LTE kombiniert. Dafür hat sich der Begriff des „Hybrid Internets“ etabliert. Nötig ist vor Ort nur ein DSL-Zugang mit wenigstens DSL-Light-Niveau, der zudem IP-fähig sein muss. MagentaZuhause Hybrid wird nicht gedrosselt. Die Tarife weisen also keine Volumenbeschränkung auf.


11. Tipps zum schonenden Umgang mit dem Volumen und Prävention

Mit etlichen kleinen Tricks und Kniffen, kann man zumindest einen möglichen Fall in die Drossel hinaus zögern. Dabei muss sparen, wie beim Thema Stromverbrauch, nicht zwangsläufig immer mit Verzicht einhergehen, sondern mehr mit „intelligentem Management“. Erfahren Sie hier im Detail, welche Möglichkeiten es zum Volumen sparen gibt.


12. Notwendigkeit zur Drosselung aus technischer Sicht

12.1 Kapazität einer LTE-Zelle
Unter anderem durch verbesserte spektrale Effizienz des LTE-Mobilfunkstandards, wurden gegenüber DC-HSPA+ die maximal möglichen Datenraten nahezu verdoppelt. In Verbindung mit der MIMO-Technologie, ist auf einem 10 MHz breiten Frequenzkanal eine Brutto-Datenrate von 103,0 Mbit/s möglich (Rel 8). Nach Abzug des Protokoll-Overheads (je nach Provider und Netzstruktur 10-15%), bleiben also 82,5 bis 90,0 Mbit/s für den Datentransfer in Downlink-Richtung übrig. Wie man die maximale Datenrate im Einzelnen bestimmt, erfahren Sie hier im Detail. Im Upload wird der Wert, von etwas über 100 MBit, durch die Nichtverwendung von MIMO annähernd halbiert. Obwohl das natürlich gegenüber DC-HSPA+ (42 Mbit/s) eine Verdoppelung der Kapazität entspricht, bleibt diese Luftschnittstelle der Flaschenhals, den sich alle Nutzer, die sich in diese Zelle einbuchen, teilen müssen. Wenn nun wirklich 10 Nutzer gleichzeitig die maximal mögliche Datenrate anfordern würden, bleiben für jeden tatsächlich nur 8 bis 9 Mbit/s übrig! Und 10 Nutzer in einer Zelle ist ja wirklich noch nicht viel. In der Realität werden es tatsächlich eher 150 - 200 Nutzer sein, welche sich gleichzeitig in eine LTE-Zelle einbuchen und somit die Kapazität teilen müssen. Selbst mit Drosselungspraktik also ein schmaler Grand, der beschritten wird.

Und warum brechen die Netze dann dennoch nicht zusammen? Glücklicherweise gibt es ja die Wahrscheinlichkeitsformel für die Lastverteilung. In deren Resultat kommt man zu dem Schluss, dass sich zu einem Zeitpunkt X immer nur 20% - 25% der angeschlossenen User die Bandbreite teilen und man somit ohne größeren Probleme die Kapazität 4 bis 5-fach überbuchen kann. Tatsächlich, und das ist nur eine Schätzung, da es verständlicher Weise keine offiziellen Zahlen gibt, wird der Überbuchungsfaktor aber eher in der Region 10 bis 12-fach anzuordnen sein. Bei einigen Zellen garantiert noch höher.

Der Grund für diese absolute Überschreitung, ist die Anzahl der mobilen Datennutzer. Anders als zum Beispiel bei DSL, wo alle Teilnehmer mit einem festen "Draht" mit der Vermittlungsstelle verbunden und somit für den Anbieter zu 100% planbar sind, können bei einem Funkzugang immer wieder unerwartete Nutzer zufällig auftauchen. Das führt in Extremfällen die beste Berechnung ad absurdum. Unterm Strich kommt es dann zu Engpässen auf der Funkschnittstelle, welche nicht planbar gewesen sind. Um dieses Szenario etwas einzudämmen, wurde eine permanente Nutzung der maximalen Datenrate durch die sogenannte „Drossel“ eingeschränkt. Der einfache Gedanke dabei ist: Wenn die Nutzer mit ihrem Datenvolumen bewusst umgehen, entlastet das die Zellen. Und entlastete Zellen bringen höhere Geschwindigkeiten für alle. Vor diesem Hintergrund betrachtet ist es auch verständlich, warum im Allgemeinen die mobilen Datentarife stärker reglementiert bzw. bei gleicher Leistung wesentlich teurer sind: Sie bedeuten für jeden Provider ein unkalkulierbares Risiko für die Netzstabilität in punkto Zellauslastung.

12.2 Warum gibt es Tarife mit 50, 100 oder sogar 375 Mbit/s?

Angesichts dieser Knappheit an Ressourcen stellt sich natürlich die Frage, warum die Provider dann Tarife mit einer so hohen Datenrate anbieten. Aus Nutzersicht wären dann Tarife mit (dauerhaften) Datenraten von 10 - 20 MBit/s wesentlich leichter nachzuvollziehen. Beispiel: Wer einen Download mit vollen 50 MBit/s tätigt, kann theoretisch ein Highspeed-Volumen von 30 GB in ca. 82 Minuten aufbrauchen, vorausgesetzt, man bekommt die maximale Datenrate. Oder anders ausgedrückt - nicht mal 2 Stunden bis zur Drossel bei maximaler Auslastung!

Aus Providersicht sieht das natürlich etwas anders aus. Zum einen ist da natürlich die werbewirksame Zahl der Datenrate, die das inkludierte Volumen leicht vergessen lässt. Es gibt aber auch einen technischen Grund: Wenn bei einem User gerade eine größere Datenmenge (Update, Datei-Download, …) ansteht und die Zellkapazität es hergibt, ist es aus Providersicht besser, dass diese „Belastung“ der Zellkapazität möglichst schnell wieder vorbei geht, bevor der nächste User online geht und seinerseits auch Ansprüche in Bezug auf die Zellkapazität stellt. Wenn jetzt alle User durch langsame Datenraten die Kapazität der Zelle länger, wenn auch weniger stark, in Anspruch nehmen, steigt die Zahl der Überschneidungen bei den Downloads und somit auch Auslastung der Zelle. Mit dem zusätzlichen "Risiko" im ländlichen Raum, dass zu den Heim-Usern noch Smartphone- und Tabletnutzer dazu geselle. Dann ist die Wahrscheinlichkeit noch größer, dass alle Kunden mit deutlichen Einbußen bei der maximalen Datenrate konfrontiert werden.

12.3 Die Verdreifachung der Kapazität

Wenn man sich die Zahlen anschaut, die eine einzelne Basisstation „verkraftet“, stellt man fest, dass das nicht allzu viel ist. Die Variante mit nur einer Basisstation und einer rundstrahlenden Stationsantenne (bzw. zwei Antennen wegen MIMO) wird deshalb auch nur in sehr dünn besiedelten Gebieten gewählt. Zudem ist durch den fehlenden Gewinn der Antenne die Reichweite einer solchen Station sehr begrenzt. Somit eignet sich diese Technologie höchstens zur Versorgung einzelner Orte. Eine höhere Reichweite sowie eine Verdreifachung der Kapazität, wird üblicherweise durch eine Sektorisierung erreicht. Statt einer rundstrahlenden Antenne beim Sendemast, werden drei Richtantennen mit einem Öffnungswinkel von 120° verwendet, die dann natürlich auch einen Gewinn (6 … 9 dBi) haben (3x 120° sind auch wieder 360°). An jede dieser Antennen wird dann eine eigene Basisstation (eNodeB) angeschlossen. Wenn man jetzt den Funkstandort als Gesamtes betrachtet, hat er eine doppelt so hohe Reichweite (durch die Sektor-Antennen) und dabei die 3-fache Kapazität durch die drei separaten Basisstationen, gegenüber der Station mit den Rundstrahlern. Natürlich auch hier der Hinweis, dass wegen MIMO jede Basisstation mit zwei Sektor-Antennen ausgestattet wird.


13. Kritik am gängigen System

Wie wir eben gezeigt haben, gibt es aus Providersicht durchaus eine technisch bedingte Notwendigkeit. Die Drosslungspolitik ist also keineswegs ein Instrument, um den eigenen Kundenstamm nach Strich und Faden zu ärgern oder ist gar der Versuch, den letzten Cent heraus zu quetschen. Ein Argument sorgt jedoch seit langem für berechtigten Zweifel an einem Kernargument für die Drossel. Und den Auslöser liefert die Telekom sogar selbst! Warum? Nun, wie wir im Abschnitt „Termine für die Drosselung“ berichteten, erfolgt die Aufhebung aller betroffenen (Privat-)Kunden bei der Telekom immer an einem fixen Termin. Nämlich jeweils am 1. des neuen Kalendermonats. Bei Vodafone war dies jahrelang auch gang und gebe. 2013 stellte Vodafone dann auf den individuellen Rechnungsmonat der Kunden um.

Die Praxis der gleichgeschalteten Entdrosselung aller Kunden, führt aber das berechtigte Kernargument der Überlastung ad absurdum. Nehmen wir kurz an, in einer Region X surfen 100 Kunden über eine Station Y. 60 davon werden während der rund 30 Tage vom (Bsp.) 12.03. bis zum 12.04. gedrosselt. Einer mal gleich am 14. einige am 18. und so weiter. Soweit macht das System noch Sinn. Wenn aber alle am 12.04 wieder aus der Drossel entlassen werden und mit maximaler Geschwindigkeit surfen können, ist ja gerade eine Überlastung vorprogrammiert. Viele holen wahrscheinlich aufgeschobene Vorhaben (großer Download z.B.) direkt nach. Unmittelbare Folge: Der Traffic steigt enorm und alle Nutzer können von sinkenden Datenraten betroffen sein. Sinnvolle wäre also, wenn jeder Nutzer nach seinem Rechnungsdatum behandelt werden würde. Dann käme es statistisch gesehen wenigstens im Ansatz zu einer recht homogenen Verteilung der Termine. Vor diesem Hintergrund verstärken die Mobilfunkunternehmen somit selbst noch die ohnehin kaum vorhandene Akzeptanz der Praktik.

14. Perspektiven

Wie die LTE-Tarife in 5 Jahren ausschauen werden, vermögen wir natürlich auch nicht zu prognostizieren. Allerdings wäre eine direkte Empfehlung unsererseits an die Provider, zumindest eine moderate Anhebung der Datenkontingente bei DSL-Ersatzlösungen in Betracht zu ziehen. Statt der jetzt gängigen Staffelung (LTE-Zuhause) von 10 - 30 GB, hin zu zeitgemäßen 50 - 100 GB. Damit könnten sich wahrscheinlich nahezu alle Nutzer anfreunden, die LTE als DSL-Alternative einsetzen. Auch der bestehende Ansatz zum Nachkauf (Speedon) geht in die richtige Richtung. Lediglich die Preisvorstellungen kollidieren aktuell noch enorm mit denen der Nutzerrealität. Dass es theoretisch auch ohne Drosselung geht, zeigt übrigens ein Unternehmen ("Drei") im direkten Nachbarland Österreich. Auch bei unseren EU-Nachbarn, ist die unlimitierte Flat eher schon Standard als Ausnahme.

Ein Schritt in die richtige Richtung machte indes die Telekom im September 2016. Seither bietet der Konzern erstmals auch Möglichkeiten ohne Drossel zu surfen...


Kann man die Drosselung umgehen?

In einigen Hilfsportalen und Foren taucht immer mal die Frage auf, ob man die Drossel umgehen kann. Die kurze und schmerzliche Antwort lautet NEIN. Die Abwicklung wird vom Provider Netzintern vorgenommen. Tricksen geht also leider nicht, ganz abgesehen von der Legalität dieses Vorhabens :-)
Bleibt also nur den Umstand hinzunehmen oder auf etwaige Alternativen auszuweichen. Lesen Sie dazu am besten noch unser Spezial zu DSL-RAM. Vielleicht geht doch DSL bei Ihnen?

Drossel auch bei DSL, VDSL & Co. ?

Leider könnten in Zukunft auch bei DSL neue Regeln gelten. Es gab bereits einen Versuch, seitens der Telekom, ein Drosselungsmodell bei DSL einzuführen. Das Vorhaben wurde aber wenige Monate später auf Grund erheblicher Proteste wieder abgelassen. Dass die Drossel im Festnetzbereich dennoch kein Tabu ist, demonstriert O2. Der Anbieter hat seit 2015 eine sogenannte "Fair Use Mechanik" eingebaut. Die Limitierung erfolgt allerdings erst bei drei Überschreitungen in drei folgenden Monaten und dürfte kaum jemand treffen. Es zeigt jedoch, dass auch DSL & Co. langfristig vielleicht nicht ganz ohne Drossel auskommen werden. Ob sich daraus ein Trend entwickelt bleibt noch abzuwarten.

Wie sehen Sie das?

Sie haben zu dem Thema Fragen oder wollen Ihre Sicht der Dinge mit einbringen? Unser Forum bietet dafür den passenden Raum zum Diskutieren.




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