
Die erste Anwendung in unserer Liste dürfte zweifelsohne, heute und in Zukunft, zur Paradedisziplinen von LTE gehören. Die sehr hohen, erzielbaren Datenübertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr, gepaart mit hoher Servicequalität, bieten erstmals das Potenzial einer echten Alternative für traditionelle, kabelbasierte Datennetze. Als für DSL, VDSL oder Kabelinternet. Und was wird mit dem Festnetztelefon, fragen sich sicher einige Leser? VOIP in Verbindung mit LTE bietet auch gleich einen vollwertigen Ersatz für die klassische Festnetztelefonie. Komplettpakete aus Surfflatrate und Telefonflatrates sind daher auch mit LTE realisierbar. Vodafone z.B. wickelt die Telefonie bei den Tarifen "Vodafone LTE Zuhause Internet & Telefon" per VOIP ab. Ein richtiger Festnetzanschluss über Kupferkabel muss also nicht anliegen bzw. freigeschaltet werden.
Auch im Zusammenhang mit Video- und TV-Übertragungen, warten in der Zukunft, dank LTE-Technik, echte Killerapplikationen auf die Nutzer. Dass nicht alles aus dem Reich der Fiktion stammt, konnte Vodafone bereits erstmals zur Cebit 2009 demonstrieren. In Zusammenarbeit mit dem Mobilfunkanbieter und Ericsson, konnten Messebesucher damals Breitbandanwendungen über ein LTE-Demo-Netz bestaunen. Darunter auch Videokonferenzen in HDTV. Auf der IFA 2010 zeigte die Telekom eine Liveschaltung zwischen einem fahrenden Auto und dem Messestand in HD. Viele weitere solche Show-Cases folgten in den vergangenen Monaten.
Die Leistungsfähigkeit von LTE impliziert die Realisierbarkeit einer Reihe weiterer Multimediadienste für Endverbraucher. Zum Beispiel die Übertragung von Fernsehen in HDTV mittels IPTV via LTE, Videochats am (LTE-)Handy und „Mobile TV“ - auch „Handy-TV“ genannt. Letzteres hatte in Deutschland bekanntlich einen schweren Start und findet bisher kaum Verbreitung. Nicht zuletzt wegen des Desasters um DVB-H. Dem Standard, der eigentlich schon vor Jahren Handy-TV in Deutschland ermöglichen sollte. Heute ist TV am Handy lediglich mittels DVB-T und UMTS möglich. Beide Techniken sind jedoch nur sehr bedingt für diese Aufgabe geeignet. LTE könnte mit seinen Vorteilen daher endlich TV auf dem Handy zum Durchbruch verhelfen.
Die mobile Internetnutzung steht natürlich bei LTE klar im Vordergrund. Egal, ob auf dem Handy, mit dem Laptop oder stationär am PC. LTE ermöglicht Highspeed-Surfen im Internet - immer und überall. Mobile Flatrates könnten mit LTE endlich den Durchbruch zum Massenmarkt schaffen. Denn eine breite Akzeptanz wird bisher erschwert durch die noch recht hohen Preise. Voraussetzung dafür sind selbstverständlich preiswerte LTE-Tarife. Mit fairen Angeboten könnten die Mobilfunkanbieter auf einen Schlag in direkte Konkurrenz zu den Kabel und VDSL-Providern treten!
Auch für Unternehmen ist LTE interessant. Das Highspeed-Funknetz hat Potenzial für zahlreiche Erleichterungen und Optimierungen in der Kommunikation. Downlinkdatenraten von bis zu 100 Mbit/s und Uplinkraten bis 50 Mbit/s eignen sich hervorragend für Anwendungen mit großem bidirektionalem Datenfluss, wie z.B. HD-Videokonferenzen, die wir bereits in Punkt 3 erwähnten.
Überall dort, wo viele Daten anfallen, die im Workflow übertragen werden müssen, spielt LTE dank der hohen Datenübertragungsrate seine Trümpfe aus. Zu nennen wären hier z.B. Architekturbüros und Designer.
Auch für Fernsehproduktionen könnte LTE bald eine Rolle spielen. Dies zeigte Alcatel Lucent im Mai 2010. Die Livebilder von den Booten einer Segelregatta wurden hier per LTE zur Produktionszentrale in der Nähe übertragen.
Mittelfristig könnten besonders Gebiete, die bisher an kein Breitbandnetz auf Kabelbasis angeschlossen sind, von LTE und dessen Leistungsfähigkeit profitieren.
Besonders hier fallen häufig riesige Dateien und Datenpakete an. Zum Beispiel bei Radiologie- oder Computertomografie-Untersuchungen. Vodafone demonstrierte schon 2009, wie in Sekunden so Datenmengen von mehreren hundert Megabyte übertragen wurden.
Hatten wir in Punkt 2 bereits genannt. Aber unserer Meinung nach bahnt sich da etwas Großes an, dem wir einen extra Unterpunkt widmen möchten.
Mobiles IPTV ist auf dem Weg und wird bereits Realität! Natürlich zunächst in den USA. Mit IPTV meinen wir übrigens richtiges TV über das Internet und keine wackeligen Youtube-Videos. Tatsächlich plant der Anbieter „MobiTV“ das IPTV-Angebot des amerikanischen Telekommunikation-Unternehmens AT&T namens „U-verse“ auf das Handy zu bringen! Mit schnellen Mobilfunknetzen, wie LTE, spräche nichts dagegen, dass das hierzulande nicht z.B. auch mit dem IPTV-Angebot von der Telekom möglich ist. Zur IFA 2011 kündigte Vodafone tatsächlich an, künftig Vodafone TV auch per LTE anbieten zu wollen. Zunächst allerdings nicht die Übertragung des TV-Programmes selbst, sondern Zusatzservices, wie Video-on-Demand.
Dieser Punkt mag zunächst unwichtig klingen. Doch der Spiele- und insbesondere der Onlinespielemarkt entwickeln sich seit einigen Jahren zu einem enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor. Die ersten Spiele haben in den Einnahmen bereits Hollywoodblockbuster geschlagen. Genauer gesagt handelte es sich um das Game „Call of Duty 4“. Der umstrittene Shooter verkaufte sich wie geschnitten Brot. Nebenbei bemerkt ein Genre, was für Onlinespiele wie prädestiniert und somit auch sehr beliebt sind. Wichtig für Onlinegaming via Internet sind niedrige Pingzeiten. Bei DSL gibt es daher bei einigen DSL-Providern sogar ein Upgrade namens „Fastpath“ das die Pingzeiten herunter setzt. Nur so können Spieler in Onlinegames schnell genug die virtuellen Egos steuern. Millisekunden können hier über „Leben und Tot“ entscheiden. LTE ist erstmals dank der deutlich niedrigeren Latenzzeiten uneingeschränkt gamingtauglich!
Die ersten Autos mit Internetzugang rollen schon. Nichts Besonderes? Schließlich kann man mit einem Surf-Stick und Laptop in jedem Auto surfen oder? Dass ist richtig, doch eingebaute Lösung bieten ein Mehr an Stabilität, Komfort sowie mehr Anwendungsmöglichkeiten. Bisher ist das rollende Internet jedoch maßgeblich der Luxusklasse vorbehalten. Laut einem Bericht der Basler Zeitung vom Januar 2010, verwendet Mercedes in seiner E- und S-Klasse bereits so genannte „in-car-hotspots“. Noch wird dafür HSDPA mit maximal 7,2 Mbit/s verwendet. In Zukunft könnte hier also ohne weiteres auch LTE Einzug halten. Die Implementationen solcher „in car systeme“ wird zudem früher oder später auch im Bereich der Mittelklassewagen ankommen. Die Deutsche Telekom denkt ebenfalls darüber nach diesen Geschäftszweig künftig zu erschließen.
Wozu das ganze? Nun ein Internetzugang im Auto kann zum Einen als mobiles Büro für Geschäftsleute dienen. Zum Anderen erwächst daraus ein breites Spektrum von Entertainment-Möglichkeiten. Auch die mobile Navigation wird zweifelsohne von zusätzlichen Daten, zum Beispiel dem aktuellen Verkehrsaufkommen profitieren.
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