Vorteile von LTE

Was bietet die 4G Funktechnik an Vorzügen?


Wozu LTE?

Die LTE-Technik ist eine Weiterentwicklung des Mobilfunkstandards der 3. Generation (3G), deren prominenteste Vertreter das allseits bekannte UMTS sowie HSPA sind. Man spricht auch vom „Next Generation Mobile Networks“ („NGMN“) – also „Mobilfunknetz der nächsten Generation“.

LTE wird häufig bereits dem 4. Standard (4G) zugeordnet. Präziser ist jedoch, von einer Vorstufe zum 4G Standard zu sprechen. Denn erst das so genannte „LTE-Advanced“ erfüllt streng genommen alle nötigen Standardisierungskriterien für „4G“. Trotz der nicht ganz zutreffenden Zuordnung, ist in den Medien im Zusammenhang mit LTE jedoch meist vom Netz der 4. Generation (4G) die Rede. Es hat sich also diese Terminologie bereits eingebürgert.

Unabhängig davon, bietet LTE gegenüber den Vorgänger-Generationen eine Vielzahl von Vorteilen, die wir im Folgenden vorstellen möchten. Zunächst erfolgt eine verkürzte Darstellung in der Übersicht. Danach widmen wir uns einigen der Vorteile im Detail.

Übersicht der LTE-Vorteile



  • höhere Datenübertragungsraten im Down- und Uplink (150 | 50 MBit/s und höher),
  • noch höhere Leistung per LTE-Advanced (Pro): 300-1000 MBit Down | 50-150 MBit/s Up,
  • niedrigere Latenzzeiten (u.a. besseres Benutzererlebnis beim Surfen und anderen Applikationen),
  • verbesserte mobile Telefonie = VoLTE,
  • höhere Spektraleffizienz → niedrigere Kosten je Datenvolumina für Provider (Faktor 2-4),
  • Versorgung der letzten Gebiete ohne DSL mit schnellem Internet ("weiße Flecken"),
  • tendenziell geringerer Stromverbrauch → höhere Gerätelaufzeiten,
  • leicht aufrüstbare Infrastruktur → geringere Netzausbaukosten,
  • datenpaketbasierte Übertragung nach IP-Protokoll,
  • u.a. hoher und levelorientierter QoS (Quality of Service) möglich,
  • beste Mobilitätseigenschaften → auch schnelle Fortbewegung wie in Zügen kein Problem mehr,
  • in Zukunft weiter skalier- und optimierbar → LTE-Advanced+ → bis weit über 1000 MBit/s,
  • wichtiges Element im Breitbandmix der Zukunft


Die Summe all dieser Vorteile, bedingt eine enorme Vielfalt möglicher Anwendungsbereiche für LTE. Diese geht weit über den Geschwindigkeitsfaktor hinaus. LTE kann weiter mehr!


Einen Großteil der einzelnen Vorteile aus der vorangegangenen Übersicht, haben wir für Sie folgend im Detail aufgeschlüsselt:

  1. Der wohl interessanteste Vorteil von LTE, ist die wesentlich höhere, maximale Geschwindigkeit der Internetverbindungen. In den ersten Ausbaustufen des LTE-Netzes (Release 8) wurden bis zu 150 MBit/s für die Download-Datenrate erreicht. Die maximale Uploadgeschwindigkeit beträgt in diesem Release 50 MBit. Doch damit war noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Mit dem nochmals verbesserten LTE-Advanced, wurden im nächsten Schritt um die 300 MBit realisierbar. Seit ca. 2017 wird das abermals optimierte LTE-Adv Pro ausgebaut. Hier stehen 500-1000 MBit zur Verfügung, obgleich noch längst nicht flächendeckend.



    Auch wenn all diese Zahlen immer nur als theoretische Maxima interpretiert werden sollten - es sind via Funk effektive Datenraten weit jenseits heutiger (V)DSL-Verbindungen möglich. Prinzipiell könnten in einigen Jahren vielleicht sogar die ortsabhängigen Breitband-Internetzugänge (DSL, VDSL oder Kabelinternet), verdrängt werden. Zwar haben diese ebenfalls das Potenzial, Geschwindigkeiten von mehreren 300 MBit/s zu erreichen, jedoch ist die Verlegung physischer Leitung mit enormen Kosten verbunden. Beim Glasfaser-Ausbau der Deutschen Telekom, der Unsummen verschlingt, wird dies einmal mehr deutlich. Der Konzern investiert jedes Jahr mehrere Milliarden Euro für den Ausbau im Festnetz. Dabei lag auch 2018 der Glasfaseranteil in Deutschland noch unter 10 Prozent.

  2. Der zweite Punkt in unserer Liste der LTE-Vorteile, betrifft die so genannte Latenzzeit (Ping). Um diesen besser zu verstehen, müssen wir einen kurzen Blick auf die Vorgängergeneration HSPA werfen. Surfte zum Beispiel ein Nutzer mit einem HSPA-Handy eine Internetseite an und wurde diese zu Ende geladen, erfolgte eine Trennung der Verbindung. Erst bei der nächsten Interaktion, wie zum Beispiel dem Anklicken eines weiteren Links, stellte das Handy erneut eine Anfrage, mit dem Netz verbunden zu werden. Dies schonte zwar wichtige Ressourcen, erhöhte jedoch die Reaktionszeit (Latenz) enorm. Vom Ruhezustand bis zum Aktivzustand (Cell-DCH), konnten so 1000 ms (1 Sek.) oder mehr vergehen. Das klingt nicht viel, verhindert beziehungsweise erschwert aber eine Reihe von modernen und nützlichen Internetapplikationen, wie Videotelefonie, Videostreaming oder Onlinespielen.

    Bei LTE besteht eine permanente Verbindung mit Reaktionszeiten von etwa 50 ms für den Aufbau der ersten Datenverbindung und circa 10-40 ms für folgende. Damit entsteht beim Nutzer der Eindruck einer kabelbasierenden, unterbrechungsfreien Internetverbindung - wie zum Beispiel per VDSL. Und auch wer LTE zu Hause als Internetzugang nutzt (siehe nächster Abschnitt), profitiert von schnelleren Pingzeiten. Diese liegen, je nach Anbieter, zwischen rund 30 und 100 ms. Dies zeigten vor einigen Jahren zumindest einer unsere Studien im Zuge der Auswertung von rund 0,5 Millionen Speedtestdaten.

  3. Einer der wichtigsten Vorteile: LTE bringt zeitgemäße Datenraten endlich auch in ländliche Gebiete, wo es bis dato noch kein schnelles Internet verfügbar war. Dort herrscht bekanntlich in weiten Teilen noch eine latente Unterversorgung. Die Anbieter hatten sich beim Ersteigern der ersten LTE-Lizenzen verpflichtet, zuerst jene Gebiete mit schnellem Breitband zu versorgen. Bis spätestens 2016 sollen damals, so der Beschluss, fast alle „weißen Flecken“ auf der Breitbandkarte in Deutschland beseitigt sein. Dass Ziel wurde hingegen schon weit eher erreicht - Ende 2012 galten die Versorgungslücken in allen Bundesländern zu 90% als getilgt. LTE-Angebote für Zuhause, versorgen heute tausende Haushalte mit flotten Internetzugängen, teils auch inklusive Festnetzflat. Weit mehr als 70 Millionen Nutzer hatten Mitte 2018 bereits Zugriff auf LTE. Auch in den Städten ist LTE vielerorts fast schon flächendeckend verfügbar oder wird für noch leistungsfähigere LTE-Standards ausgebaut. Tests und mehr Infos zum Thema LTE-Verfügbarkeit hier.

  4. LTE basiert vollständig auf einem IP-Übertragungssystem. Die Datenübertragung erfolgt also (wie schon im Internet allgemein üblich) datenpaketorientiert auf Basis des IP-Protokolls. Diese Neuerung gewährt ein höchstes Maß an Sicherheit und der Qualität des LTE-Netzwerkes. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom so genannten „Quality of Service“, kurz QoS. Die Vorgängerstandards GSM, UMTS und HSDPA boten nur geringe QoS-Levels. LTE unterstützt sogar unterschiedliche QoS-Level mit Priorität auf Latenzzeiten oder Bitrate. Diese Differenzierungen können, je nach dem Anwendungsbereich einer LTE-Datenverbindung, enorm wichtig sein. Bei Onlinespielen oder Telefonie spielen beispielsweise geringe Latenzzeiten eine wesentlich größere Rolle, als die Datenübertragungsrate. Lädt der Nutzer gerade eine große Datei aus dem Internet, verhält es sich genau anders herum. Führen verschiedene Nutzer eine Videokonferenz durch, wäre hingegen eine intelligente Mischung aus beiden Faktoren ideal.

  5. Der nächste LTE-Vorteil betrifft die Flexibilität. Der LTE-Standard kann auch zur Übertragung von Broadcast- und Multicastdiensten (Rundfunk) genutzt werden. Vielleicht erlebt, dank LTE, dass in Deutschland schon tot geglaubte Handy-TV (vormals für DVB-H vorgesehen) eine Renaissance. Vodafone und die Telekom bieten mittlerweile entsprechende Angebot zum mobilen Fernsehen am Smartphone.

  6. Verbesserte, mobile Telefonie - Voice over LTE
    Seit Ende 2014 wird sukzessive auch die sprachbasierte Telekommunikation via LTE (kurz VoLTE) im Netz der LTE-Anbieter etabliert. Bis dato wurden die 4G-Netze hierzulande nicht für Mobilfunktelefonate eingesetzt, da es in diesem Zusammenhang hohe technische Hürden gab. Seit Anfang 2015 bieten erste Anbieter diesen Dienst. Allerdings wird für viele Smartphones ein spezielles Update benötigt, so dass sich die Einführung sehr stark hinzieht. LTE-Anbieter.info hat auf der IFA 2013 VoLTE bereits testen können. Der Vorteil für Smartphone-Nutzer: Verbesserte Sprachqualität, geringerer Stromverbrauch und geringere Verbindungsaufbauzeiten.

  7. Die Mobilitätseigenschaften: Auch in diesem Aspekt ist LTE den Vorgängertechniken weit überlegen. Warum? Ein Funknetz kann man sich wie eine Wabenstruktur aus vielen Zellen vorstellen. Bewegt sich ein Nutzer, so muss an den Grenzen der Zellen ein sogenanntes „handover“, also eine Übergabe, stattfinden. Diverse Optimierungen beim „handover“ und weitere technische Faktoren, machen LTE praktisch uneingeschränkt mobil nutzbar. Die Bewegungsgeschwindigkeit eines Rezipienten kann prinzipiell über 100 km/h betragen. Mit 3G-Verbindungen war meist bei spätestens 50 km/h Schluss. Etliche Tests in Highspeed-ICEs legen eine erhöhte Praxistauglichkeit nahe.



    Einige Autohersteller boten schon vor Jahren "In-Car-Internetsysteme" mit LTE an, z.B. Audi. Allerdings primär im Luxussegment. Seit 2015 verbauen aber immer mehr Hersteller LTE-Lösungen im unteren Preissegment, wie etwa Opel. Bei Vodafone gibt es eine einfache Lösung für jedermann, einen sogenannten Car-Stick. Auch die Telekom zog 2018 mit CarConnect nach.

  8. Notwendigkeit von LTE als Beitrag zur Führungsrolle im Breitbandmix
    Die hohe Leistungsfähigkeit der LTE-Netze, stellen den letzten Punkt unserer Liste dar. Diese bietet bei weitem nicht nur ein Benefit für Privatpersonen. Highspeed-Internet via LTE spielt heute und in Zukunft, neben Kabel- und glasfaserbasierten Breitbandnetzen, eine elementare Rolle im Kommunikationsmix Deutschlands. Das Niveau der Breitbandversorgung im europäischen und internationalen Vergleich, bezogen auf modernere Informationsnetze, stellt heute und morgen eine wichtige Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen dar.


Nachteile von LTE:

Das Leben lehrt - die eierlegende Wollmilchsau gibt es in der Regel nie. Auch bei LTE finden sich natürlich auch ein paar Schattenseiten, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen.


  • (noch) keine uneingeschränkte Verfügbarkeit,
  • es kann aus dutzenden Gründen zu Empfangsproblemen kommen, die der Nutzer teils in der Hand hat, teils aber nicht (providerseitige Störungen) - siehe auch Tipps zur Empfangsoptimierung,
  • mehr elektromagnetische Emissionen. Dies sehen einige Verbraucher kritisch, obgleich bisher alle Untersuchungen die Unverhältnismäßigkeit dieser Besorgnis zeigen. Geht von LTE womöglich eine Gefahr für die Gesundheit aus?
  • Fast alle Tarife, egal ob für Zuhause als DSL-Ersatz oder mobil, unterliegen einem Limitierungs-System (Speed-Drossel). Der Nutzer kann die volle Geschwindigkeit nur für ein bestimmtes Datenkontingent frei nutzen und wird dann, bis zur nächsten Rechnungsperiode, gedrosselt. Dabei erfolgt eine erhebliche Absenkung der Geschwindigkeit. Mehr dazu hier. LTE stellt daher auf dem Land nicht unbedingt die ultimative Lösung, in Form eines „echten DSL-Ersatzes, dar. Zumindest nicht, wenn man das Internet, mit all seinen Möglichkeiten (Youtube, Cloud & Co.) uneingeschränkt nutzen möchte. Falls aber wenigstens ein langsamer DSL-Anschluss vorhanden sein sollte, bietet das sogenannte Hybrid-Internet von der Telekom die gesuchte Lösung! Es gibt seit 2017 aber erste Tarife ohne Datenlimitierung.
  • Einige befürchten, dass der kabelbasierte Breitbandausbau auf dem Land für die nächsten Jahre endgültig betoniert wurde, da es ja nun eine „Alternative“ gibt.

Doch am Ende ist immer der Trade-Off zwischen Nutzen und Problemen entscheidend, der unserer Meinung klar in eine Richtung ausschlägt - dem der Vorzüge.


Fazit: LTE hatte technisch gesehen auf jeden Fall das Zeug, zu einem der wichtigsten und meist genutzten Mobilfunkstandards des neuen Jahrtausends zu werden. Genauso ist es auch gekommen. In Verbindung mit der bereits Ende 2014 gestarteten „Next generation“ namens LTE-Advanced, wird die LTE-Technik noch für mehrere Jahre hinweg der Datenübertragungsstandard Nummer 1 bleiben, selbst nach dem Release dessen Nachfolgers 5G.




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