Noch nicht einmal war der Startschuss für die heutige LTE-Auktion gefallen. Da meldet sich eine neue Gruppe Schwarzseher zu Wort. Die Rede ist vom „Bund für Umwelt und Naturschutz“, kurz BUND. Dieser sieht die Gefahr steigenden Elektrosmogs durch LTE. Berechtigt?
Schema F
Sobald sich eine neue technische Entwicklung anbahnt, haben Kritiker, Schwarzseher und „Dagegen-Seier“ in Deutschland Hochkonjunktur und ein Forum für neue Thesen. Das ist bekannt und wundert eigentlich kaum noch. Bei LTE scheint es diesmal nicht anders zu sein. Vor ein paar Tagen wurde die „Fernsehempfangskiller-Sau“ durchs Dorf gejagt. Wir berichteten. Mahnende Stimmen sahen bereits mit dem LTE-Start das Ende des störungsfreien Kabel- und DVB-T-Fernsehempfangs gekommen. Millionen Verbraucher würden bald sprichwörtlich in die Röhre sehen. Dass es in Deutschland (und weltweit) bereits lange Tests gibt, um diesen Vorwurf zu untersuchen, wird meist verschwiegen. Auch das in Stockholm bereits seit einiger Zeit LTE in der Praxis online ist und dort Kabelkunden nicht Heerscharenweise auf die Barrikaden gehen. Aber sicherheitshalber muss man darauf hinweisen, um dann als Prophet und Technikexperte ein Buch schreiben zu können, falls wider erwarten doch etwas dran ist…
Langzeitwirkungen unbekannt
Der BUND argumentiert in der Pressemitteilung mit einer höheren Elektrosmogbelastung in ländlichen Gebieten, wo LTE zunächst primär zum Einsatz kommen soll. Nämlich um breitbandfreie Zonen endlich mit schnellem Internet zu versorgen. Darauf warten hunderttausende Betroffene.
Es fehle an Studien über Langzeitfolgen der Elektrosmogbelastung und deren Auswirkung auf Mensch und Umwelt. Zudem gebe es eine Reihe von Studien, die Gefahren aufzeigen. Tatsächlich gibt es diese. Aber auch mindestens so viele, die eine Unbedenklichkeit bescheinigen oder keine signifikanten Zusammenhänge erkennen lassen. So z.B. auch bei dem vom BUND erwähnten Effekt auf die „Blut-Hirnschranke“. Der Wissenschaftler der Studie selbst (Leif G. Salford) konnte das Ergebnis nicht reproduzieren bzw. ein zweites Mal bestätigen. Auch andere Studien sahen keinen signifikanten Effekt. Fakt ist – man weiß weder, dass es schadet, noch das dem nicht so ist. Mehr zum Thema „Elektrosmog“ und die Pro-Kontra-Studien.
Nicht weiter ausbauen…
Umso erschreckender vor diesem Hintergrund erscheint da die Forderung von Bernd Rainer Müller, welcher als „Mobilfunkexperte“ wie folgt zitiert wird: “Um mögliche Umwelt- und Gesundheitsschäden zu vermeiden, dürfen die Funknetze nicht weiter ausgebaut werden. Stattdessen müssen emmissionsarme Kommunikationstechnologien entwickelt werden, die solche Schäden ausschließen.“ Möglich werden soll dies mit so genannter Infrarot-Übertragungstechnik und dem Ausbau der netzgebundenen Breitbandverbindungen, wie VDSL oder Kabelinternet. Die konsequente Folge wäre langfristig ein Verzicht auf mobile Telefonie und Datenkommunikation…
Kirche im Dorf lassen
Die Frequenzen, um die es im ländlichen Bereich geht, waren auch vorher schon belegt. Beispielsweise durch das analoge, terrestrische Fernsehen. Vielmehr wird also eine Lücke im Netzspektrum wieder geschlossen. Zudem sind die magnetischen Feldstärken, selbst beim telefonieren mit dem Handy direkt am Kopf, sehr gering. Von „Elektrosmog“ kann also bei LTE auf dem Lande keine Rede sein. Auch impliziert das Wort an sich schon etwas Negatives. Wissenschaftlicher wäre es z.B. von „elektromagnetischen Umweltverträglichkeit“ zu sprechen. Wer also vor einer Belastung durch die LTE-Technik Angst hat, muss wohl in ein Entwicklungsland ziehen. Denn neben LTE gibt es noch UMTS, HSDPA, Wimax, Hotspots, diverse Fernsehübertragungsnetze, Militärische Funknetze, Radaranlagen, Radiosender, Hochspannungsleitungen, Mobiltelefone, ….





April 17th, 2010 16:58
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